Nackerte Stellen
Neulich las ich ein Interview mit einer Juristin. Sie wurde danach gefragt, warum denn Frauen häufig nach der Geburt eines Kindes beruflich zurückstecken und warum sie sich überhaupt für die schlechter bezahlten Jobs entscheiden würden. Hintergrund der Frage war der Unterhalt. Übersetzt lautete die Frage also: Warum müssen Väter die Fehlentscheidungen der Mütter nach einer Trennung finanziell ausbügeln?
Die Juristin antwortete, dass es nicht ihr Verständnis von Feminismus sei, Leuten ihre Entscheidungen vorzuwerfen. Und wenn Frauen ihr Leben nach einem weit verbreiteten Mutterbild ausrichten, dürfe man ihnen hinterher keinen Strick daraus drehen.
Das wird aber gern gemacht. Gerade von Seiten mancher Feministinnen, die den Wert eines Menschen nach seiner Effizienz am Arbeitsmarkt bemessen.
Im Trennungsfall sind Frauen aufgrund gemeinsamer Kinder und beruflicher Einschränkungen oft in einer schwächeren Position. Das heißt für sie ist die Trennung eine existenzielle Frage, für den Mann eine finanzielle. Und der Mann klagt dann in einschlägigen Foren darüber, dass ihn die Unterhaltszahlungen angeblich ruinierten und dass die gierige Ex davon nur Klamotten kaufen würde. In Wahrheit beruht seine Fehleinschätzung der Lage auf seiner jahrelangen Nicht-Beteiligung am Haushalt und den entsprechenden Einkäufen für das Kind.
Vergessen wird dabei auch gern, dass diese Entscheidungen zur Berufstätigkeit und zur Kinderbetreuung implizit oder explizit zusammen getroffen werden. Männer, die ihre Frauen darin bestärken, schneller in den Beruf zurück zu kehren und auch bereit sind, Kinder zur Kita zu bringen und Stunden zu reduzieren, haben im Falle einer Scheidung nicht zu befürchten, dass die Frau ihn ausnimmt, weil sie ähnlich verdient wie er.
Der wahre Feind der Familie, so die wunderbare Helene Klaar, Scheidungsanwältin und Mutter von zwei Kindern, ist die 40-Stunden-Woche. Eltern könnten nicht 40 Stunden die Woche arbeiten und daneben noch Kinder, Haushalt und Partnerschaft am Laufen halten. Das ist, beschreibt sie, wie einen Tisch mit einem zu kleinen Tischtuch bedecken zu wollen. Irgendwo bleibt immer eine nackerte Stelle.









