„be a voice, not an echo“ Michael Eismann in seinem Bericht zur chor.com 2013
Michael Eismann ist u.a. Sänger bei der Vocal Gruppe „Slixs“ und „Java Five“. Er hat in dem Buch das der Deutsche Chorverband anlässlich und für die chor.com 2013 herausgegeben hat u.a. folgendes geschrieben:
„….Auf meinen vielen Reisen im In- und Ausland mit meiner Vokalband Slixs habe ich immer wieder die Erfahrung machen dürfen: In keinem Land scheint der Nährboden für A-cappella-Bands so gut zu sein wie in Deutschland. Die Zahl der Gruppen in Deutschland ist nahezu unüberschaubar. Allein bei www.acappella-online.de sind ca. 700 deutsche Bands gelistet, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass Deutschland auch das innovativste Land ist. Ein sehr großer Teil der hier ansässigen Bands servieren bewährte deutschsprachige, humorbetonte Popmusik…….
….Was alle diese vier Gruppen nicht sind (Anm.: Michael Eismann berichtet von den Gruppen Niniwe, Klangbezirk, Wortart Ensemble und Juice Box): gefällig oder bequem. Daher sind sie für mich eben beispielhaft. Innovative Musik geht nicht zwangsläufig einher mit Popularität. ………“
Nicht nur auf der chor.com konnte man die Vielfalt der vocal groups hören und sehen. Auf diversen Internetplattformen wie You Tube oder ChoirTV.com gibt es zahlreiche videos von den verschiedensten Gruppen. Auch in unserem Umfeld lesen wir immer wieder von Konzertankündigungen diverser Gruppen. Dem gegenüber haben aber die traditionsreichen Gesangvereine Nachwuchsprobleme und viele werden wohl bald den Singstundenbetrieb mangels Masse einstellen müssen. Was ist das Erfolgsgeheimnis der vocal groups? Was macht diese Gruppen so attraktiv und beliebt?
Ich denke das sind aus meiner Sicht überwiegend folgende Gründe:
In solchen Kleingruppen kann man und will man auf Qualität schauen und arbeitet dafür auch sehr intensiv. Zudem ist die Sensibilität für Qualität sehr hoch entwickelt. Viele Gesangvereine tun sich aber schwer mit der Qualität, die oftmals zu wünschen übrig lässt. Zudem sind in diesem Punkt viele Gesangvereine „beratungsresistent“ und oft nicht bereit entsprechende Schulungen und workshops zu veranstalten um dies zu verbessern.
Es gibt viele gute Leute jeden Alters, die singen wollen. Aber nicht irgendwie und auch nicht so oberflächlich wie oft bei den Gesangvereinen, sondern sie wollen Leistung und Qualität. Und dafür sind sie auch bereit sehr viel an Zeit und Engagement zu investieren. Das finden sie aber in der Regel nicht in den Gesangvereinen, die oft ganz andere Schwerpunkte in ihrer Arbeit setzen. Deshalb suchen sie Gleichgesinnte. Oftmals haben solchen Leute auch eine gewisse Vorbildung, die in der Schule, in einem guten Kinder- oder Jugendchor/Kantorei oder in einer privaten Musikausbildung (Instrument oder Gesang) erworben wurde.
In Vokal-Ensembles/A-Cappella Gruppen kann man sich ganz gezielt durch die Auswahl der geeigneten Leute seiner gewünschten und präferierten Musikrichtung widmen, ohne ständig dafür argumentieren zu müssen und zu überzeugen wie in Gesangvereinen, wo die Literaturrichtung oftmals ein Riesenproblem ist und man sich oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen muss.
Auch wie man sich als Gruppe auf der Bühne präsentiert, kann man in Kleingruppen ausleben und je nach Wunsch entwickeln. In Gesangvereinen ist dies aufgrund der breiten Zusammensetzung verständlicherweise sehr schwierig. Zudem werden in Gesangvereinen Auftrittsrituale zelebriert, die teilweise ziemlich verstaubt sind. Es fängt da bei den Noten an, die ja meist bei jedem Auftritt dabei sein müssen, geht über die einheitliche, meist konservative Chorkleidung bis hin zu der emotionslosen Art vieler Vorträge.
Alles in Allem sehr gute Gründe die für solche vocal groups sprechen. Ich möchte hier nicht die Gesangvereine über einen Kamm scheren. Es gibt wirklich viele, die sich um gute Qualität bemühen und gute Arbeit machen. Dies ist regional in Deutschland auch sehr unterschiedlich. Während wir hier in der Pfalz da eher mehr Probleme haben, ist die Chorlandschaft z. B. in anderen Teilen Deutschlands besser entwickelt.
Ich möchte jetzt hier auch nicht den Stab über die Gesangvereine brechen, jedoch habe ich mittlerweile gemerkt, dass ich in vocal groups meine Chormusik besser und wesentlich befriedigender ausüben und ausleben kann wie in den traditionellen Chören, wo gerade mittlerweile die Überzeugungsarbeit für bestimmte Literatur und für eine gewisse Qualität der Vorträge sehr ermüdend ist. Und die Vielfalt der Gruppen, die sich mittlerweile gegründet haben zeigt, dass auch viele andere dieser Meinung sind. Jedenfalls denke ich ist dies ein Weg den Chorgesang in die Zukunft zu führen - sicherlich aber nicht der Einzige. Sicherlich wird es viele Chöre geben, die weiterhin gute Arbeit machen, aber ich denke diese vocal groups haben unsere Chorlandschaft entscheidend beeinflusst und vielseitig und innovativ ergänzt und gehören deshalb einfach zu unserer Chorszene dazu.