Ersatzteile - Poetry Slam
(Für T.)
Du hast mir mal erzählt
Du lässt niemals ein ganzes Auto zurück.
Niemals.
Es bleibt immer was.
Ein Schalter, ein Spiegel, ein verchromtes Lenkrad.
Irgendein kleines Stück Metall, das mitkommt.
Nicht, weil es wertvoll ist.
Sondern weil es dazugehört.
Weil man Geschichte nicht einfach auf den Schrott wirft.
Und seitdem frage ich mich…
Warum du das bei Blech und Motoren kannst.
Aber verdammt noch mal nicht bei dir.
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Du stehst stundenlang vor einem Wagen, an dem die Welt vorbeigeht.
Sie sehen Schrott. Du siehst Substanz.
Sie sehen Rost. Du siehst Rhythmus.
Sie sehen einen wirtschaftlichen Totalschaden
und du siehst ein Herz aus Stahl, das nur jemanden braucht, der nicht sofort aufgibt.
Sie sagen: „Lohnt sich nicht.“
Und du?
Du krempelst die Ärmel hoch.
Machst dir die Hände schmutzig.
Verlierst Stunden, Nächte, Geduld, Verstand…
Und irgendwann?
Läuft er wieder.
Nicht perfekt. Aber er lebt.
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Es ist verrückt.
Wie viel Liebe du in Dinge stecken kannst, die die Welt längst aufgegeben hat.
Und wie wenig du glaubst, dass dieselbe Liebe *dir selbst* zusteht.
Denn wenn es um dich geht, legst du das Werkzeug weg.
Wenn es um dich geht, bist du kein Mechaniker mehr.
Dann wirst du Richter.
Suchst keine Lösungen mehr, nur noch Fehler.
Keine Reparatur, nur noch den Rost.
Als wäre deine Seele ein kostenloses Ersatzteillager, an dem sich jeder bedienen darf.
Hier ein bisschen Hoffnung abgegeben,
da ein Stück Kraft verschenkt,
hier noch ein Lächeln rausgequetscht, obwohl es längst das letzte war
bis nicht mehr genug von dir übrig ist, um dich selbst noch zusammenzubauen.
Und dann stehst du im Rauch deiner eigenen Trümmer und fragst dich, warum du dich so verdammt leer fühlst.
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Weißt du, was mich fertig macht?
Nicht, dass du kaputt bist.
Sondern dass du glaubst, du müsstest das alles alleine reparieren.
Dass du lieber schweigst, als jemanden unter deine Motorhaube schauen zu lassen.
Aber du hast keine Angst davor, beschädigt zu sein.
Du hast Angst, dass jemand alles sieht… und trotzdem geht.
Vielleicht rettest du deshalb Autos.
Weil Blech nicht wegläuft.
Weil sie dich nicht verlassen, wenn du ihre hässlichsten Stellen freilegst.
Weil sie sich nicht schämen, wenn du den Rost abschleifst.
Sie stehen einfach da… und vertrauen dir.
Und du? Du wünschst dir genau das.
Jemanden, der bleibt, wenn die Karosserie aufbricht.
Der nicht zusammenzuckt, wenn sich der Schmerz unter der Oberfläche zeigt.
Der nicht fragt: „Warum bist du so?“
Sondern leise fragt: „Wo hat es angefangen?“
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Denn jeder Rostfleck erzählt eine Geschichte.
Jede Delle hat einen Aufprall erlebt.
Jeder Kratzer war ein Moment, den du nicht kommen sahst.
Und das ist der größte Unterschied zwischen dir und dem, was du liebst:
Du gibst ihnen Zeit. Dir selbst gibst du Fristen.
Du schenkst ihnen Geduld. Dir selbst nur Schuld.
Du glaubst an ihre zweite Chance,
aber verweigerst dir deine eigene.
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Und das zerreißt mich.
Dass ausgerechnet der Mensch, der sein Herz an alles verschenkt, was verloren scheint…
sich selbst für unrettbar hält.
Bitte… schau dich einmal mit deinen eigenen Augen an.
Nicht mit denen der Welt. Nicht mit denen deiner Vergangenheit.
Sondern mit denselben Augen, mit denen du vor diesem alten, verstaubten Auto stehst.
Mit diesem Blick, der nicht sagt: „Da ist zu viel kaputt.“
Sondern mit dem Blick, der leise flüstert:
„Ich sehe nicht, was zerstört ist.
Ich sehe das, was noch werden kann.“
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Wenn irgendjemand auf dieser Welt weiß, dass ein Motorschaden nicht das Ende der Reise sein muss…
dann bist du das.
Ich wünschte nur…
du würdest endlich begreifen:
Dieser Satz gilt nicht nur für deine Autos.
Er gilt verdammt noch mal für dich.
@eponomasie









