“TaxiBar” Jörg Juretzka (2014)
23.01.2017
Titel: TaxiBar
Autor: Jörg Juretzka
Erscheinungsjahr:
Verlag: Rotbuch Krimi
ISBN: 3-867-89197-4
TaxiBar
Der aus der mehrteiligen Krimiserie bereits bekannte Ich-Erzähler Kristof Kryszinski ist so etwas wie ein Arschloch: Der Ex-Junkie hat seine Beschäftigung als Privatdetektiv aufgegeben und fristet in diesem zwölften Band der Reihe sein Leben als Besitzer der TaxiBar, einer Eckkneipe im Mühlheimer Bahnhofsviertel. Gestützt auf latentem Selbstmitleid wegen dem Tod seines Hundes und einzigen Kompagnons -Struppi-, folgen seine Handlungen der Logik des finanziellen Eigeninteresses und -ziemlich unverhohlen- den Erfordernissen der Storykonstruktion. Selbst Teil der kriminellen Szene des Ruhrgebiets verzichtet Kryszinski nach der Ermordung des taxifahrenden Geronimos auf eine Zusammenarbeit mit der Polizei und verschuldet, durch Stur- und Dummheit, indirekt fünf weitere Morde. Letztendlich ermöglicht nur der narrative Kniff der Ich-Erzählung, welcher ihm den Anschein geistiger Scharfsinnigkeit verleiht, seine Aufwertung zum sympathischen Antihelden.
Als Ich- Erzähler gewinnt Kryszinski durch seinen trockenen Humor, mit dem er über seine Theke auf die Stammgäste und Angestellten blickt. Eingebunden in eine widerkehrende Abfolge aus Çay-, Kaffee-, Bier- Cocktail- und Schnapskunden verbirgt er seine Sympathien und Antipathien hinter einer mürrischen Fassade. Einen beinahe zärtlichen Umgang pflegt er mit dem Pegeltrinker Yeah-Yeah-Yeah, der baseballschlägerschwingenden Thekenkraft Melissa, seiner misshandelten Putzkraft Bian-Tao oder dem krankgeschriebenen Kommissar Menden. Deutlicher zum Ausdruck gebracht wird hingegen die Abneigung gegenüber dem wabbeligen Frauenschläger Häbbät und den dealenden Jungrussen, die sich zwischen die Stammbelegschaft der TaxiBar als charmantem Schauplatz der Story, mischen.
Diese wiederum findet ihren Ausgangspunkt in einem unwahrscheinlichen Fund von 20 kg Rohheroin an der französischen Atlantikküste und folgt, aufgehalten durch Mautstationen und aggressive Subaru-Fahrer, der Autobahn nach Mühlheim. Hinter Kryszinskis Bemühungen, das Heroin gewinnbringend zu verkaufen und den damit verbundenen, gewalttätigen Schwierigkeiten, verbirgt sich schließlich die eigentliche Kriminalgeschichte. In ihr wird die Ausländerfeindlichkeit gegenüber im Ruhrgebiet lebenden Sinti und Roma thematisiert und zu einem progromatischem Abschluss gebracht.
Stört man sich nicht daran Kristof Kryszinski als übermüdeten, kratzbürstigen Schankwirt, dem es beim Anblick von Weiblichkeit direkt die Schnürsenkel hochzieht, sympathisch zu finden und sieht man auch davon ab, dass seine Handlungen mehr der Konstruktion eines verworrenen Plots dienen, als in seinem Charakter zu gründen, ist die Lektüre von TaxiBar unterhaltsam und kneipengehanimierend!











