Soooo... ich hatte von gestern zu heute einen Vortrag vor zu bereiten über das Thema Depression (mit VLs die gegen 18 Uhr enden war das schon ne knappe Angelegenheit) aber ich hab es recht gut aufgezogen (Halleluja für Praxistrainer Allgemeinmedizin).
Jedenfalls hab ich in meinem Vortrag etwas angesprochen, was relativ neu in der Depressions-Forschung ist: Male Depression. Quasi sagt das aus, dass eine Depression bei Männern nicht so aussieht wie eine Depression bei Frauen.
Kleine Erklräung vorne weg: Um eine Depression zu diagnostizieren gibt es "Hauptsymptome" und "Nebensymptome" ab 2 Haupfsymptomen und 2 Zusatzsymptome spricht man bereits von einer (leichten) Depression. Die Hauptsymptome sind Antriebslosigkeit, Interessenverlust/Freudlosigkeit und die Niedergedrückte/traurige Stimmung ("depressive" Stimmung im Volksmund).
Das Ding ist, dass gerade Männer ein Phänomen zeigen, dass es ihnen schwer fällt Gefühle richtig zu erkennen und zu benennen (hat was mit Hirnphysiologie zu tun. Ist nicht bei ALLEN so aber im Mittel kann man sagen, dass Männer dazu neigen Gefühle nicht richtig erkennen und einordnen zu können, was Frauen im Mittel einfacher fällt.) Male Depression äußert sich also nicht unbedingt durch eine traurige Stimmung, sondern häufig eher durch gesteigerte Agression, Risikoverhalten, verstärkter Alkohol- und Zigarettenkonsum. Betroffene Männer FÜHLEN etwas, wissen aber nicht WAS oder können es nur schwer einordnen und reagieren so eher gereizt, frustriert und aggressiv, während Frauen eher zu den "klassischen" Symptomen neigen, also Trauer, kreisende Gedanken und eher das Selbstzweifelnde.
Um es kurz zu machen: Es ist unglaublich faszinierend und vermutlich wurden so zahllose Fälle von Depressionen bei Männern nicht erkannt, weil eines der Hauptsymptome bei ihnen einfach anders zu Tage tritt. (da wird sich im Geschlechterverhältnis der Depression von F:M 2,4:1 sicher demnächst einiges ändern)
Warum schreib ich jetzt eigentlich darüber? Weil heute was interessantes während meines Vortrages passiert ist: Einer meiner männlichen Kommilitonen und Zuhörer fühlte sich ANGEGRIFFEN. Er hat nicht direkt was gesagt aber seine Körpersprache änderte sich schlagartig, ein leichtes überhebliches Grinsen kam auf seine Lippen und er hat ein paar Querschießende Fragen gestellt (Kursleiter hat mein Kram bestätigt, musste er so hin nehmen). Ich fühlte mich jetzt nicht angegangen, ich kenn ihn als jemand, der gerne mal sein Späßchen treibt, aber ich fand es interessant, wie sehr er darauf rumgehackt hat und ja, wie sehr er sich davon angegriffen fühlte. (zumindest ist das meine Interpretation seines Verhalten, eine andere Kommilitonin bestätigte mich in dieser Beobachtung)
Denn sagen wir es mal so: bei VIELEN psyschichen Erkrankungen überwiegt der Frauenanteil. Gerade Depression ist etwas klassisch "weibliches" in den Augen vieler Leute. Und jetzt kommt eine Theorie, die sagt NEIN, es betrifft BEIDE nur Männer ANDERS weil sie meist Probleme damit haben GEFÜHLE richtig zu interpretieren... also eine Art MANGEL haben... damit kam er offenbar nicht so ganz klar. (mal ganz abgesehen von dem Bild, was viele Männer haben. Von wegen "Gefühle? Ewww, das ist doch Mädchen-Kram" Nope, ist es nicht. Und dass es Konsequenzen hat, wenn man nie lernt richtig mit Gefühlen um zu gehen kann man so deutlich sehen. JEDER Mensch hat Gefühle und zwar viele. Dinge können verletztend sein und weh tun, Dinge können uns Freude machen oder wütend oder neidisch oder ängstlich. UND DAS IST GUT SO. Es ist WICHTIG dass man sich mit sich selbst und seinen GEFÜHLEN auseinander setzt.)
Ich bin wirklich gespannt, was die Forschung in der Richtung noch bringt. (da laufen einige SEHR interessante Studien wie ich gehört habe... mal schauen, was dann im ICD-11 stehen wird. ^^) Und wie mein Kommilitone SEINEN Vortrag über Essstörungen nächste Woche halten wird.