Fantasy Autor Bernd Perplies im Interview
Hier auf Tumblr schreiben wir viele Themen und nicht alles hat mit Leuengold direkt zu tun. Es reicht, wenn das Thema für Liverollenspieler und Mittelalterfans interessant ist. Und ein Thema kommt auch im Leuengold Laden immer wieder zu Sprache. Was wird eigentlich aus Liverollenspielern. Die Antwort: Ärzte, Unternehmer, Polizisten, Archeologen, Bauarbeiter, Langzeitstudenten, Pressesprecher eines Radiosenders und im Falle von Bernd Perplies ein erfolgreicher Fantasy-Romanautor, der schon etliche Bücher in den letzten Jahren geschrieben hat.
Interview mit dem erfolgreichen Fantasy-Roman-Autoren Bernd Perplies Bernd, du warst früher selbst Liverollenspieler, wie bist du zu dem Hobby gekommen?
Es dürfte Mitte der 1990er gewesen sein, als mich ein alter Freund, Stephan Schäfer – vielen aus der Szene auch als Lonegal bekannt –, auf dieses irre Hobby aufmerksam machte, bei dem man am Wochenende an der Seite von Dutzenden anderen Leuten verkleidet durch den Wald rennt, Rätsel löst, „echte“ Monster bekämpft und ein großes Abenteuer erlebt. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon seit sicher zehn Jahren gemeinsam Pen-&-Paper-Rollenspiele gespielt und dabei praktisch alles erlebt, was man am Spieltisch erleben kann. Daher waren wir sozusagen „reif“ für das nächste Level.
Warst du eher ein Magier oder ein Kämpfer – erzähle doch mal von einem Highlight aus deiner Rollenspielzeit.
Ich wollte natürlich immer beides sein, ein Kämpfer, der zugleich besondere Kräfte hat. Inspiriert wurde ich dazu seinerzeit durch die Jedi-Ritter bei „Star Wars“. Im LARP entsprach das am ehesten einem Paladin, wie ich feststellte, auch wenn ich nie der „klassische Götterdiener“ war, sondern immer einem etwas eigenwilligen Pfad gefolgt bin. Glücklicherweise waren die meisten Spielleitungen in dieser Hinsicht flexibel.
Ein Highlight war für mich sicher – wie vermutlich für jeden LARP-Spieler – mein allererster Con. Ich habe vergessen, wie er hieß und wo er genau stattfand (nach einigem Recherchieren: „Dros Rock IV“ auf der Burg Greene), aber ich habe noch heute nach all den Jahren diesen Moment bildlich vor Augen, als plötzlich spät am Abend in unserem Zeltlager in einer Burgruine dichter Nebel aufkam, grünliches Licht von den Mauern schien und unheimliche Gestalten – Dunkelelfen – auftauchten, die uns ans Leder wollten. Das war mein allererster Kampf – meine Freunde und ich hatten uns für einen Hungerlohn als Torwachen des Orkgrafen Gronk verdingt –, und ich hoffe, ich habe in meiner Aufregung damals keinem der NSC zu hart mit meinem Polsterschwert auf die Mütze gehauen.
Helfen die Erfahrungen dieses Hobbys beim Schreiben eines Fantasy-Romans?
Das ist schwer zu beantworten. Ich erinnere mich an keinen Moment beim Schreiben, an dem ich dachte: „Ach, das war doch im LARP so und so!“ Die Erfahrungen haben mir sicher insofern geholfen, als dass man im LARP ja nicht nur reine Fantasieabenteuer erlebt, man beschäftigt sich auch mit Schwertkampf, mit Rüstungskunde und mit mittelalterlichem Handwerk, denn viele LARPer leben ihre Charaktere ja weit über den vorgegebenen Plot hinaus. Wer also mit offenen Augen so ein LARP erlebt und nicht nur auf den nächsten Orkangriff wartet, kann von den vielen anderen Spielern sicher das ein oder andere lernen, was vielleicht im Alltag unnütz ist, aber Fantasy-Geschichten glaubhafter werden lässt.
Wie viele Romane hast du bislang eigentlich geschrieben?
Ich nähere mich in Kürze meinem zwanzigsten, Heftromane und Beiträge in Anthologien nicht mitgezählt. Ein paar habe ich mit meinem Kollegen Christian Humberg geschrieben, etwa die Kinder-Fantasybuchreihe „Drachengasse 13“. Die Phantastik für Jugendliche und Erwachsene – von „Tarean“ bis „Imperium der Drachen“ – stammt dagegen komplett aus meiner Feder.
Deine Romane zeichnen sich immer durch besonders spektakuläre Coverbilder aus. Wie entsteht so ein Bild?
Die Covermotive entstehen in Zusammenarbeit zwischen Verlag, Künstler und mir. Als ich vor Jahren anfing wurden Cover für Romane oft einfach eingekauft und hatten nur wenig mit dem Inhalt des Buchs zu tun. Heute hat sich das etwas gewandelt. So bin ich in der erfreulichen Situation, dass so gut wie alle Cover explizit für die Bücher entwickelt und gezeichnet wurden. Das läuft normalerweise so ab, dass der Verlag mich fragt, was ich gerne auf dem Cover hätte, ich gebe eine erste Beschreibung ab und dann entsteht über mehrere Schritte das fertige Motiv.
Eine Ausnahme bilden nur die drei Cover meiner frühen „Tarean“-Trilogie. Das waren damals Einkäufe, was die lustige Folge hatte, dass ich vor ein paar Jahren mal ein Cover zu einem anderen Roman („Der Jäger“ von Mark Robson) gesehen habe, auf dem eine Burg abgebildet war, die exakt der Burg auf dem Cover von „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ entsprach – bloß aus einer anderen Perspektive. Offenbar hatte der Künstler eine Bilderserie zu eben dieser Festung geschaffen und sowohl Egmont-LYX als auch cbt haben die Nutzungsrechte an je einem Motiv erstanden.
Noch immer gibt es Eltern, die das Hobby Liverollenspiel ihre Kinder befremdlich finden. Was würdest du diesen Eltern entgegnen?
Macht euch nicht zu viele Gedanken! Fändet ihr es befremdlich, wenn eure Kinder sich verkleiden und schminken würden, um in einem riesigen Stadion 22 Kerlen beim Hinterherflitzen eines Balles zuzuschauen? Oder wenn sie sich verkleiden und schminken würden, um das ganze Wochenende feuchtfröhlich in einer Disco zu feiern? LARP ist definitiv eines der harmloseren Hobbys, die ein Jugendlicher haben kann. Das ist wie Pfadfinderfreizeit und Theater-AG in einem – und das ist doch beides eine gute Sache, oder?
Wie viele Jahre hast du dieses Hobby ausgeübt und wann hast du damit aufgehört?
Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war ich 13 Jahre dabei. Aufgehört habe ich 2009.
Was müsste passieren, damit man dich mal wieder auf einem Liverollenspiel sieht.
Ich weiß nicht, ob das noch einmal passieren wird. Ich gestehe, dass ich in dieser Hinsicht furchtbar bequem geworden bin. Wenn man etwas wirklich mit Begeisterung betreibt, dann ist man dafür zu jedem Opfer bereit. Wir sind damals im Oktober bei Schneegestöber durch ostdeutsche Wälder auf Con gefahren, wir haben bei Minusgraden gezeltet und im Hochsommer in voller Rüstung Berge erklommen. Angriffe bei Nacht, (unerwünscht) fließend Wasser im Zelt, Dixie-Klos und Ravioli aus der Dose überm Grill erhitzt … All das gehörte für uns zum Abenteuer dazu.
Heute müsste es vermutlich ein Hotel-Con in bequemer Anreiseentfernung und mit einem Kostüm, das ich nicht selbst schneidern muss, sein, um mich noch einmal zum LARP zu bringen. Und selbst dann bin ich nicht sicher, ob ich innerlich an die tollen Erfahrungen von früher anknüpfen könnte. Alles hat seine Zeit, wie ich finde. Und mittlerweile bereise ich fantastische Welten lieber wieder von meinem Schreib- oder Wohnzimmertisch aus.
Hast du noch Kontakt zu den denen, mit denen du früher Rollenspieler gemacht hast? Falls ja, was ist aus diesen Leuten geworden?
Nur zu ein paar wenigen. Die Leute kamen ja aus ganz Deutschland, man traf sich nur auf den Cons. Ansonsten war der Kontakt eher gering, was aber auch an mir lag, da ich nie so tief in der Szene drin war, wie etwa Stephan, zu dem ich auch heute noch Kontakt habe und der beispielsweise Oberarzt in Darmstadt ist. Witzigerweise habe ich in den letzten Jahren einige Autoren getroffen, die früher auch LARP gespielt haben. Offenbar gehört dieses Hobby irgendwie zur natürlichen Entwicklung eines Fantasy-Fans dazu.
Noch ein Schlusswort von dir an alle LARPer?
Lebt euren Traum weiter! LARP ist ein großartiges Hobby, das einem Erfahrungen beschert, die man so schnell nicht wieder vergisst. (Etwa, dass man mal für läppische fünf Kupferstücke stundenlang ein blödes Burgtor bewacht hat – schönen Gruß an Graf Gronk! ;-))
Vielen Dank für das Gespräch!





