Die Verlängerung des Lockdowns ist verkündet und ein Freund aus alten, alten Tagen hat sich nach Jahren plötzlich wieder gemeldet. Tage, die längst vergangen, aber nie vergessen waren. Durch ihn erinnerte ich mich wieder intensiver an eine Zeit als ich Asien für mich entdeckte, als ich mich verliebte - in eine Seite von mir, die ich nicht kannte. Heute nenne ich das flow, damals war es eine unbeschwerte, für meine Verhältnisse fast verruchte Art und Weise das Leben zu führen. Ich verliebte mich, verliebte mich in eine Straße in Bangkok, in streetfood und dancing in the street, in unbeschwertes Plaudern mit völlig Fremden, in die Hitze der Nacht, in das Flirten, das in der Luft lag, in eine Stimmung und wie ich damit umging. Die Menschen, die ich während dieser Reisen kennen lernte, leben in der ganzen Welt verstreut, teilweise habe ich nur Kontakt über Facebook und/oder Whatsapp, aber wenn wir Kontakt haben, dann ist dieser entfernt von Oberflächlichkeit, dann öffnet dies eine ganz besondere Seite meines Herzens. Und dann wird die Verlängerung des Lockdowns verkündet und ich gehe gerade eine Skitour auf meinen geliebten Hausberg, als ich über Impfen, Nicht-Impfen, Testen, Reisen und Nichtreisen nachdenke und habe Minuten zuvor die Frage "How are you.." gestellt bekommen und überlege, was ich diesem Mann, der ganz was Besonderes in meinem Leben war, antworten werde. Sicher kein "fine, thank you..." und über Schnee und Sonne schreiben. Ich überlege mir, ob ich das Reisen vermisse, die Einschränkungen als Freiheitsentzug empfinde oder einfach nur dankbar bin. Dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem man über die Impfung als Wollen nachdenken kann und dass ich so wenig graue Haare habe, dass mein Nachwuchs einfach nur dunkel ist und meine Coronafrisur nicht unerträglich wird, dass ich darüber nachdenken kann, während ich in Freiheit eine Skitour mache und an Zeiten denke, in denen ich unbeschwert durch Asien reiste. Natürlich vermisse ich ihn, ich vermisse die Möglichkeit unbeschwert am roof-pool zu sitzen und die Hitze Bangkoks mit einem Chang zu ertragen und über Dinge zu reden, die in Europa keinen Platz in meinem Leben haben, aber ich bin auch dankbar, dass ich diese Pandemie in Österreich ausleben kann/muss/darf und dass mein Haaransatz brünett und nicht grau ist. Er würde das verstehen, er würde darüber lachen mit seinen Augen, so dass ich das Gefühl habe, dass er zuviel schon erlebt hat und zu lange in diesem Leben ist um mit mir über Sarkasmus zu diskutieren, er würde mich zum Lachen bringen. Das alles werde ich ihm nie schreiben, denn diesen flow habe ich nunmal nur in Bangkok, in einer Straße, die in mir dieses Gefühl hervorrufen kann. Ich denke mal, dass Du auch so einen Ort hast, der mehr als Erinnerung ist. Ist das nicht herrlich und Grund genug Dankbar zu sein?