Deep in my mind
Even my inner critic is still a mystic
You're unrefined
Raw and uncut like the prisms
Bending time to time
Mirrors break
They multiply
Fuck what they say
These feelings don't subside
Obsessions fade
Over time
But what remains
Love is whatever we make it tonight
Did they mention the pride before the fall?
'Cause I would risk it all for you
What they say 'bout the writings on the wall?
No clue, baby, I adore you
Aus einer grauen Stadt kommt eine EP, die keine Farben kennt. In schweren Wänden entstand eine EP, deren Stimme diese nicht überwinden kann. »Neonarcissism« klingt nach Isolation, nach Müdigkeit in Badeschlappen, einem schalen Blinzeln unter einem Licht, das entweder aus ist oder zu hell um real zu sein.
Kickdrums boxen, Snares schneiden, aber sie schneiden und boxen eine Stimme, die keinen Körper hat. Ein Kampf mit Geistern. Mutmaßlich mit den eigenen, Sveys Geistern. Vielleicht auch: Ein Kampf mit den geisterhaftesten Geistern überhaupt. Den Lebenden. Nie zu greifen, und immer im Verborgeneren. Sie verstecken sich, weil sie verlernt haben, nackt zu sein.
Die EP klingt nach zwei gegensätzlichen Verlangen, die gleichzeitig gewünscht werden: Nackt sein zu können, sich das zu trauen – und unsichtbar zu sein, weil sie (oder je nach gewünschtem Versteckungsgrad: das lyrische Ich) es sich nicht traut. Also hören wir eine Stimme, die zerbrechlich und nackt klingt. Also aufrichtig. Also so, wie die Lebenden nicht klingen. Aber wir hören genauso also Worte, die sich verhüllt entziehen; nebulöse Durchsagen aus dem schleierhaften Turm, der sich menschliche Unsicherheit nennt. Eitel wie die Lebendigen.
Wieso der Titel? Wo ist hier der Narzissmus und wo der neue? Was ist Neonarzissmus? Ziemlich sicher, wie alle weitergedachten Ismen, etwas schweine Post-Postmodernes. Wer sich hier den korrekten Terminus ersehnt, gehört zu den Lebenden wie sie hier definiert werden. Ein postpostmoderner Narzissmus also. Wie alles Postmoderne: Etwas Schlechtes, das erst besser wirkt, weil man es als solches (etwas Schlechtes) erkannt und entlarvt hat. Dann aber kompliziert wird. Eigentlich: Das innerliche Debakel, wenn ein per Definition der hier als die Lebenden definierten schlechter Drang auf das richtige, das geschulte Bewusstsein trifft.
Das »Ich will um jeden Preis geliebt werden« und das »Es ist ungesund und selbstsüchtig so zu denken und zu fühlen« in einem Gedankenzug. Und das, was dabei herauskommt: ein Unding, weil eine Untat. Eine Nichttat, die Paralyse zwischen dem Trieb und dem Erlernten. Niemals eine Antwort. Im besten Fall eine Frage, die einen weiter bringt. Im schlechtesten Fall ein endloser Satz. Ist das Neonarzissmus?
Etwas (hier: eine EP) zu veröffentlichen, also öffentlich zu machen, also sie nicht für sich behalten und zu sagen, dass man erkannt habe »wie unwichtig das ist«. Da spricht die für immer letzte Lebendige, die Hoffnung. Sie spricht, dass es doch wichtig ist. Sie hofft, dass es etwas entwirrt, dass es eine Antwort bringt, dass der Zuspruch es doch erlaubt, dass es doch wichtig sein darf. Weil: es ist ihr (oder man, oder dem lyrischen Ich, je nachdem wie lebendig man ist) wichtig. Aber sie weiß es besser. Am postpostmodernsten ist es doch, sich keine endgültigen Eingeständnisse zu machen.
Es (hier: die EP) ist nichts in Anbetracht der Toten. Der Ehrlichen, der Aufrichtigen. Nichts ist irgendwas in Angesicht der Endlichkeit; natürlich ist alles nur überhaupt etwas im Angesicht der Endlichkeit.
Was ist diese EP? Der Blick zu den Toten, wo sie die vermeintliche Antwort findet. Und sich doch windet unter der Frage: Ich lebe.
Ich fühle, ich will, ich bin – doch ich weiß jeden Teilaspekt davon besser. Ich bin modern, doch fühle seit Millionen von Jahren. Ich bin modern und die einzige Antwort, die ich aufs Leben habe, ist der Tod.