Zahlen und Geringverdiener
1 Polizeiauto, 2 Jogger, 3 Fußgänger, 4 E-Scooter und 20 Radfahrer (inkl. 1 Lastenrad) passieren innerhalb einer Minute den Eisautomat im Stuttgarter Schlossgarten. Zwei Jugendliche fahren mit E-Scootern auf dem erdigen BMX-Track neben dem Spielhaus. Unter der Platane Nr. 104 telefoniert einer. Die Sonne scheint milde durch die großen Baumkronen.
Beim Leuze ist Schichtwechsel. Die Badegäste stehen vorbildlich in eineinhalb Metern Abstand in der Warteschlange, die hunderte Meter um die halbe Baustelle des Rosensteintunnels reicht. Andere Warteschlangen befinden sich vor dem Impfzentrum und dem Eiscafe am Marienplatz mit den seltsamen Eissorten. Letztere enden aber nicht an einer Baustelle.
Am Abend steht eine Gruppe Jugendlicher vor dem Supermarkt in Sommerrain. Es dämmert, aber es ist warm genug, um auf dem Parkplatz herumstehen zu können. Einer aus der Gruppe geht los und sagt: „Kommt schon, ihr Geringverdiener.“ Keiner rührt sich, weil alle damit beschäftigt sind, möglichst lässig herumzustehen. Am anderen Ende der Gruppe flüstert einer: „Was meint der mit Gehringverdienger?“. Der Ältere erklärt es ihm kurz. Der andere ruft schließlich verärgert: „Hey, was für Geringverdiener!?“ - jede Beleidigung ist eben nur so gut wie sie beim anderen ankommt.










