Deutschland / Holland IV 2026 - Tag 4
Heute sind die Flamingos die Stars am Lachmöwensee im Zwillbrocker Venn.
Keiner weiß genau, woher sie gekommen sind. Fest steht, dass das Münsterland nicht die ursprüngliche Heimat der exotischen und eleganten Vögel ist.
Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Exemplare aus Tierparks und Privathaltung handelt.
Neben den Chile-Flamingos und den europäischen Flamingos ist seit einigen Jahren auch ein aus der Karibik stammender Kuba-Flamingo im Venn heimisch.
Das Zwillbrocker Venn ist ein Schutzgebiet von knapp 200 Hektar an der deutsch-niederländischen Grenze ganz im Westen von Vreden.
Es ist der Rest ein ehemaliges, weitaus größeren Hochmoorgebietes, das durch Torfbrand, Entwässerung und jahrzehntelangem Torfabstich weitgehend beseitigt wurde.
1938 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt und im Zuge der Wiedervernässung und anderer Regenerierungsmaßnahmen konnte in Teilbereichen die Moorentwicklung wieder in Gang gesetzt werden.
Das Naturschutzgebiet besteht heute aus drei Landschaftsbereichen:
dem regenerierten Hochmoor,
Heideflächen auf ehemaligen Waldstandorten, die durch die Rodung, Schafbeweidung und Plaggenwirtschaft entstanden sind und
dem Flachwassersee, der aus den zahlreichen mit Wasser gefüllten Torfkuhlen entstanden ist. Dieses Gewässer ist Brutstätte für die größte Lachmöwenkolonie Mitteleuropas.
Zahlreiche Wasservögel, Gänse und seltene Arten machen das Gebiet zu einem Paradies für Naturfreunde und Fotografen.
Im Frühjahr und Sommer lässt sich hier die nördlichste Flamingokolonie Europas beobachten.
Die beste Zeit, um die Flamingos zu sehen, ist von April bis Juli, wenn sie im flachen Wasser brüten und ihre Jungen aufziehen. Seit den 1980er-Jahren leben sie hier dauerhaft – ein seltenes und farbenfrohes Naturschauspiel!
Rund um das Venn führen Wander- und Radwege mit Aussichtspunkten und Informationstafeln.
Bei einem Rundgang um den See wird an verschiedenen Stellen die Tier- und Pflanzenwelt des Zwillbrocker Venns erklärt.
Einen guten Einstieg bietet die Biologische Station in Zwillbrock mit ihrer informativen Ausstellung zur Natur- und Kulturlandschaft der Region.
Neben den Flamingos sind im Sommer im Zwillbrocker Venn auch Möwen zuhause.
Die Lachmöwe ist im Binnenland die typische Möwenart. Sie ist im Sommer durch ihren schokoladenbraunen Kopf leicht von den anderen Möwenarten zu unterscheiden.
Man kann zwar das ganze Jahr hindurch kleine Gruppen von Möwen im Zwillbrocker Venn beobachten, die große Zeit der Lachmöwen beginnt jedoch erst im Frühjahr.
Die Lachmöwen im Zwillbrocker Venn machen sich zur Brutzeit schon lautstark bemerkbar, bevor man den Rundwanderweg des Zwillbrocker Venns überhaupt vollendet hat.
Dann hängt der Himmel voller Möwen und ihr Geschrei ist bereits aus weiter Entfernung hörbar.
Die ersten Brutpaare im Zwillbrocker Venn wurden 1932 beobachtet. Waren es zuerst nur etwa vier Paare, wuchs ihre Zahl bis 1954 bereits auf etwa 2000 an.
1987 wurde mit ca. 15.000 Brutpaaren die bislang größte Zahl ermittelt.
Seit dem Beginn der 90er Jahre konnte eine deutliche Abnahme der Zwillbrocker Brutkolonie beobachtet werden, wie es auch auf den Bestand landesweit und in den Niederlanden zutraf.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Brutpaare wieder leicht angestiegen, aktuell brüten etwa um die 3000 Lachmöwenpaare im Zwillbrocker Venn.
Auch ohne die Flamingos wäre das Venn einen Besuch wert. Rund 60 Vorgelarten und unzählige weitere Tiere und seltene Pflanzen sind im Zwillbrocker Venn beheimatet.
Dazu gehören auch viele Heidegewächse, die sich vor allem im Spätsommer farbenfroh präsentieren.
Am Rundwanderweg des Zwillbrocker Venns befinden sich zwei Aussichtskanzeln und ein Aussichtsturm.
Eine gute Beobachtungsmöglichkeit mit Blick zur Flamingo-Insel bietet die Beobachtungkanzel an der Remise, direkt am Rundwanderweg des Zwillbrocker Venns.
Mit etwas Glück lassen sich hier die jungen Flamingos sowie die Kolonie und das gesamte Brutgeschehen im Frühjahr und Sommer aus ca. 300m Entfernung beobachten.
Auch von der Aussichtskanzel im benachbarten Feuchtwiesenschutzgebiet Ellewicker Feld aus, lassen sich die Flamingos in den Sommermonaten bei der Nahrungssuche beobachten.
Ab Mitte Mai können meist die ersten Jungen schlüpfen, selten auch schon Ende April/Anfang Mai oder sogar bis in den Juni.
Der Beginn der Brutzeit der Flamingos ist u.a. auch abhängig von der Witterung und ihrer Ankunft im Brutgebiet.
Die Küken und Jungen, noch nicht flugfähigen Flamingos, halten sich erst auf der Insel im Lachmöwensee auf und sind später auch in die seichteren Uferbereichen des Sees zu finden.
Im Spätsommer und Herbst verlassen die Flamingos das Zwillbrocker Venn und führen ihre Jungen in westliche Richtung.
Angie, Micha, Honey & der Hasenbär