19. April 2016
Schluss mit Konfetti
Playoff-Basketball. Fünfzehn Sekunden vor Schluss führen die Dallas Mavericks beim haushohen Favoriten Oklahoma City Thunder mit vier Punkten Vorsprung. Dann trifft Kevin Durant einen Dreier für Thunder, Raymond Felton verwirft zwei Freiwürfe, und im letzten Moment stupst Steven Adams den Ball in den Korb der Mavericks. Game over, Thunder gewinnt, Konfettiregen, Jubel.
Oder vielleicht doch nicht? Die Schiedsrichter sehen sich die letzte Aktion noch mal auf dem Monitor an. Ein Korb am Spielende zählt nur, wenn der Ball die Hand des Schützen verlassen hat, bevor die Uhr auf 0.0 runtergezählt hat. Damit man diesen Moment überall sehen kann, ist der Korb von einem roten Streifen eingerahmt, der rot aufleuchtet, wenn das Spiel vorbei ist. Die Zeitlupe zeigt eindeutig, dass Adams den Ball noch berührt, als die Lichter angehen. Dreißig Sekunden nach Spielende entscheiden die Schiedsrichter: Der Korb ist ungültig, die Mavericks haben gewonnen.
Es dauert ein paar Sekunden, bis die Nachricht sich bei den feiernden Leuten in der Halle verbreitet hat. Dann kann man beobachten, wie aus Jubel erst Verwirrung, dann Schock, und dann Depression wird. Bei Spielern und Fans der Mavericks hingegen findet gleichzeitig genau die entgegengesetzte Veränderung im Mienenspiel statt. Es ist ziemlich beeindruckend.
Video-Reviews gibt es in der NBA seit 2002, und die Verwendung am Spielende war der erste Einsatzort. Seitdem kommen neue Anlässe hinzu. Mittlerweile kann man böse Fouls noch mal in Zeitlupe betrachten, um zu entscheiden, wie ernst es war. Man kann nachsehen, ob ein Wurf wirklich ein Dreier war oder nicht, ob ein Foul vom Offensiv- oder Defensivspieler begangen wurde, wer den Ball ins Aus befördert hat, ob ein Foul beim Wurf begangen wurde oder davor, und noch ein paar andere Sachen.
Manchmal kommt man kaum noch zum Basketball vor lauter Video-Reviews. Um die Sache zu beschleunigen, wurde ein zentrales Replay-Zentrum eingerichtet. In einem Gebäude irgendwo in New Jersey sitzen Experten vor ein paar Dutzend Bildschirmen, verfolgen alle Spiele und übernehmen auf Abruf die Videoanalyse von strittigen Szenen. Es ist wie ein feuchter Traum: Das Replay-Zentrum bekommt über eine gesonderte Leitung, die im Notfall mit Batterien und Generatoren betrieben werden kann, hochaufgelöste Videostreams von allen Spielen der NBA. In manchen Nächten fließen 30 Terabyte voll mit Basketball nach New Jersey.
(Aleks Scholz)













