Das passiert, wenn deine Mutter stirbt als du noch ein Kind warst
Du verstehst es nicht. Egal, wie alt du noch wirst, du wirst es nie wirklich begreifen. Ich hab's bis heute noch nicht richtig begriffen. Ich werde es auch nie. Die Person, die dir am wichtigsten sein sollte (Ist es in den meisten Fällen auch, egal wie das Verhältnis ist, weil die Natur so einige Tricks drauf hat), ist von heut auf morgen weg. Selbst wenn sie krank war und es nicht gar so plötzlich passiert, kannst du kein Kind auf diesen Moment vorbereiten. Das passiert, wenn dir deine wichtigste Bezugsperson aus dem Leben gerissen wird: Du hast Gefühle, die du noch nie gefühlt hast, die kein Kind jemals fühlen sollte, meiner Meinung nach. Du fällst in ein Loch und kannst es nicht einmal begreifen. Um dich herum ist nur Dunkelheit, dabei kanntest du nur den Sommer. Du hast keine Worte, die das jemals ausdrücken könnten. Du kannst dieses Gefühl niemals benennen. Du weißt, etwas ist für immer kaputt, aber hast keine Ahnung Erwachsene das mitzuteilen. Du bist stumm und dir wird nicht sonderlich viel zugehört. Dir werden nur viele Sachen gesagt, die ich bis heute mit Argwohn gegenüberstehe.
„Sie passt jetzt im Himmel auf dich auf"
„Mama ist jetzt bei den Engeln“
„Gott passt jetzt auf deine Mama auf, keine Angst"
Als würde diese abgedroschenen, nichtssagenden Floskeln es für irgendjemanden leichter machen. Das gilt für jeden, auch für Kinder.
Das passiert, wenn du die wichtigste, prägendste Bezugsperson verlierst. Du hast Angst, dein ganzes Leben lang, dass es noch einmal passiert. Für manche mehr, für manche weniger. Ich habe bis heute panische Angst davor. In deinem Kopf spielen aber tausende schlimme Szenarien durch auf welche Art du Menschen, die du liebst verlierst. Selbst wenn du Bindungen eingehen möchtest und fucking glücklich sein möchtest, macht es dir unglaublich schwer, Menschen nah an dich heranzulassen. Du hast Angst, dass es immer wieder passiert und dass es dich zerbricht. Dabei hast du das Schlimmste schon erlebt.
Ich bin mit überdurchschnittlich vielen Geschwistern aufgewachsen, war in meiner Kindheit nie allein, aber seither habe ich mich immer sehr einsam gefühlt. Man fühlt sich so allein und einsam. Man hat das Gefühl keiner kann diesen Schmerz in dir nur ansatzweise verstehen, wenn du es selbst nicht kannst. Du denkst, du wärst ganz allein.
Meine Mutter ist gestorben da war ich 9 Jahre alt und heute bin ich 23. Ich will mir oft einreden, dass ich über ihren Tod hinweg bin, bin ich aber nicht. Ich trauere immer noch, ich werde mein ganzes Leben lang noch trauern. Ich kann nicht einmal erklären , wie ich das festmachen kann, dass ich das noch in mir spüren kann, weil ich dieses Gefühl vielleicht schon ewig in mir trage. Es war immer schon da. Ich würde gar nicht wissen, wer ich wäre ohne dieses Gefühl.
An alle, die trauern, die Personen nicht nur an den Tod verloren haben, irgendwann fühlst du den Schmerz nicht permanent. Es tut irgendwann weniger weh. Es fühlt sich nur jetzt so allzerfressend an. Irgendwann, irgendwann. .. Man sagt Zeit heilt alle Wunden. Ich finde das ist der größte Bullshit, der jemals verfasst wurde. Zeit heilt nicht alle Wunden, nur lässt sie den Schmerz manchmal vergessen.
Manche Wunden trägst du dein Leben lang.
[disclaimer: das ist jetzt sehr pauschalisiernd geachrieben. Aber das ist mein richtig, meine wahrheit, meine erfahrung. Und jeder mensch erlebt seinen eigenen weltuntergang, das ist bestimmt nicht das schlimmste schicksal der welt, aber man sollte über sowas offener reden meiner meinung nach]














