Zeitschriften lagen verteilt auf dem Fußboden, teilweise aufgeschlagen und man sah, wie Dinge herausgeschnitten worden waren. Annie saß auf dem Bett, an der Wand, wo sie sich anlehnte, befanden sich die ausgeschnittenen Bilder. Es waren viele Kriegsbilder, schwarze Schattenwesen, Wörter, die Annie mit einem roten Lippenstift umkreist hatte: Soldat, gebrochen, Tod, Gefängnis. Es wurden immer mehr und mehr, es war eine innere Stimme, die ihr zuflüsterte, dass die Mission noch nicht beendet war, dass sie dafür schließlich auf der Welt war. Sie vernahm Schritte, Schritte die näherkamen, sie ließ die Schere los, steckte sich ihren Ring an den Finger und legte sich unter das Bett. Wer auch immer die Person war, sie gefährdete ihre Mission. "Annie?", es war eine weibliche Stimme, die Titanwandlerin kannte die Stimme. Annie selbst hatte vergessen, dass sie die Tür abgeschlossen hatte, ein Klopfen. "Wir wollten Thunfisch-Pizza essen", setzte die Stimme wieder an. Annie kroch aus ihrem Versteck und machte die Musikanlage an, drehte den Lautstärkeregler auf. Das Klopfen hörte nicht auf, sie griff nach der Schere und hielt sie fest, so fest, dass ihre Handknöchel weiß wurden. Dann hockte sie sich hin und wartete darauf, dass das Klopfen endlich nachließ. Als es wirklich nachließ, entspannte sich ihr Körper. Wie lange sie dort gesessen hatte, konnte sie nicht sagen. Doch gerade als ihr Körper wieder dabei war zu entspannen, klopfte er es erneut, die letzten Zeilen des Liedes verklangen und die Stimme war dieses Mal anders, männlich. "Kleiner Spatz." Es war ein Spitzname, der Annie bekannt vorkam, aber sie konnte ihn nicht zuordnen. Selbst die Sprache, die der Mann sprach, war ihr fremd. "Wir tun dir nichts", fügte die Männerstimme hinzu. "Wir können über alles reden, all deine Gefühle durchkauen, solange bis du wieder damit Leben kannst." Die Worte ließen ihre Mauer bröckeln, ihre innere Stimme schaltete sich ein, flüsterte ihr zu, dass man ihm vertrauen könnte. Aber eine zweite Stimme schrie, dass man niemanden trauen könne, dass die Welt dort draußen der Feind war. Ein Feind, den sie eliminieren musste. Es machte Klack an der Tür, hastig versteckte sie sich unter dem Bett. "Du bist eine Kriegerin, was versteckst du dich?", rief ihre innere Stimme. Es war ein Flüstern zu hören, die beiden Menschen schienen sich zu kennen. Schließlich kroch sie unter dem Bett hervor, noch immer die Schere umklammert. "Seva beru sevaran nay a korheeay", sagte Annie, ihre Stimme war leise, aber klar und deutlich. Die Frau hatte die selben Größe wie Annie selbst, schwarzes Haar und smaragdgrüne Augen, der Mann war groß, so viel größer als sie selbst. Aber das sollte nicht einmal ein Problem darstellen, ansonsten hatte er dunkles Haar, Maulwurfshaar, und trug er noch einen Mantel, als hätte er keine Zeit gehabt ihn abzulegen. Die beiden blickten zu Annie, nachdem sie zuerst hatten sie die Bilder an der Wand gemustert hatten. Der Mann trat auf sie zu, Annie hielt die Schere hin, auch wenn ihre Hände zitterten. "Seva beru sevaran nay a korheeay", widerholte sie. Was sie nicht wusste: Beide verstanden ihre Worte. Der Mann blickte ihr in die Augen, sie fühlte sich plötzlich nackt, als könnte er in ihre Seele schauen. "Deine Suche ist beendet, Annie." Seine Stimme war so ruhig, dass Annie sich bei dem Gedanken erwischte die Schere wegzuwerfen. Aber nein, er war ein Feind, die Frau war ein Feind, die Welt war ihr ganzer Feind. Als er vor ihr stand, berührte er ihre Hand, sie zuckte zusammen, aber er schaffte es ihr die Schere wegzunehmen. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, sie wollte sich befreien, aber er hielt sie fest und sie blickte ihn an. Annie konnte nicht verhindern, dass Tränen über ihr Gesicht liefen. Aber sie schämte sich für jede einzelne Träne, sie vergrub ihr Gesicht in seinen Mantel. "Der Albtraum ist vorbei", sagte er leise. Unter ihren Tränenschleier erkannte sie beide auch, es waren die Menschen, die sie ohne Worte, oder selbst, wenn sie Marleyan sprach, am besten kannten und niemals mit vorwurfsvollen Blicken ansahen.











