KATJA STRUNZ - Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum) in der Berlinischen Galerie
Katja Strunz, Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum),Vattenfall Contemporary 2013, Installation Shot, Foto Matthias Kolb, © Katja Strunz
Katja Strunz, ein Name den man halt kennt. Wie so oft, weiß man gar nicht so genau woher. Warum dafür schon. Bekannte Künstlerin, über die man wahrscheinlich in einem der einschlägigen Fachmagazinen schon einmal gelesen hat. Geboren 1970 in Ottweiler, Studium in Mainz und Karlsruhe und nun Professur an der Universität der Künste, Berlin. Soweit zur Biographie.
Das Energieunternehmen Vattenfall vergibt bereits seit 2010 in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie den Kunstpreis Vattenfall Contemporary an international renommierte Künstler. Neben dem Ankauf in die Sammlung Vattenfall umfasst der Preis eine Einzelausstellung in der Berlinischen Galerie, sowie die Produktion eines Katalogs. Diese Jahr ging der Preis, eben an Katja Strunz.
Nachdem letztes Jahr Michael Sailstorfer die Eingangshalle der Galerie mit der Ausstellung Forst und seinen Bäumen zum Leben erweckte, wirken die Arbeiten in Drehmoment (Viel Zeit wenig Raum) eher leblos. Die drei metallenen Hauptobjekte stehen im farblichen Kontrast zum Ausstellungsraum und verbinden sich durch ihre gemeinsame schwarze Farbe zu einem Ganzen. So wirkt die Papierarbeit Yesterday's Papers in ihrer klassischen Rahmung und Farbigkeit eher dazu gehängt, als als wirklicher Teil der Ausstellung. Mit ihr wird das Frühwerk von Katja Strunz Arbeiten und die Vielseitigkeit ihres Oevres vorgestellt. Trotzdem liegt das Hauptaugenmerk auf den drei für die Ausstellung angefertigten Objekten.
Der Tellurischer Riemen erhebt sich im hinteren Teil des Raums in die Höhe. Getragen durch ein Stahlseil und einem aufwendigen Stahlgerüst, steht er exemplarisch für die Künstlerin. Der Betrachter wartet nur bis das Seil reißt und die fragil wirkende Konstruktion in sich zusammenfällt. Falten, Zusammenfallen, Zeit und Raum das sind die Themen, die Katja Strunz behandelt. Passend zusammengefasst im Titel des Objekts Viel Raum, wenig Zeit. Hier hängen in scheinbarem Gleichgewicht zwei Luftballons an einer Waage. Der eine groß, prall gefüllt, jung, am Anfang. Der andere zusammengeschrumpft, verschrumpelt und klein. Die Assoziation von Vergänglichkeit ist einfach. Schwerer hingehen lässt sich die dritte Skulptur fassen. Wie ein übergroßes zusammengeknülltes, schwarzes Stück Papier liegt die Tellurische Kontraktion im Raum. Gehalten von einem Stahlgerüst, kann man die Kraft, die dazu nötig war das Aluminium zu falten, erahnen. Der Titel gibt Aufschluss auf die Hintergründe, tellurisch, also von der Erde stammend. Hier wird die Erde, der Raum zusammengefaltet, komprimiert um wieder einen neuen verkleinerten Raum zu makieren.
Insgesamt überzeugt die Ausstellung durch ihre einfachen, klaren Linien. Jegliche Überhöhung oder gezwungene Einordnung in kunsthistorische Hintergründe, braucht sie nicht. So könnte man groß über Malewitsch und den Konstruktivismus reden, doch steht die einfache Poesie und Ästhetik der Objekte schon für sich.
Zur Zeit arbeitet die Künstlerin an einer Ausstellung für ihre Galerie CFA – Contemporary Fine Arts.
26.04.–02.09.2013
KATJA STRUNZ - Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum) VATTENFALL CONTEMPORARY 2013
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