„Anlässlich des kommenden Weltuntergangs“ – ist Lachen da genug?
Es hätte wahrscheinlich kaum einen besseren Abend geben können, um die Valentiniade von und nach Karl Valentin, am Münchner Residenztheater inszeniert von Claudia Bauer, zu sehen, als der Abend des 06. Novembers 2024, an dem Donald Trumps Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten bekannt wurde, und zu allem Überfluss die Ampel-Regierung zerbrach, während das „sportliche Singspiel mit allen Mitteln“ noch nicht einmal ausgesungen war. Der Hauch von Endzeit, der im Theater in der Luft lag, hat sich auch im Nachhinein noch als passend herausgestellt.
Von Anfang des Stückes an ist sie präsent, die mehr oder weniger latente Tragik, vielversprechend verkörpert durch Pia Händler, die im Frack und mit Totenmaske zu leichtem Warteschleifenjazz in einem an die Wand projizierten Pennymarkt tanzt. Hier zeichnet sich auch schon der bei Weitem beste Teil des Abends ab: die Musik, komponiert von Michael Gumpinger, der sie zusammen mit Leo Gmelch und David Petsch live auf der Bühne einspielt, weckt Erwartungen an einen wunderbaren Kabarettabend. Und zu Anfang scheint es auch, als würden diese erfüllt: der Pennymarkt steht heute, wie dem Publikum durch eine eingeblendete Textbanderole mitgeteilt wird, an der gleichen Adresse, wo Karl Valentin nach einer Vorstellung im Kabarett Bunter Würfel vergessen und eingesperrt wurde und wo er sich – der Legende nach – die Bronchitis geholt haben soll, die ihn zugrunde gerichtet hat. Soweit, so wunderbar tragikomisch.
Im Laufe des Abends wird ein Karl Valentin Sketch nach dem anderen auf der Bühne von einem, auf dem Niveau der Komik sehr überzeugenden Ensemble aus verschiedenen Karl Valentins nachgespielt – hier wollen besonders Lukas Rüppel, mit seiner leicht paranoiden Komik und Florian von Manteuffel, der (leider fast als einziger) ein wunderschönes altmünchnerisch an den Tag legt, erwähnt sein. Auch das innovative Bühnenbild von Andreas Auerbach trägt viel zur komischen und gleichzeitig chaotisch-überfordernden Atmosphäre bei. Doch obwohl immer wieder ganz nah an den Abgründen des Mensch-Seins, dem Weltschmerz und der Katastrophe entlanggetanzt wird, fehlt die konsequente Auseinandersetzung mit dieser Tragik. So wird beispielsweise bei einem Sketch ein zerbombtes München auf den Hintergrund projiziert, wobei sich allerdings die Verbindung zur davor ablaufenden Szene genauso wenig erschließt, wie der Grund dafür, dass einer der Darsteller mit Gasmaske auftritt.
Nun kann man natürlich zu Recht einwenden, dass ein komisches Stück auch einfach nur komisch sein darf, ganz im Sinne einer Hommage an einen großen Komiker. Und tatsächlich verfehlen die Momente, die auch lustig sein sollen, dank passend-lächerlichem Schauspiel, musikalischer Untermalung, und wunderbar in Szene gesetzter Slapstick-Choreografie nicht ihr Ziel: das Publikum wird zu mehr als nur einem intellektuellen Kichern verleitet, es kommt sogar zu richtigen Lachern. Doch für ein Stück, das mit einem tanzenden Gevater Tod in einem Pennymarkt beginnt und endet, und zumindest versucht, sich auf existenzielle Ängste vor Krieg, Einsamkeit, und Vergessenwerden zu beziehen, reicht es dann doch nicht aus, sich hinter Slapstick-Humor zu verstecken. Die Sketche haben teils ihre Längen, der Münchner Dialekt wirkt oft gestelzt, und für ein Singspiel wird etwas wenig gesungen. Vor allem aber ist es schade, dass es immer nur bei einer vagen Andeutung in Richtung der Tragik bleibt, während ein gelungenes Zusammenspiel aus tragischem und komischem Moment einen Effekt haben könnte, den Humor und Komik im Angesicht der mehr oder weniger alltäglichen Schrecken des Lebens im besten Fall auslösen: Es könnte Hoffnung aufkommen.
Trotz alledem steht man zu Ende des Stückes – auch an einem 6. November – erheitert aus dem Theatersessel auf. Wenn die Valentiniade die Abgründe des Daseins schon nicht besonders intelligent thematisiert, so lenkt sie wenigstens ganz gut von ihnen ab.















