Über die Lektionen, die einen das Leben lehren lassen und die befreiende Erkenntnis, wieder der Kapitän des eigenen Schiffes zu sein.
Liebeskummer. Ein Gefühl, dass uns die Luft zum Atmen raubt und uns vermeintlich jegliche Hoffnung auf bessere Zeiten nimmt. Wenn wir ihn nicht zum ersten Mal erleben, wissen wir, dass es keinen Weg daran vorbei gibt. Wir wissen, dass wir da durch müssen, wenn wir alleine sind mit uns und die Freunde nach vielen Stunden reden die Wohnung wieder verlassen haben. Wir versuchen uns abzulenken, was nachweislich auch eine wirkungsvolle Medizin gegen jeglichen Schmerz darstellt. Aber tief ins uns spüren wir, dass die Gefühle der Hoffnungslosigkeit und der Trauer sich ihren Weg nach oben bahnen. Ob wir wollen oder nicht. Und dann ist der Moment dar, in dem wir denken uns zu verlieren und Angst haben, nicht mehr froh werden zu können. Doch letztlich gibt es keine Medizin und wir lernen, auch eines der schlimmsten Gefühle zu ertragen und es vor allem zuzulassen.
Aber umso älter wir werden, umso größer wird der Rahmen und wir fangen an zu verstehen, dass die Dinge vielleicht so passieren müssen, wie sie passieren. Damit ist nicht gemeint, dass wir ein Opfer von Umständen sind, nein – es sind immer noch die Folgen und Konsequenzen unserer Entscheidungen. Durch diese Zeiten lernen wir uns jedoch besser kennen und sollten das Geschenk aus dieser schwierigen Zeit wahr nehmen. Denn mit jeder Enttäuschung können wir unserer Angst begegnen, die uns schon ein Leben lang begleitet.
Wir haben ständig Angst. Wir haben Angst, dass uns jemand zu nah kommt und halten deshalb unsere Mitmenschen unbewusst/ bewusst auf Abstand. Ein mancher hat das Gefühl, nur so die Situation kontrollieren zu können und weist gleichzeitig damit eine andere Person zurück, die sich um ihn bemüht. Diese Person hat wiederum ihr Päckchen aus der Vergangenheit und führt es darauf zurück, letztendlich nicht liebenswert zu sein. Aus einer gewissen Distanz betrachtet könnte das Geflecht von Dynamiken, Verbindungen und entsprechenden Reaktionen zwischen zwei Menschen und ihren Verhaltensmustern einen Tanz darstellen. Wir erzeugen Bewegung in dem Gegenüber und anders herum. Wenn wir das große Ganze verstehen, verstehen wir auch, wie wichtig es ist, dass sich jeder über seine Tanzschritte bewusst wird.
Umso schlimmer ist aber auch die Erkenntnis, dass wir in erster Linie nur an unserer eigenen Tanzperformance arbeiten können. Mein ganzes Regal ist voll von Büchern über Beziehungen, Prägungen der Kindheit und Lebensweisheiten. Ich lerne mich dadurch kennen und entwickle meine Persönlichkeit. Deshalb ist es frustrierend, wenn wir angesichts dem Verhalten des Tanzpartners viele schlaue Ratschläge wiedergeben könnten – es aber nicht tun, da wir schließlich als Partner und nicht als Lehrer wahrgenommen werden möchten. Deshalb ist es fraglich, wer am Schluss des Stücks noch miteinander tanzt. Jedoch vermutlich nur die, die gewillt sind, gemeinsam an ihrer Performance zu arbeiten und dessen grundsätzliche Haltung zueinander passt.
So ist es heilsam, den Blick auf das große Ganze zu fokussieren. Können wir langfristig glücklich werden mit der Situation wie sie ist? Der Zustand des mit sich selbst Seins erlaubt es einem, ganz ehrlich sich selbst gegenüber zu sein. Ohne Erwartungen anderer. Und wenn wir versuchen, uns hierauf zu konzentrieren, breitet sich ein leises Gefühl von Hoffnung und Wärme in uns aus. Denn wir erkennen, dass das Einstehen für die eigenen Bedürfnisse Selbstliebe bedeutet und Selbstliebe über die Liebe zu der anderen Person steht.
J.S.















