60 Jahre BBK Wiesbaden: Mainstreamkunst im Genderwahn
Hessisches Wissenschaftsministerium zeigt fade Frauenkunst im Zeitalter der Selbstzensur Nicht überall wo Schiller draufsteht ist auch Schiller drin.
Dass der Berufsverband Bildender Künstler, Sektion Wiesbaden, sich dieses Jahr im November selbst feiert, interessiert so wenig wie der berühmte Reissack, der in der Provinz Sezuan vom LKW fällt; aber bekanntlich werfen auch die kleinen Dinge wie der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings ein Schlaglicht auf die politische Großwetterlage und sind deshalb trotz ihrer Bedeutungslosigkeit einen Blick wert. Immerhin zählt Europas größter Dachverband der Bildenden Künstler 10 000 Mitglieder und immerhin verspricht kein geringerer als der Minister Boris Rhein – früher mal Islamistenschreck - als quasi „Schirmherr“, eine spannende „Zeitreise“ durch sechs Jahrzehnte der Kunst. Bei diesem Wort denkt man sicherlich zuerst an das schillernde, inzwischen verstorbene, Gründungsmitglied Christa Moering, die als hoch betagte Ehrenbürgerin der Landeshauptstadt, zu den letzten Vertreterinnen des deutschen Spätexpressionismus zählte und sogar mit Jawlensky befreundet war. Aber keines ihrer farbenfrohen Werke erleuchtete den atmosphärisch kalten Ausstellungssaal. Auch die urwüchsigen, drallen Vollweiber von Theresia Hebenstreit, die unbekleidet und lebensfroh den Betrachter aus mancher Wiesbadener Hausnische anlachen, sucht man zwischen der faden, kraftlosen, sterilen Galerieästhetik vergeblich.
Die von Boris Rhein angekündigte „Zeitreise“ entpuppt sich schon auf den ersten Blick als „Zitatensammlung zeitgenössischer Kunst“, die man, meist als Original – zum Beispiel in Museen - schon mal besser gesehen hat. Allen voran Ute Wurtingers „Raumbeschreibung“, eine Art Pseudopollock, der eine „Antwort“ auf Renate Fulland Röhrengewirr sein soll. Auch solches gibt es in hunderten von Variationen überall zusehen. Möglicherweise für weniger als 5000 Euro, oder auch für wesendlich mehr.
„Answer 2“ lautet das Motto der Ausstellung. „Frau antwort Frau“ wäre besser. Oder noch besser „Frauen feiern sich selbst“ Von den 24 Kunstwerken stammen gerade mal acht von Männern, obwohl das Geschlechterverhältnis etwa 60zu 40 beträgt. Bei genau hundert Mitgliedern mit absteigender Tendenz. Hinter vielen Namen steht bereits ein Kreuzchen. Auch kann niemand von “Zeitreise” reden, wenn zwischen der Entstehungszeit zwischen zwei Bildern, die zwei unterschiedliche Generationen verkörpern sollen, gerade mal neun Jahre liegen wie zwischen dem Fotorealistischen Pseudofischl einer Katje Grandpierre und dem geöffneten Sperrmüll-Koffer eines Bernd Brach. (Na, jetzt haben wir endlich mal einen Mann) Wer Lust hat sich von einer Feiniger-Adaption zu einer Zeichnung im Stil von Matisse hindurchzuquälen oder die blauen avantgardistischen Quadrate eines Wolfgang Becker bewundern will, kann dies gerne tun. Wer in der Kunst Sinnlichkeit, Lebenslust, Spiegelbilder von Abgründen oder gar das Anprangern gesellschaftliche Probleme, wie etwa die Gefahr durch den Islamismus, sucht, kann sich das Benzingeld nach Wiesbaden sparen. Die Ausstellung in dieser Form könnte auch im Bilderfeindlichen Kopfabhackland Saudi-Arabien gezeigt werden, im Iran oder Islamistischen Staat. Nicht ein einziges Aktbild, kein schöner Arsch, keine weiblichen Rundungen bringen ein wenig Abwechslung in diese seelenlose, frigiden, avantgardistische Mainstreamkunst. Könnten sich doch verschleierte Kunstliebhaberinnen in die hehren Hallen verirren und dann sofort das Abhängen der Skandalbilder einfordern. (Vielleicht die dritte Nebenfrau eines in der Aukammklinik weilenden Ölscheichs) Wie das in den letzten Jahren schon häufig in „öffentlichen Gebäuden“ der Fall war. Das Schillerzitat des BBK-Vorsitzenden Werner Schaub „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ klingt daher wie Hohn. Die heutige Kunst ist am Ende, weil sie keine Antworten mehr auf die Bedrohungen der Gesellschaft findet. Nicht mal – ganz im Sinne von Theo van Gogh und Hirsi Ali – eine geharnischte für Gesellschaftsgruppen, die sie längst abgeschafft hätten oder als Hurengötzen gesprengt.
Und die Moral von der Geschichte: Nicht überall wo Schiller draufsteht ist auch Schiller drin. Käme der große Mann heute noch mal zur Welt, hätte er die gleichen Probleme wie damals. Eine Zensur schränkt jeden Freigeist ein, egal wann er lebt. Manche – und dafür steht diese Ausstellung – brauchen gar keine Zensur von außen; die präsentieren sich gleich glatt gebürstet mit der Schere im Kopf. Der Titel selbst “answer 2″ ist bereits entlarvend: Wer eine „Antwort“ will – das Wort kann man ruhig deutsch schreiben - der muss vorher eine Frage stellen. Eine Kunst die nichts in Frage stellt ist eigentlich nur Selbstbespiegelung und Nabelschau.











