E10 – Höhn höhnt und außerdem werden wir verarscht
Jetzt sind alle schuld, nur man selbst wieder nicht: Die Bundesregierung macht die Sprithersteller/-verkäufer verantwortlich, die die Regierung und die Autohersteller, die Opposition die Regierung, usw.
Klasse dabei besonders Frau Höhn. Sie erklärt im Fernsehen, wie kritisch das mit E10-Sprit ist: dass da Flächen monokulturell genutzt werden, was nicht gut ist; dass in den Tropen die Anbauflächen Weideflächen verdrängen, die wiederum beim Regenwald nehmen, was sie verloren. Dazu noch das eine oder andere Detail. Und wer ist schuld an der ganzen Misere? Natürlich Frau Merkel – als wären die Grünen damals nie dafür gewesen!
Aber das ist – auch bei Frau Höhn – alles nur eine Frage der Information. Die Leute müssen richtig informiert werden. Und das ist nicht geschehen. Wer ist Schuld? Natürlich immer die anderen, das wird sich reihum gegenseitig in die Schuhe geschoben.
Nur schlecht informiert? Komisch, es gibt jede Menge Informationen, die tatsächlich nicht beim Bürger ankommen – so ziemlich alles, was gegen den E10-Dreck spricht: Mehrverbrauch (und damit mehr Schadstoff-Ausstoß) auf 100km, die Umweltfolgen des Anbaus der ach so ökologisch positiven Früchte, die verarbeitet werden usw.
Wenn es nur ein Informationsdefizit im Sinne des Bundesumweltministers und der Opposition ginge, dann müssen auch die Franzosen einen verdammt beschissenen Job gemacht haben. Dort gibt es E10 seit zwei Jahren – und es ist alles andere als ein Verkaufsschlager, ganz 13% Anteil wurden vorhin im Fernsehen genannt. Auch dort traut sich kaum einer den Öko-Scheiß zu tanken. U.a. aus ähnlicher Unsicherheit über die Folgen für den Motor des Autos.
Das Dreisteste ist bei uns allerdings die Behauptung, der „neue“ Sprit hätte eingeführt werden müssen, weil die EU das vorgibt. Das stimmt so nicht – die EU hat vorgegeben, dass bis 2020 „bis zu 10 Prozent“ der vom Verkehr genutzten Energie aus erneuerbaren Quellen stammt. Wie das erfolgt, ist egal, es ist nicht vorgeschrieben, das mit dem Benzin zu machen. Es würde auch über Elektro-Verkehrsmittel gehen (nun, wie wäre es die Elektroautos endlich bis zur brauchbaren Serienreife zuentwickeln?). Bis 2020, nicht jetzt schon. „Bis zu 10%“, nicht mindestens 10%.
Aber nein, in Deutschland muss über irrsinnige Vorschriften dafür gesorgt werden, dass Blödsinn ins Nichts führt. Was ist, wenn der zu blöde Michel den Stoff weiterhin nicht annimmt, egal, wie heftig er aufgeklärt wird? Wie soll dann der Anteil von E10 weit genug hochgeschraubt werden, damit das vermeintlich vorgeschriebene Ziel erreicht wird? Muss man demnächst amtliche Genehmigungen mitführen, um anderes als E10 tanken zu dürfen? Wird SuperPlus verboten? Würde in unseren Nanny-Staat passen, in dem der Bürger immer weiter entmündigt wird.
Die Umweltbilanz des „Öko“-Kraftstoffs ist eine Katastrophe. Trotzdem wird er weiter als umweltfortschrittlich dargestellt; weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das hat gut und besser zu sein. Das passt in das Bild. Es gibt weitere Öko-Fantasien, die so schön widersprüchlich sind. Die Förderung von Solarkraft ist so erfolgreich gewesen, dass die Konkurrenz so groß wurde, dass die Hersteller in Deutschland nicht den Wettbewerb nicht mehr bestehen. Also wird Sonnenenergie flugs zu nicht effizient genug erklärt und schon stimmt die Welt wieder. Man soll mehr auf Windenergie setzen. Nur die Windräder, die dürfen das Panorama nicht verschandeln und zu laut ist das ohnehin. Da beißt die Katze sich in den Schwanz (insbesondere, weil ausgerechnet die Öko-Freaks diese „optische Umweltverschmutzung“ nicht vor der eigenen Tür haben wollen – sollen andere drunter leiden!).
Wundert es, dass der Verbraucher keinen Bock auf E10 hat? Steckt vielleicht sogar mehr dahinter als nur die Unsicherheit über die Folgen für das eigene Auto?