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Architektur als Experiment. Ludwig Leos Umlauftank
Ausstellung verlängert bis 30. Oktober 2020
Blick von Osten auf die Beruhigungsstrecke und die Abluftstutzen über dem Maschinenhaus. Foto: Gerhard Ullmann, 1991. Copyright: Bildarchiv Foto Marburg
Berlin, 2018
Weronika Dudka
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#umlauftank is a research facility for the Technical University of Berlin. Ludwig Leo, 1976. The giant pipe is painted bubble gum 🐽🐷🐙🌸🌷🍧🎟🎀💕 #berlin #architecture #moleskine #urbansketchers (at Landwehr Canal)
Rosa und Blau | Artikel im Jahrbuch der Architektenkammer Berlin
Ist es Zufall, dass der in Rosa und Blau gehaltene Umlauftank 2 die gleichen Farben hat, wie die aufgeständerten Grundwasserleitungen, die man vielerorts in Berlin sieht und die dem Abpumpen von Grundwasser auf Baustellen dienen? Kurze Antwort: ja. Lange Antwort: Die Frage ist falsch gestellt, denn zuerst war der Umlauftank da und später kamen die Grundwasserleitungen. Und dass diese die gleichen Farben haben wie der Umlauftank ist in der Tat Zufall. All das und ein paar weiterführende Gedanken zum Wasserhaushalt der Hauptstadt kann man in einem kurzen Beitrag im aktuellen Jahrbuch der Architektenkammer Berlin nachlesen.
Gregor Harbusch, Rostblau und Aquapink. Was haben bunte Rohre in Berlin mit dem Kohle-Aus in der Lausitz zu tun? / Rust blue and aqua pink. What does colourful piping in Berlin have to do with the end of lignite mining in the Lusitz?, in: Architektur Berlin / Building Berlin 13, hrsg von der Architektenkammer Berlin, Braun Publishing, Salenstein 2024.
184 Seiten, 35 Euro
ISBN 978-3-03768-299-9
LUDWIG LEO, UMLAUFTANK (1974)
Architektur als Experiment. Ludwig Leos Umlauftank
© Marcus Ebener, 2017
Ausstellung mit Begleitprogramm in Berlin (BHR OX bauhaus reuse) und anschließend in Leipzig (Techne Sphere, Halle 9)
Der spektakulär aufragende Umlauftank 2 in Blau und Rosa an der Straße des 17. Juni in Berlin ist eine Ikone des experimentellen Entwerfens der internationalen Spätmoderne. Die Versuchsanlage für schiffstechnische Modellversuche funktioniert ähnlich wie ein Windkanal – aber mit Wasser. Sie wurde Mitte der 1960er-Jahre von dem jungen Ingenieur Christian Boës konzipiert, durch den Architekten Ludwig Leo im Rahmen einer künstlerischen Oberleitung gestaltet und 1974 offiziell eröffnet. Von Anfang an war der Umlauftank 2 (kurz: UT 2) nicht nur eine faszinierende Maschine. Leos Entwurf war immer auch Projektionsfläche und Versprechen – eine assoziationsreiche und komplexe Architektur, die irritierende ästhetische Erfahrungen und unendlich viele Bedeutungen zu provozieren vermag.
Die Ausstellung „Architektur als Experiment“ zeigt anhand weitgehend unbekannter, historischer Fotos und Pläne sowie drei neu produzierten Filmen den technikgeschichtlichen Kontext, den architektonischen Entwurfsprozess und die denkmalgerechte Instandsetzung des Umlauftanks 2. Sie geht von der Hypothese aus, dass er nur im West-Berlin des Kalten Krieges so gebaut werden konnte, wie er gebaut wurde. Denn in der insularen Frontstadt gab es den politischen Behauptungswillen, die nötigen Subventionen und den Mut zu einer radikalen Architektur, die es ermöglichten, dass inmitten des Zentrums die bis heute weltweit größte Anlage für schiffstechnische Modellversuche ihrer Art gebaut wurde.
Im Herbst 2017 schloss die Wüstenrot Stiftung die denkmalgerechte Instandsetzung des Gebäudes ab, die von den Büros HG Merz und adb Ewerien und Obermann durchgeführt wurde. Seitdem sind der Umlauftank 2 und sein historischer Entstehungskontext wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – und damit auch die Frage nach dem gesellschaftlichen Wert experimentellen Denkens. Denn der Umlauftank 2 erzählt von einem Berlin, das erstaunlich weit zurückliegt und heute – vor dem Hintergrund des neuerlichen Konservatismus in der Berliner Architektur seit 1989 – zunehmend als Sehnsuchtsort einer experimentellen Spätmoderne begriffen wird, die aus dem Lokalen heraus wirkte und dabei internationale Maßstäbe zu setzen vermochte.
Teil der Ausstellung ist der 45-minütige Animationsfilm „Ludwig Leo Werkfilm“, der sieben Projekte Leos aus den Jahren 1956–73 anhand montierten und digital in Bewegung gebrachten Archivmaterials aus dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste in Berlin zeigt. Im Zentrum stehen Leos vielschichtige Zeichnungen aus den 1960er-Jahren.
Eine Ausstellung der Wüstenrot Stiftung zum Abschluss der denkmalgerechten Instandsetzung des Umlauftanks, kuratiert von BARarchitekten (Antje Buchholz, Jack Burnett-Stuart, Michael von Matuschka, Jürgen Patzak-Poor) und Gregor Harbusch, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ARCH+
Parallel zur Ausstellung erscheint bei Spector Books die zweisprachige (deut./engl.) Publikation „Ludwig Leo. Umlauftank 2“ der Wüstenrot Stiftung. Sie ist dem Prozess der Instandsetzung gewidmet und beleuchtet die Rolle des Denkmalschutzes für junge Bauwerke.
www.wuestenrot-stiftung.de/umlauftank-2-ludwig-leo-berlin www.archplus.net www.bararchitekten.de