Susan Wolf - Into Your Arms (Official Music Video)
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Susan Wolf - Into Your Arms (Official Music Video)
Susans Sinn – Was eine analytische Philosophin zum Sinn des Lebens sagt
Wenn man jemandem erzählt, man sei Philosoph, wird man ziemlich bald gefragt, was das denn nun sei, der Sinn des Lebens. So als habe man hierzu eine besondere Kompetenz. Das ist sicher nicht so – vor der Sinnfrage stehen wir alle gleichermaßen. Doch gehört sie zum Kanon existenzialistischer Probleme, mit denen sich die Philosophie befasst. Gerade bei der Sinnfrage aber gibt es eine gewisse Hemmung, zumindest bei der akademischen Philosophie. In dem Maße wie seit Jahrzehnten pseudophilosophische „Ratgeberliteratur“, die uns Glück, Erfolg und Sinn verspricht, den Büchermarkt schwemmt, zieht sich die Philosophie, mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, von derartigen Fragestellungen zurück.
Sinn im Leben, Sinn des Lebens
Es gibt jedoch eine beachtliche Ausnahme: die US-amerikanische Philosophin Susan Wolf, eine Schülerin Thomas Nagels. Wie ihr akademischer Lehrer unterscheidet sie dabei zwischen Sinn im Leben und Sinn des Lebens.
Vgl. Was ist der Sinn des Lebens? Sinnfrage & Lebenssinn heute
Das überzeugt. Wenn die große Frage nach dem Sinn des Lebens zu überfordern droht (etwa in einer Depression), kann eine Besinnung auf Sinnvolles im Hier und Jetzt des Alltags durchaus weiterhelfen, um überhaupt wieder ins Handeln zu kommen und dabei ein gutes Gefühl zu entwickeln. Nur für den Moment, doch das reicht dann schon. Die Differenzierung beinhaltet somit echte Lebenshilfe.
Der Sinn wird dabei zum Zweck funktionalisiert. Diese Reduktion ist therapeutisch sinnvoll, führt philosophisch jedoch am eigentlichen Thema vorbei. Gesucht ist ja gerade ein nicht zu instrumentalisierendes Prinzip, aus dem sich der Sinn ergibt.
Gesucht ist mit anderen Worten ein „Warum“, ein unhintergehbarer Grund, auf dem das sinnvolle Leben gebaut werden kann und mit dessen festem Halt sich das momentan so leidvoll erfahrene „Wie“ ertragen lässt, um die Grundidee der Logotherapie Viktor E. Frankl aufzugreifen. Die Suche nach diesem Grund kann (und wird) in einer religiösen bzw. weltanschaulichen Dimension münden. Erst aus dieser lassen sich jene Sinnressourcen zu Tage fördern, die ein (ziemlich) krisenfestes „Warum“ begründen.
Vgl. Der Sinn des Lebens in der Philosophie
Doch bleiben wir für den Moment beim Sinn im Leben. Susan Wolf sieht die Sinnfrage vor allem in drei Lebenssituationen auftreten:
• auf dem Sterbebett, wenn es darum geht, Bilanz zu ziehen,
• in so genannten „Epiphanie“-Erfahrungen, wenn einem schlagartig die Sinnlosigkeit des (bisherigen) Lebens bewusst wird und
• in Momenten von Verzweiflung.
Gerade die Sinnkrisen in Erfahrungen von „Epiphanie“ und Situationen von Verzweiflung kommen der Sinnkrise des depressiven Menschen nahe. Sinnkrisen können Depressionen auslösen oder aber Ausdruck von Depressionen sein. Unabhängig davon, ob sie Ursache oder Folge sind, hängt die Sinnfrage sehr eng mit der Depression zusammen. Eine eigene Therapieform ist entstanden, die diesen Konnex betrachtet, eben jene Logotherapie nach Viktor E. Frankl.
Sinn und Zeit
Und das Sterbebett bringt einen weiteren Konnex auf: Sinn und Zeit. Wir wissen um unsere Endlichkeit. Das führt in der persönlichen Sinnsuche potenziell zu dem, was Karl Jaspers als „Lebensgier“ bezeichnet hat – das unbedingte und ungezügelte Streben nach sinnerfülltem Leben hier und jetzt. Dann jagt ein „Event“ das nächste, ein „Erlebnis“ das andere. Und alles muss perfekt sein in diesem Aktionismus. Was sich nicht in 70, 80 Jahre pressen lässt, wird als schmerzlicher Verlust empfunden.
Auch die Moral ist davon betroffen: Sie wird von einer Ethik bestimmt, die zur Geschichtsphilosophie aufgebläht wurde, in der am Ende jeder für alles verantwortlich ist bzw. gemacht werden kann. So wird die Überforderung immer spürbarer. Und darum nimmt die „Ratgeberliteratur“ in den Buchhandlungen so viel Platz ein.
Wenn einem in aller Lebensgier – trotz oder wegen ihr – die Erfahrung von Sinnhaftigkeit versagt bleibt, dann stellen sich die Fragen mit Blick auf die Endlichkeit in radikaler Weise: Was soll das alles? Was soll das alles, wenn wir doch in absehbarer Zeit sterben? Was bleibt?
Die Verknüpfung von Sinn und Zeit führt einerseits zu Frustration, denn die Vergänglichkeit lässt alles Tun potenziell sinnlos erscheinen, andererseits ist Endlichkeit gerade die Bedingung dafür, dass unser Handeln überhaupt sinnvoll sein kann. Unendlichkeit würde all unser Tun von vorne herein sinnlos machen. Die stete Wiederholbarkeit führte ganz konkret zur „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ (so sah Nietzsche die Geschichte) und damit zum Ende jeder Motivation, etwas in Angriff zu nehmen, dass über Existenzsicherung hinausgeht.
Die Kultur, die man schaffen könnte, würde ja – von einem selbst – unendlich oft reproduziert werden. Wer würde sich noch auf eine Prüfung vorbereiten, die er unendlich oft wiederholen könnte? Wer würde sich noch über ein spätes Tor im Weltmeisterschaftsfinale freuen, wenn er doch wüsste, ein solches noch unendlich oft sehen zu können?
Wir erkennen, dass einer der Haupteinwände gegen den Sinn des Lebens, nämlich dessen Endlichkeit, nicht verfängt, im Gegenteil: dass Endlichkeit regelrecht zu einer Triebfeder für den Sinn im Leben wird. Man will etwas hinterlassen – und dies bereits hier und jetzt wissen. Man bemüht sich, um einst retrospektiv erkennen zu können, dass man das Leben insgesamt mit Sinn erfüllen konnte.
Leben heißt Erinnerung schaffen. Das kann Sinn geben, Sinn im Leben. Hier und jetzt. Man blickt dazu auf und erweitert den Horizont. In Sichtweite kommt nicht nur das eigene Leben, sondern auch die Anderen, die Familie, vielleicht die Partei, die Glaubensgemeinschaft, der Fußballverein, das Land, in dem man lebt, die Wissenschaft, kommende Generationen. „Selbsttranszendierung“ nannte Karl Jaspers eine solche Haltungsveränderung.
Sinnstiftendes Handeln – für sich und Andere
Zurück zu Susan Wolf. Was ist ihr Vorschlag für sinnstiftendes Handeln im Leben, das sich möglicherweise – unter der Bedingung echter Selbsttranszendierung, also einer Lebensführung mit religiösen bzw. weltanschaulichen Bezügen – zum Sinn des Lebens aufschwingen kann? Sinnstiftendes Handeln sollte nach Susan Wolf Erfüllung stiften, Engagement fördern, Aktivität zeigen, Wertorientierung beinhalten und (idealerweise) zum Erfolg führen.
Das ist gut nachvollziehbar: Was man „gerne“ tut, worin man „aufgeht“ (die Psychologen nennen das „Flow“-Erlebnis), was nicht nur man selbst, sondern auch andere „gut“ finden und was am Ende auch „gut“ wird, das empfindet man als sinnvoll.Entscheidend ist dabei, dass die rein persönliche Erlebensebene (man selbst findet etwas sinnvoll) um eine Außenperspektive ergänzt wird (etwas ist auch in den Augen Dritter sinnvoll). Das Leben eines reichen Müßiggängers, der nur tut, was ihm Spaß bereitet, qualifiziert Susan Wolf nicht als sinnvoll. Es fehlt der Wert des Tuns – für Andere. Ein solches Leben nennt sie „nutzlos“ – und damit sinnlos.
Diesen Aspekt finde ich interessant.
Denn das Argument: „Was suchst Du denn noch nach Sinn im Leben – Du hast doch alles im Überfluss! Genieße einfach Dein Leben! Dann empfindest Du auch Sinn!“ wird damit ausgehebelt. Ja, die meisten Menschen in Mitteleuropa haben alles, was sie brauchen, durchaus auch im Überfluss.
Zugleich aber ist das Gefühl von Sinnlosigkeit weit verbreitet. Es scheint geradezu in dem Maße zu wachsen, in dem die Optionen, Spaß zu haben, zunehmen. Das bringt uns wieder zu Karl Jaspers Selbsttranszendierung.
Oder zu Susan Wolfs „projects of worth“, der Werthaltigkeit des Handelns. Es geht also beileibe nicht nur um unsere Erfüllung beim Handeln, um das Flow-Erlebnis, sondern auch darum, wie wertvoll es für Andere ist.
Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Dass er nur als solches Sinn im Leben erfährt, liegt auf der Hand. Also: „Denk nicht nur an Dich selbst!“ ist als Absage an den Egoismus nicht nur moralisch geboten, sondern auch Voraussetzung für echte Sinnerfahrung.
Und damit kommt eine altruistische Haltung beim eigenen Tun am Ende auch dem Handelnden zugute.
Egoisten werden hingegen im selbstsüchtigen Handeln vergeblich nach Sinn suchen.
Evil Susan Wolf be like :
"I find Jesus and Mother Teresa very attractive."
Susan Wolf’s “Moral Saints:” A Summary
[NB: Did you guys know I wrote a book?] Ever met someone who was a moral saint? Someone who is ALWAYS doing the right thing?
Maybe it's because they just deep in their hearts want to be a good person, or maybe it's because they're convinced they should always do the right thing whether or not they want to. Either way, it's uncomfortable, right? You're like "hey do you read books" and they're all "Unfortunately no I'm much too busy running the orphanage" and you're like "Oh well you must love children" and they're like "No, not really, but I think it's the right thing to do" and then you're like "WOW do ever get to have fun at all?" and they're all "I like to cook..." and you're like "Oh thank G-" but then they're like "...on the weekends, for the orphans." and you finish your drink as fast as possible and then you're like "WOW okay well, oh look my drink is empty, it was lovely meeting you." Sometimes you just want to hang out with people you like and be shitty about nominalists, and moral saints are all "Haha! Yes, I suppose. Anyway, did you see the sports thing?" and you know they changed the subject because they don't like being shitty but you ALSO know they're genuinely, truly not judging you, they'd just rather not say anything negative about another person behind that person's back, but they strive to understand and accept your reasons for doing so, and somehow that makes it so much worse.
It's like their goodness is so overwhelming it crowds out anything else that might be interesting. I'm not saying everyone has to read books and play an instrument and chug light beer on the weekends and most Thursday nights until the blessed darkness comes and I've drowned my self-hatred for a couple hours, I'm just saying that a life that doesn't include ANY of that shit seems weirdly empty. Moral saints are never graceful or witty and it's not because being graceful or witty is immoral, it's because it's nonmoral, and moral saints don't have time for that shit. they're not always boring people, but everything they do has to be in the service of morality. If they're into cooking, it's so they can cook for the soup kitchen. If they're into chess, it's so they can teach the kids at the orphanage. If they're into architecture, it's because they spend summers building homes in disaster areas in the South Pacific and OH MY GOD READ A BOOK JUST BECAUSE YOU WANT TO FOR ONCE IN YOUR FUCKING LIFE.
Sorry.
Moral sainthood conflicts with our ordinary ideas about what sort of person it's worth being. We tend to think that it's better to be physically fit or a good cook or able to shotgun a beer in under 2 seconds, like we're better, more well-rounded people for having some of those skills than not, even though they're totally nonmoral skills. If you want to be a moral saint then at best those sorts of skills or traits are like happy accidents and you're not allowed to cultivate that shit, which is a good reason to NOT be a moral saint.
And maybe you're like "Oh but ordinary ideas about morality are bullshit, that's why we use systems like utilitarianism or Kantianism like adults." One I don't like your attitude and two I don't think those systems really get you out of problems. Like, sure. Maybe utilitarians think there would be more happiness generally if people had interesting hobbies and personalities, and maybe Kantians want to say that we can't rationally will that everyone be a boring asshole, but still: those systems reach into every corner of your life, bro.
So maybe on the societal level hobbies are important for utilitarians, but on the level of the individual utilitarian, especially in non-utilitarian societies, bros FOR SURE gotta be saints. There's just too much to care about. No matter how much you enjoy museums, there are always people to feed and care for. Again, utilitarian saints don't have to be totally boring, but a good utilitarian is never going to do a thing "just because." There's always going to be this extra "because... it's for the greatest overall happiness." And it's like "yo dawg that's one thought too many, pump the brakes."
Kantianism doesn't get you off the hook either, I don't think. In fact, that motherfucker LITERALLY wants you to have a rule for everything. Nothing is more boring than following rules all the time, I feel more boring just thinking about it. You could have hobbies and interests and shit but you still have to pay a toll to the morality man, who's all "Hey why are you into logic puzzles" you have to be like "it's cool, it's so that I can be better at being reasonable and I can univerally will that everyone be more reasonable" and then he's all "why are you really into first century Japanese erotica then" and you are shit the fuck out of luck, bud, unless you can make the case that everyone should be into that. I'm all ears for that case, but good luck.
Now maybe some of you motherfuckers who are all about Aristotelean virtue ethics are all "YEAH HERE COMES THE RAIN, TAKE THAT JOHNNY STU AND MANNY KANT" but I'm not so hot on your solution, either. Isn't the Aristotelean solution just to make "be interesting" a thing we have to do morally? That just DOES NOT seem like the point of morality. My whole point is that we WANT there to be nonmoral reasons for doing things, and making "be interesting" a moral imperative doesn't seem fair to all those really boring motherfuckers that are out there doing their best with the comb-overs they have. You keep doing you, Glenn. Glenn may be boring as shit, just really NO social skills of any kind to speak of at all whatsoever, and also he reads shitty paperback novels all the time? And why does he like the movie Stripes so much? Glenn is a weird dude and all but that shouldn't make him a bad person.
I don't think there's ANY way to come up with a moral theory that doesn't have SOME of these problems. You could put a ceiling on it, and be like "ONLY BE THIS GOOD" but that's stupid and arbitrary, or you could be like "well, morality isn't the point of morality anyway" but isn't it? Like, when people do the morally right thing, I still want to be able to be like "Hell yeah Sarah good work" instead of being all smug like "yeah but did you learn anything?" Fuck that. It makes morality way too calculating, like "sure it's moral but it is the OTHER thing too?"
So any good moral theory is going to create this problem where it's possible to be weirdly, creepily good, but I'm not saying the entire idea of morality is bullshit. OBVIOUSLY some shit is morally right or wrong. I'm also not saying that moral saints are bad people or even that they're not admirable at all, but fuck you if you can't see that there's more to the good life than being morally good. Maybe Mother Teresa is a boss-ass bitch for the level of sacrifice she was willing to make, but it better be okay to be like "yeah, you know what? I think I'll just live in a place that I like and have a good job and give away some of my income, if that's cool with everyone else. Thaaaaanks." I'm not an asshole for wanting that.
All this means that morality isn't the only top-level value; it's not the one thing that we have to judge everything else in our lives by. There's way more that goes into being an awesome human being. Being morally good is just one important component to the Badass Lifestyle. And if we as philosophers want to continue to work out what it means to live the good life, we sure as shit better start making room for other values.