Das Buch ist gelesen, aber Amazon mag trotzdem nicht
Ich mache regelmäßig bei Gewinnspielen auf Vorablesen.de mit. Das funktioniert so:
Jede Woche gibt es eine Reihe Bücher (meistens zwischen sechs und zehn), für die Leseproben zur Verfügung stehen. Die Leseproben haben üblicherweise zwischen 20 und 40 Seiten und können als PDF heruntergeladen werden.
Zu jeder Leseprobe kann man einen Leseprobeneindruck schreiben, man sagt also, wie einem die Geschichte bisher gefallen hat, ob einem das Cover gefällt und was man noch so nach 20 bis 40 Seiten glaubwürdig über ein Buch berichten kann. Außerdem kann man anschließend bei einem Gewinnspiel teilnehmen, bei der man genau dieses Buch gewinnen kann und zwar einige Wochen vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum. Man verpflichtet sich allerdings dazu, das Buch dann auch einigermaßen schnell zu lesen (Vorablesen selber setzt hier drei Wochen nach Erhalt des Buches an) und eine Rezension zu verfassen.
(Wie diese Verpflichtung kontrolliert wird, und welche Sanktionen für langsamere Leser oder Rezensionsverweigerer angedacht sind, weiß ich nicht. Ich habe mich bisher immer daran gehalten.)
Anschließend wird man noch dazu animiert, die Rezension auf allen möglichen Plattformen zu teilen. Im Prinzip ist es also ein ganz schönes Vermarktungsinstrument für Verlage. Ich gewinne so oft Bücher, dass ich mich erstens frage, ob es mit rechten Dingen zugeht und zweitens schon etwas beleidigt bin, wenn ich mal nicht gewinne.
Als letztes kommt noch ein Gamification-Faktor hinzu: Leseprobeneindrücke bringen 10 Gummipunkte und jede Rezension (sowohl auf der Seite als auch verlinkt) bringt 100 Gummipunkte. Bei einer bestimmten Anzahl von Gummipunkten kann man sich ein Buch direkt wünschen. Das bedeutet, dass man nicht an dem Gewinnspiel teilnimmt, sondern bei einem Buch, das aktuell als Leseprobe zur Verfügung steht, sagen kann, dass man es bitte haben möchte und dann auch tatsächlich bekommt. Es ist aber ein weiter Weg zum Wunschbuch, man könnte zwar Leseprobeneindrücke grinden, was das Zeug hält, aber das ist vermutlich so viel Arbeit, dass es sich eher lohnt, das Buch einfach zu kaufen.
Weil ich gerade eine Rezension zu einem Buch geschrieben habe, möchte ich jetzt aber doch ein paar mehr Punkte sammeln, indem ich die Rezension stur in andere Portale kopiere. Ob Goodreads so gut ankommt, weiß ich nicht, der Dienst wird zumindest nicht als Beispiel erwähnt, ich verzichte also auf einen Link. Statt dessen also LovelyBooks, wo ich einen mehr oder weniger ungenutzten Account habe, den ich jetzt aber gut verwenden kann. Zack, 100 Gummipunkte in die Wunschbuchkasse.
Als nächstes Amazon: Ich suche das Buch auf Amazon, scrolle zum Rezensionsteil und klicke ... nicht. Bei Amazon darf man Rezensionen erst ab dem offiziellen Erscheinungstermin schreiben. An dieser Stelle versagt das ganze Konzept ein wenig, denn so muss ich mir jetzt entweder merken, wann das Buch erscheint und dann am Erscheinungstag die Rezension rüberkopieren. Oder ich gucke einfach immer mal wieder rein und vergesse hoffentlich nicht, für welches Buch ich noch Punkte einheimsen kann. Besonders organisierte Menschen würden sich vermutlich einen Termin in den Kalender setzen, aber ich bin kein besonders organisierter Mensch.
Allerdings habe ich bei den knappen Recherchen zu diesem Beitrag gelernt, dass man sogar 150 Gummipunkte bekommt, wenn man die Rezension auf Amazon genau am Erscheinungstermin veröffentlicht. Ich schreib mir dann doch wohl besser mal einen Termin in den Kalender.