21. November 1989
Die Bereitstellung meines ersten Telefons (einmalige Gebühr DM 65,00)
Vom Mauerfall habe ich noch in einer Telefonzelle erfahren, aber das war das letzte Mal, denn jetzt bekommt meine Wohnung Telefon. Ungefähr so sieht es aus, nur ist es nicht beige, sondern ozeanblau (offizielle Bezeichnung der Telefonfarbe).
Der Anschluss kostet 36 DM, weitere Gebühren werden für “Zusatzgeräte und Telefone” fällig: 1,20 DM Miete für das “Telefon mit Tastenfeld, Tonrufeinrichtung und Wahlwiederholung”. Eine Wählscheibe wäre etwas billiger gewesen, aber ich will natürlich das frisch erfundene Tastenwunderwerk. Weitere 30 Pfennig werden jeden Monat für “Telefonschnur über 6 m” erhoben. Wir brauchen die lange Schnur, damit alle Bewohner das Telefon mit in ihr Zimmer nehmen können. Die “Übermittlung der Gebührenimpulse” immerhin ist kostenlos.
Außerdem hat das Telefon einen Schlüsselschalter und einen analogen Gebührenzähler. Dass es Gebührenzähler überhaupt gibt, ist ganz neu. Der Schlüsselschalter verhindert, dass Unbefugte das Telefon benutzen, das im leicht zugänglichen Hausflur steht. Auf dem Gebührenzähler muss man nach dem Gespräch den neuen Stand ablesen und in eine Liste eintragen. Am Monatsende macht jemand die Abrechnung und sammelt das Geld bei allen Mietern ein. Eventuell bin ich das.
(Kathrin Passig)











