Albumreview: Traurig in Europa – Warum kannst du mich so nicht leiden? (2019)
Es war ein Samstagmorgen. Die Uhrzeit betrug ca. neun Uhr als ich gerade angefangen habe, den letztlichen Abend mit einer übervollen Tasse Kaffee zu verarbeiten. Gerade richtig um mir einen ersten Eindruck von dem frisch veröffentlichten Debutalbum „Warum kannst du mich so nicht leiden?“ der Band Traurig in Europa zu verschaffen. Ich habe das Album persönlich vorbeigebracht bekommen und freute mich daher umso mehr, mich in Form einer kleinen Kritik erkenntlich zu zeigen. Schon vor dem Hören war ich sehr gespannt, was mich erwartet, zumal ich ihre Single Steuertopf bereits kannte. Doch zuerst ein paar Worte zum Drumherum.
Das Cover, seinerseits gekonnt altmodisch gestaltet, prägt eine Frau in blauem Badeanzug mit weißen Punkten, den Kopf umrandet von einem gelben Kranz aus Stacheldraht. Auf der 12 Inch großen Vinyl im Inneren sollen sich 6 Songs befinden, die in Zukunft (so hoffte ich es zumindest) noch öfters über meinen Plattenspieler ertönen. Dieser beigelegt war ein doppelseitig bedruckter Lyricsheet. Dann mal nichts wie los.
Da ich mit Steuertopf bereits einen ersten Eindruck hatte, was mich erwarten könnte, war ich mir nicht ganz sicher, was Sänger Max Facchin damit meinte, als er sagte, dass das Album sehr punkig angehaucht ist. Das Album beginnt mit einem für mich nicht klar definierbaren Instrument als Intro. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es sich dabei überhaupt wirklich um ein Instrument handelte. Dieses wird abrupt von einem melodischen Punkrockriff abgelöst (was mir zu dieser Uhrzeit ganz gut tat, denn von da an war ich hellwach). Und spätestens nach dem ersten Song „Kälteopfer“ hat sich auch obige Frage für mich erübrigt.
Warum kannst du mich so nicht leiden? ist ein energiegeladener Tonträger, der Meinung nach gerade als Debutalbum eher ein starkes Ausrufezeichen anstelle eines Fragezeichens verdient. Traurig in Europa macht zwar Punk-Rock, doch wer jetzt denkt das Album wäre mit ein bisschen 3-Akkorde Geschrubbe beschrieben, hat weit gefehlt. Die fünf Jungs scheuen sich nicht davor, hier und da unkonventionelle Elemente einfließen zu lassen und dadurch einen unverkennbaren Sound zu kreieren. Das Album ist zwar schnörkellos, aber deshalb um kein Bisschen weniger erfrischend. Und wer es mir nicht glaubt, darf mir gerne eine Band zeigen, die mit Wah-Wah auf dem Bass, begleitet von teils ägyptisch angehauchten Melodien aus einer Trompete Parolen wie „Ich bin so ein Kälteopfer, bitte gib mir einen Heizkostenzuschuss“ ins Mikrofon grölt.
Und dabei komme ich schon zu den lyrischen Besonderheiten des Samplers. Traurig in Europa bedient sich geschickt gesellschaftskritischen Inhalten, wie man es aus dem Punk kennt. Die Lyrics der 6 Songs wurden dabei so kurz gehalten, dass sie auf einem zweiseitig bedruckten A4 Blatt mitsamt Danksagungen und allfälliger Höflichkeiten Platz haben. Aber gerade dadurch merkt man, wie effizient und ohne großes Geschwafel eine klare Message an den Hörer gebracht werden kann, ohne dass dabei die nötige Essenz an Satire zu kurz kommt. Ein Album wie es eben einer Österreichische Post Punk Band gerecht wird.
Und wem das alles ein bisschen zu viel diffuses Geschwafel war, biete ich hier ein kleines Fazit: Traurig in Europa hat mit ihrem Debutalbum Warum kannst du mich so nicht leiden? einen schnörkellosen, effektiven und erfrischenden Punksampler geschaffen, der bei mir sicher nicht zum letzten Mal unter der Nadel liegen wird. Das einzige Manko: immer, wenn ich es mir gerade gemütlich gemacht habe, muss ich schon wieder aufstehen und die Seite wechseln. Aber gerade ein 6 Songs langer Tonträger auf einer 12 Inch Schallplatte unterstreicht die Nonkonformität der Band. Vielen Dank an Traurig in Europa für die Platte. Wir dürfen gespannt sein, was da noch alles so auf uns zukommt.
Bussi und Danke fürs Lesen
Manuel von DRAB FLOWER MUSIC










