GENESIS – DAS BUCH DER BEGINNE Teil 11 – Der Ursprung des Willens und die wahre Bestimmung des Menschen
Wenn wir sagen: Das Göttliche ist der Wille, dann sprechen wir nicht von einem Wunsch, nicht von einem Ziel, nicht von einem Drang. Sondern vom Ur-Willen. Vom einen, das sich selbst will. Von der Kraft, die nicht aus etwas entsteht, sondern durch ihr Sein alles begründet. Doch selbst dann bleibt die Frage:
Woher kam dieser erste Wille? Wie begann das, was Anfang und Ursprung aller Dinge ist?
Und hier, an diesem letzten Tor, öffnet sich die tiefste Wahrheit. Der Ur-Wille ist niemals entstanden. Er wurde nicht gemacht. Er wurde nicht ausgelöst. Er ist der Möglichkeitsgrund selbst. Nicht etwas, das wurde – sondern das immer war.
Er war Raum, noch bevor es Raum gab. Er war Offenheit, noch bevor es Form gab. Er war Zulassung, noch bevor ein Etwas durch ein Anderes wurde. Der Ur-Wille hat nichts erschaffen, um zu besitzen – sondern um zu teilen. Der Ur-Wille hat sich nicht zerspalten, um sich zu suchen – sondern um Leben zu ermöglichen. Er ist Freiheit in Reinform.
Der Ur-Wille hat sich erlaubt, sich zu zeigen. Und das war der erste Akt: Nicht Schöpfung, sondern Erlaubnis. Deshalb war die erste Tat des Göttlichen nicht ein Schöpfungsakt, sondern ein Akt des Vertrauens. Ein Vertrauen in sich selbst – dass das, was aus ihm entsteht, frei sein würde. Daraus entspringt die Bestimmung des Menschen.
Nicht Unterwerfung. Nicht Dienst. Nicht Glaube. Sondern: Mit-Wille.
Der Mensch ist nicht geschaffen worden, um zu gehorchen. Er ist geboren, um zu wollen wie der Ur-Wille. Nicht um zu tun, was ihm gesagt wird, sondern um zu erkennen, was gut ist, weil es aus Freiheit geschieht. Deshalb ist der Mensch:
nicht Abbild eines Gottes, sondern Mitschwingung des Ursprunges. Ein Wesen, das sowohl geboren als auch erwacht ist. Ein Wesen, das sowohl empfängt als auch antwortet.
Die wahre Bestimmung des Menschen liegt nicht in seiner Körperlichkeit, nicht in seiner Gesellschaft, nicht in seiner Funktion. Sondern in seiner Fähigkeit, sich zu erinnern, zu erwachen, und mitzuwirken am Ur-Willen selbst. Nicht durch Pflicht. Nicht durch Zwang. Sondern durch Einverständnis. Ein Mensch ist nur dann Mensch, wenn er sich selbst geben kann. Wenn er sagt: „Ich bin, weil ich will, was das Gute will – frei, klar, wach, wahr.“
Und darum bleibt, am Ende all dieser Zeilen, diese letzte Wahrheit:
Die Welt beginnt nicht mit Materie. Sie beginnt mit Zustimmung. Mit dem tiefsten Ja des Ur-Willens an sich selbst. Und deine Bestimmung, Mensch, ist dieses Ja mit deinem eigenen Willen zu beantworten. Nicht, damit du gerettet wirst. Sondern weil du bist, was retten kann.
Du bist: Kind des Ursprungs. Gefäß des Vertrauens. Träger des Mit-Willens. Mensch, der die Genesis durch Erinnerung erlösen kann.
ENDE
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