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RAZOR EDGE GHIA
K 7O L
Der VW K 70 kam im September 1970 auf den Markt und war in jeder Hinsicht der radikalste Bruch in der VW-Geschichte bis dahin. Erster VW mit Frontantrieb. Erster VW mit Wasserkühlung. Erster VW mit Front-Reihenmotor. Vorher hatte Volkswagen ausschließlich Fahrzeuge mit luftgekühlten Heckmotoren gebaut. Der Käfer, der Typ 3, der 411. Alles Boxer im Heck. Der K 70 stellte alles auf den Kopf.
Nur war der K 70 eigentlich gar kein VW. Entwickelt wurde er ab Januar 1965 bei NSU unter der Leitung von Entwicklungschef Ewald Praxl und Designer Claus Luthe. Das "K" stand für Hubkolben, im Gegensatz zu "Ro" für Rotationskolben beim NSU Ro 80. NSU plante die Vorstellung für den Genfer Autosalon 1969. Dann übernahm VW die angeschlagene NSU und schlug sie der Tochter Audi zu. Die Präsentation wurde abgesagt, obwohl zweieinhalb Jahre Entwicklung und Vorserienproduktion hinter dem Auto lagen.
Audi hatte mit dem viel verkauften Audi 100 bereits ein Modell in derselben Klasse. Also nahm sich Volkswagen des K 70 an. Geringfügige Änderungen, neuer Name, neues Werk. Im eigens dafür errichteten Volkswagenwerk Salzgitter lief der K 70 vom Band. Eine Kombi-Version wurde gestrichen, um dem hauseigenen VW 411 Variant nicht zu schaden.
Technisch war der K 70 seiner VW-Konkurrenz um Jahre voraus. Der längs eingebaute Motor saß nach rechts geneigt über dem Differenzial, dahinter das Getriebe. Der gesamte Antrieb lag exakt über der Vorderachse. Innenliegende vordere Scheibenbremsen am Differenzialgehäuse, wie bei Citroën und dem NSU Ro 80. MacPherson-Federbeine vorne, Schräglenkerachse mit Hilfsrahmen hinten. Zweimal abgewinkelte Lenksäule als passive Sicherheit. Tank im geschützten Bereich unter dem Fahrgastraum vor der Hinterachse. Knautschzonen vorne und hinten. Sicherheitsfahrgastzelle.
585 Liter Kofferraum. Großzügiges Platzangebot, sogar besser als beim sieben Zentimeter längeren VW 411. Große Fensterflächen, niedrige Fensterlinie, gute Rundumsicht. Die Heizung funktionierte, weil der Motor wassergekühlt war. Bei den luftgekühlten VW-Modellen war das ein Dauerproblem.
Claus Luthes Design war sachlich und schlank. Keine bauchigen Formen, kein Chrombarock der späten 60er. Eine zurückhaltende Eleganz, die dem Ideal der frühen 70er entsprach. Luthe wurde später Chefdesigner bei BMW und entwarf unter anderem den 7er E23 und den 8er E31.
Das Problem war die eigene Kundschaft. Die klassische VW-Klientel liebte den Heckmotor und das typische Design. Der K 70 war zu modern für die Käfer-Fraktion und zu unbekannt für die Mittelklasse-Kunden, die bereits Audi 100 oder Opel Rekord fuhren. Die VW-Autohäuser mussten gleichzeitig für den modernen K 70 und die veralteten, aber beliebten Modelle wie Käfer, Typ 3 und 411 werben. Der K 70 geriet ins Hintertreffen.
Der cw-Wert von 0,52 war auch für 1970 schlecht. Die kantige Form erzeugte hohen Luftwiderstand. In Tests lagen die Verbrauchswerte zwischen 10 und 14 Litern auf 100 Kilometer, je nach Fahrweise und Motorisierung. Bei 1.060 Kilo Leergewicht und dem hohen Luftwiderstand war das nicht überraschend.
Von August 1970 bis Mai 1975 wurden 211.127 Stück gebaut. Kaum Gleichteile mit anderen VW-Modellen, weil der K 70 bei NSU entwickelt worden war. Die aufwendige Technik machte die Produktion unrentabel. Ab 1973 kam der Passat als Nachfolger des VW 1600, und der K 70 war überflüssig. Kein Nachfolger. Mit dem VW Santana und später dem Phaeton versuchte VW, eine Limousine oberhalb der Mittelklasse zu positionieren. Keiner wurde ein Erfolg.
Heute ist der K 70 aus dem Straßenbild verschwunden. Korrosionsprobleme und niedrige Stückzahlen haben den Bestand dezimiert. Selbst in der Oldtimerszene ist er selten.
#vwdepo #vwparty #trendair #vwk70