Michael Frei
Seine Mundarttexte bestechen durch Wortwitz und verrückte Wortspielereien. Stets mit einer Prise Schalk im Nacken und einem Schluck Melancholie im Rachen betrachtet er die Absurditäten des Alltages.
Michael Frei hat an weit über 100 Poetry-Slams teilgenommen. Zudem ist er Teil der Spoken-Word-Gruppe «Thun ist nirgends».
Umschreibe kurz, wie du «mys bärndütsch» verstehst, d.h. welche regionalen, sozialen und sprachbiografischen Einflüsse deine literarische Mundart geprägt haben.
Mein Berdeutsch ist nebst meinem Thuner Ursprung auch durch den Diemtigtaler Dialekt meiner Mutter und leider auch durch einen Rest Rheintalerisch von meinem Vater geprägt.
Warum und wann schreibst/publizierst du Hochdeutsch, wann Berndeutsch (gemeint ist journalistisches/literarisches Schreiben)?
Ich schreibe vorwiegend auf Berndeutsch, weil es die Sprache ist, in der ich mich heimelig fühle. Auf Berndeutsch kann ich mich besser ausdrücken und habe ein deutlich besseres Sprachgefühl. Hochdeutsch brauche ich also eher selten.
Schreibst du ein homogenes Berndeutsch, oder benutzest du ab und zu auch andere regionale Färbungen, Soziolekte oder ev. sogar andere Mundarten? – Wenn ja, welche und wozu?
Das Spannende am Berndeutsch ist ja, dass man in jedem Seitental im Berner Oberland einen völlig neuen Dialekt vorfindet. In Zweisimmen wird ganz anders gesprochen als in Kandersteg. Das macht die berndeutsche Sprache ja auch für Spoken-Word-Künstler extrem interessant. Man kann sich da sehr gut bedienen. Ich bedauere manchmal, dass ich vereinzelte Wörter nicht mehr verstehe, da sich ein immer homogenisierteres Berndeutsch in der Gesellschaft entwickelt.
«spoken word»: Würdest du dich als spoken word-AutorIn bezeichnen? Inwiefern wird dein Mundart-Schreiben durch die Vorstellung, dass der Text vorgelesen wird, beeinflusst?
Ich würde mich als Spoken-Word-Autor bezeichnen. Ich schreibe die Texte immer so wie ich sie lese und hoffe, die Leser können sich in mich hineinversetzen. Im Gegenzug stelle ich mir, wenn ich ein Buch lese, auch manchmal die Stimmen des Autors vor. Ich finde, das macht einen Text deutlich lebendiger. Wenn ich also ein Buch von Pedro Lenz lese, habe ich seine Stimme im Kopf.
Gibt es für dich richtiges / falsches Berndeutsch?
Nein.
Legst du Wert auf bestimmte Prinzipien der Schreibung oder lässt du das deine LektorInnen machen?
Ich schreibe meine Texte prinzipiell so, wie ich sie lese. Das heisst, ich halte mich an meine eigene Schreibweise, da die Texte möglichst nahe am Alltag, wie ich schriftlich kommuniziere und lese, sein sollten.
Wenn du deine Schreibung selbst pflegst, welche Regeln sind dir besonders wichtig?
Keine.
Gibt es Berndeutsch-Schreibungen bei andern, die dich aufregen? Nenne Beispiele und begründe kurz.
Die offizielle berndeutsche Rechtschreibung finde ich ganz schlimm. Alles wird mit Y geschrieben. Das Problem ist ja, dass kein Jugendlicher mehr so schreibt. Rechtschreibung sollte sich nicht vom alltäglichen Gebrauch entfernen, sondern sich mit ihm organisch verändern.
Kultivierst du besondere Wörter, hast du Lieblingswörter? Gib ein paar Beispiele!
Da gibt es einige: fadegrad, Gürbeschnägg, schnagge und so weiter.
Was für Wörterbücher konsultierst du? – Hast du auch schon mal www.berndeutsch.ch benützt?
Das beste Wörterbuch ist meine Mutter, die weiss Begriffe, die heute kein Mensch mehr kennt.














