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Zu früh! Gut ist mir auch noch nicht passiert, eine Stunde eher beim Vorsprechen zu sein 🙈, oder überhaupt wo 😜 #derfrühevogelfängtdenwurm #zeitzumsonnen #besserzufrühalsnie #Vorsprechen #Theater #actorslife #spielkindl #vonderisar
Zur Vorbereitung auf die Schauspielschule, entstanden ein paar edited scenes von Lisa’s Monologen: (via https://www.youtube.com/watch?v=ZjoVYpERcTs)
Erster Schritt: Aufnahmeprüfung
Die Aufnahmeprüfung. Sie ist spannend, interessant, herausfordernd und vor allem: aufregend. Jeder, der eine professionelle Ausbildung absolvieren möchte, kommt an ihr nicht vorbei. Doch wie läuft sie eigentlich ab, die Aufnahmeprüfung an einer Schauspielschule?
Heimspiel 1:0
Donnerstag, 20. und Freitag, 21.2.2014, *chrissi @KONSE Klagenfurt
Bei ihrem zweiten Vorsprechen in 2014 hatte *chrissi einen Heimvorteil. Bis der Vorteil in der dritten Runde ein Nachteil wurde.
Die Fahrt nach Klagenfurt a. W. verbrachte ich in einem Abteil des EC 173 mit zwei sehr netten steirischen Damen, die mir gebrannte Mandeln anboten und erklärten, wie sie es jedes Mal schafften, ein ganzes Abteil für sich zu reservieren.
Licht ausschalten.
Ans Fenster setzen und sämtliche Mäntel auf die anderen Plätze verteilen
Möglichst viel bei „Oberlaa“, „Ströck“ und anderen Konditoreien einkaufen, so dass man die großen Papiersackerl bekommt, die zusätzlich Plätze belegen können.
Und am besten noch in das Behindertenabteil setzen, damit viele schon mal gezielt dran vorbeilaufen.
Ich jedoch scheine gegen all diese Taktiken immun zu sein, vor allem, wenn frische Backwaren involviert sind…
Am Bahnhof angekommen wurde ich von meinem Vater abgeholt, und verbrachte die Nacht in meinem eigenen Bett – ein ziemlich komisches Gefühl, wenn man daran gewöhnt ist, in unfreundlichen Hotelzimmern zu „schlafen“. Auch Wecker brauchte ich mir keinen zu stellen, Mama war ja da.
Am Donnerstag um 14:00 ging die Prüfung dann los. Ganze 15 Leute (davon zwei Herren) hatten sich im Kellertheater des Kärntner Landeskonservatoriums eingefunden, um sich der Kommission zu stellen. Kein Warm-Up, kein Vorbereitungsraum, dafür aber drei sehr, sehr liebe Studenten, die uns mit Süßigkeiten, Getränken und Geschichten bei Laune hielten.
Als Nummer sieben war dann ich dran. Rein, Grüß Gott, Name, Monologe – Autor, Stück, Rolle – und los. Zuerst die „Junge Schauspielerin“ aus „Gretchen 89ff“, danach „Tonka“ aus „Jagdszenen aus Niederbayern“. Beide Male nach der Hälfte ein „Danke“ und draußen war ich wieder. Dann hieß es abwarten. Lange dauerte das allerdings nicht, man bedenke die Anzahl der Bewerber. Es ging sogar so schnell, dass sich die zweite Runde noch am selben Tag ausging. Und wieder hieß es, diesmal aber als Nummer sechs: rein, Grüß Gott, „Klara“ aus „Maria Magdalena“, „Blue Skies“ von … phu? … und lesen. Laut vorlesen, aus einem Buch von Ingeborg Bachmann (für diejenigen die es nicht wissen: Bachmann, am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und 47 Jahre später in Rom gestorben, war eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts).
Runde drei fand dann einen Tag später, also am Freitag statt. Wir waren inzwischen nur noch zu sechst. Zuerst hieß es Kostümteile zusammensuchen, um sich „zu verwandeln“ und eine andere Seite zu zeigen, die man in den Monologen noch nicht präsentieren konnte. Ich nehme an, die Kostümteile (oft einfach nur Schals der Kollegen, die zur Tunika umfunktioniert wurden) sollten helfen, sich in andere Figuren hineinzudenken.
Danach Emotionstraining mit einem einfachen Satz, Gruppenimprovisation, Körperarbeit und Einzelgespräch.
Bei mir war das große Thema lediglich: „Können Sie sich vorstellen, wieder nach Klagenfurt zurückzuziehen?“ Da meine Antwort eher karg ausfiel und meine roten Wangen
in diesem Fall keine besonders große Hilfe waren, verwandelte sich mein ursprünglicher „Heimvorteil“ schlagartig in einen Nachteil.
Fixen Platz habe ich also diesmal keinen ergattert, allerdings habe ich die Ehre, im Sommer noch einmal zur Prüfung anzutreten um zu zeigen, dass ich mich für Klagenfurt entschieden habe. Bin gespannt, was bis Juni noch alles passiert!
Aber jetzt mach’ ich mir erstmal ein schönes Wochenende zu Hause bei Kärntner Käsnudeln, Reindling und Schweinsbraten mit Sauerkraut und Serviettenknödeln!
DREI
Freitag, 21.2.2014 *biller @HMTM, Hannover
In der Kürze liegt... - Ach halt's Maul!
Ja, was soll man sagen, Hannover war kurz.
Morgens von meiner Übernachtungsmöglichkeit bei einer Freundin in Hildesheim hin, langer Fußweg über das Hannoversche Messegelände am A.d.W., in den großen Raum, Ansage, Aufteilung, Verteilung in die 6 Prüfräume, Warm-Up, ein Durchgang, bei dem jeder irgendwann abgebrochen wird, mein Darko läuft heute gut, ich bin zufrieden, danach kurz warten, ein erster Teil wird reingerufen, dann ein zweiter inkl. mir, letzterer darf in Gänze bereits nach Hause gehen. Restlicher Tag: Mittagessen, Kino, Theatermuseum, Flughafen, wieder in Wien.
Passt. Danke.
ZWEI
Mittwoch, 12.2.2014 *biller @FOLKWANG UNIVERSITÄT DER KÜNSTE, Essen
In der Kulturhauptstadt Europas 2010 ist bei *billers erster Musical-Aufnahmeprüfung alles gut, bis es ganz ganz schlimm wird.
Es hatte eigentlich gut angefangen, oder? Na ja, abgesehen von ein zwei Kleinigkeiten, aber dazu später. Ich komme am Tag vor meiner ersten Musical-Aufnahmeprüfung in Essen, NRW, an und fahre zu meinem Zimmer in einer Privatwohnung, zufällig ist die Vermieterin sogar eine ehemalige Folkwang-Dozentin für Schauspiel im Studienbereich Musical. Ach, die Welt des Theaters ist klein. Ich werde freundlich empfangen und fahre gleich wieder in die beschauliche Altstadt, wo ich mich im Café des Grillo-Theaters mit meinem Mitbewerber Lukas treffe, den ich bereits seit längerem kenne. Wir trinken stimmschoneneden Ingwertee und gönnen uns Sahne zum Kuchen. Wir unterhalten uns, nicht nur zum Spaß, auch zur Ablenkung und werden dabei von einer ausgesprochen sympathischen Kellnerin umsorgt. Abends in meinem Zimmer nicke ich schon um halb sieben kurz ein, rapple mich aber auf und gehe (diesmal alleine) Pizza essen. Das späte Nickerchen - hier Nummer eins der zwei kleinen Probleme - hat zur Folge, dass ich bis vier Uhr morgens wach liege und immer nervöser werde, schubweise läuft mir der kalte Schweiß den Rücken hinunter. Ich versuche es mit Fernsehen. Ich versuche es mit Lesen. Ich stopfe mir Klopapier gegen den Straßenlärm in die Ohren. Hilft alles nicht. Nachdem mir letztendlich doch zwei Stunden halbwegs tiefen Schlafs gelingen, bin ich überraschend gut erholt, früh am S-Bahnhof, früh im ländlichen Stadtteil Werden an der Ruhr, wo sich die Folkwang Universität der Künste befindet. Hier kommt es zu Problemchen Nummer zwei: Ich bin ein Mensch, der ohne Orientierungssinn auf die Welt gekommen ist, der bereits zweimal sein Auto in München verloren und erst nach langer Suche wieder gefunden hat, und man kann sich darauf verlassen, dass ich beim Verlassen eines Kaufhauses in dieselbe Richtung zurückgehe, aus der ich gekommen bin, ohne es zu merken. Und so finde ich natürlich das Institutsgebäude erst, nachdem ich mehrmals Passanten nach der sogenannten "Weißen Mühle" gefragt habe. Auf dem Weg laufe ich an einem Mann und einer Frau vorbei, denen ich später in meiner Kommission wiederbegegnen werde. Die zwei beruhigen mich und sagen, es gäbe keinen Grund zur Eile. Ich habe es natürlich wieder einmal geschafft, bei den beiden einen bleibenden komischen Eindruck zu hinterlassen. Zum Glück ist das in der Theaterbranche nicht immer schlecht.
Mein Zuspätkommen hat aber keinerlei Folgen, höchstens, dass meine Nummer höher ist und ich somit erst spät zur Kommission darf. Die Mitbewerber im Warteraum sind größtenteils sehr freundlich und offen.
Es gelingt mir, bis kurz vor der ersten, der Gesangsprüfung, die Ruhe weitestgehend zu bewahren.
Sogar noch beim Einsingen und vorm Prüfungsraum ist alles unter Kontrolle.
Aber Kontrolle ist - wie immer bei mir - das Stichwort.
Denn ich komme noch gelassen und so entspannt wie möglich in den Raum, sympathisiere derart augenblicklich mit der freundlichen Korrepetitorin, dass ich einmal kurz davor bin, sie zu duzen. Ich stelle mich in aller gegebenen Ruhe vor, sämtliche Prüfer sind rücksichtsvoll und überaus nett. Ich beantworte ihre Fragen zu meinem künstlerischen Werdegang und bemerke, dass es die Tanzdozentin (jene, an der vorbei ich vorhin auf dem Weg rennend meine Ausdauer unter Beweis gestellt habe) freut, dass ich bereits einiges an Erfahrung in unterschiedlichen Tanzsparten gesammelt habe. Die Stimmung ist also bestens.
Ich darf mit dem ersten Song beginnen, einem Kabarett-Chanson, das zwar wenig Stimmumfang zeigt, aber dafür kann ich spielerisch und stimm-gestalterisch viel vorführen. Es gibt ein, zwei Stellen, die mich vom Tempo der Begleitung her irritieren, aber ich lasse mir nichts anmerken. Über den Witz am Ende des Liedes lachen sie sogar.
Und dann der zweite Song. Ich kann es mir nicht erklären, auf einmal entgleitet mir alles, ich werde unterbrochen, darf den dritten Song ansingen, ich stehe schon am Anfang komplett neben mir. Wieder werde ich unterbrochen, ich soll eine Gesangsübung machen, und spätestens hier geht gar nichts mehr. So schlimm war es in meiner ersten Gesangsstunde nicht: ich drücke, überspanne, meine Stimme bricht mehrmals, ich sehe mich in Gedanken die ganze Zeit wieder zu Hause. Die Kommission versucht alles, um mir entgegenzukommen, ich soll eine für mich gewohnte Übung machen. Ich schlage irgendetwas vor und ohne mir den einen, besonders jetzt unbedingt notwendigen Moment zum Durchatmen zu gönnen, mache ich auch einfach nur irgendetwas. Das anschließende "Dankeschön" empfinde ich als Erlösung, denn ich würde am liebsten vor Scham im Boden versinken.
Als ich herauskomme, ärgere ich mich.
Als die Nummern vorgelesen werden, hoffe ich insgeheim, meine nicht zu hören, denn mir geht es dreckig und ich fände es höchst ungerecht all den anderen Bewerbern gegenüber.
Als ich, wie erwartet, nicht zum Tanzen weiterkomme, mache ich mich so schnell auf den Weg nach draußen, dass es wirken muss, als flöhe ich vor einer Zombie-Apokalypse. Ich habe gerade noch den Anstand, zwei Bekannten auf Wiedersehen zu sagen, sonst kann ich keinem in die Augen schauen.
Das schlimme ist nie die Absage selbst oder die folgende Enttäuschung.
Viel schlimmer: zu Hause anrufen, es meiner Mutter sagen, die mir die teure Reise (und viele weitere) finanziert hat. Sie will mir am liebsten sofort auch noch ein Ticket zurück nach München spendieren, ungeachtet dessen, dass ich bereits eine weitere Nacht in meiner Unterkunft gezahlt habe.
Auch schlimm: Angst zu haben, anderen Bewerbern irgendwo im kleinen Essen zu begegnen.
Besonders schlimm: Sich schon jetzt bei der Vorstellung zu schämen, nächstes Jahr, beim zweiten und letztmöglichen Antritt, womöglich vor derselben Kommission zu stehen.
Und am schlimmsten: Die Wut auf mich selber, denn ich hätte es besser machen können. Anderthalb Jahre intensiver Vorbereitung von meinen eigenen Stimmbändern zu krächzendem Staub zermahlen.
Ich winsel im Park vor mich hin, dann trockne ich mir die Augen und weil ich nicht weiß, wohin ich sonst gehen soll, setze ich mich in dasselbe Café, wo ich am Vortag schon mit Lukas gesessen war. Diesmal aber alleine. Die extrovertierte Kellnerin ist auch da, sie fragt mich, nachdem ich ein großes Stück Schoko-Kirsch-Kuchen mit noch mehr Sahne als am Vortag vertilgt habe, ob alles in Ordnung sei, sie hat wohl mein verheultes Gesicht gesehen. Ich erzähl ihr kurz, was los ist, und siehe da: Auch sie ist in der Vorwoche an einem Schauspielvorsprechen an der Folkwang gescheitert, sie war sogar in der Endrunde gewesen. Die Theaterwelt ist eben klein. Zu klein für die Flut ihrer Bewerber.
Ich setze mich ins Kino, den längsten Film schauen, den ich finden konnte ("The Wolf Of Wall Street" - What else?), so richtig mit Popcorn und fast allein in der Mitte des Zwanziger-Jahre-Riesensaals der "Lichtburg".
Heute hilft Adele nicht. Heute hilft auch nicht die Ballade "Firewood", in der Regina Spektor so schön singt:
The piano is not firewood yet They try to remember but still they forget That the heart beats in threes Just like a Waltz And nothing can stop you from dancing.
Heute bin ich enttäuscht.
Aber in meinem Geldbeutel steckt noch die Vier-Streifen-Karte für Essens öffentliche Verkehrsmittel. Ein Streifen ist noch frei. Für nächstes Jahr.
hallo ihr theaterliebhaber, theaterkritiker, theaterbegeisterte, theaterfanatiker, theaterignoranten, theaterfeinde und drama queens, hallo ihr, die ihr irgendein verhältnis, sei es noch so seltsam, zum theater habt!
wir sind eine gruppe junger schauspielender, die sich mangels ausbildung (noch) nicht schauspieler nennen dürfen. da wir aber (noch) groß träumen, so groß, dass es oft umso mehr schmerzt, steine in den weg gelegt zu bekommen, hören wir nicht auf, die entsprechenden ausbildungsstätten mit bewerbungen und an wahnsinnige selbstgespräche grenzenden monologvorträgen zu bombardieren.
das schauspiel ist eine ausgesprochen dramatische, tragische und oftmals auch komische tätigkeit. damit ist es nicht verwunderlich, dass dies auch für vorsprechen an schauspielschulen gilt. und weil die intensiven erfahrungen zu schade sind, um vergessen oder verdrängt zu werden, haben wir uns überlegt, sie in diesem blog festzuhalten.
wir, das sind 6 junge leute zwischen 18 und 20 jahren, die sich in einem theaterworkshop am burgtheater in wien kennengelernt haben. um uns auf vorsprechen vorzubereiten, beglücken wir uns ein bis zwei wochenenenden monatlich gegenseitig mit monologvorträgen, kritik und eben mit geschichten, zitaten, anekdoten und stilblüten aus den jüngsten aufnahmeprüfungen.
viel spaß beim mitlesen, mitlachen, mitweinen, mitwüten und mitleiden!
*annemarie *biller *chrissi *junia *matthias *noemi