Die Wünsche der Menschen sind oft im Widerstreit mit ihrer Intelligenz.
Ian McEwan: “Die Kakerlake”, S.132
seen from China
seen from United States
seen from China
seen from Germany

seen from Brazil

seen from Brazil
seen from United States
seen from China
seen from China
seen from United States
seen from United States
seen from Türkiye
seen from United States
seen from Japan

seen from Singapore

seen from Malaysia

seen from Russia

seen from Russia
seen from United States
seen from United States
Die Wünsche der Menschen sind oft im Widerstreit mit ihrer Intelligenz.
Ian McEwan: “Die Kakerlake”, S.132
Was mit der Logik des Kapitals vom Marxismus lebendig bleibt, ist zumindest diese Bedeutung des Widerstreits. Sie untersagt, dass die Versöhnung der Partner im Idiom des Einen der beiden erfolgt.
Jean-Francois Lyotard: Grabmal des Intellektuellen, Wien 2007, S. 24.
Wir sind ein bunter Haufen. Wir arbeiten für die „taz“ und die „Welt“, für den „Focus“ und … und … und … Unter uns befinden sich SPD- und CDU-, Wechsel- und Garnichtwähler, Grüne, Anhänger der Demokraten und der amerikanischen Republikaner, Monarchisten, Anarchisten, Konservative und Liberale, liberalkonservative Sozialdemokraten und sozialliberale Anarchokonservative – und sogar ein paar...
Mitglieder der FDP. Wir wohnen in München, Bremen, Berlin, Freiburg, Hamburg, bei Stuttgart, Washington und New York. Unter uns befinden sich Gläubige, Ungläubige und Ketzer. Wir streiten gern und herzlich, auch untereinander.
Uns vereint das fröhliche Eingeständnis, dass wir keine Utopie haben. Es ist nicht möglich, im Hauruck-Verfahren sämtliche Menschheitsprobleme auf einmal aus der Welt zu schaffen. Bisher ist in der Politik nichts Besseres erfunden worden als die liberale (bürgerliche, kapitalistische, parlamentarische) Demokratie, die keine Lösung ist, sondern ein komplizierter – oft fehlerhafter – Modus, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Uns vereint ferner, dass wir den Endzeitpropheten nicht glauben. Die Welt geht nicht unter. Der Treibhauseffekt wird nicht dazu führen, dass bald der Kölner Dom unter Wasser steht. Die Europäische Union ist nicht wie die Sowjetunion und der Euro nicht das Ende der abendländischen Zivilisation. Hannibal steht nicht ante Portas, Deutschland schafft sich nicht ab und das mit den Flüchtlingen bekommen wir natürlich hin. Die Vereinigten Staaten von Amerika werden nicht pleite machen und von der Volksrepublik China aufgekauft werden. Der Terror erschüttert Europa, er wird den Europäischen Gedanken aber nicht vernichten.
Gentechnik ist keine Frankensteinwissenschaft und Atomenergie kein Teufelszeug. Überhaupt denken wir nicht, dass alles, was “natürlich” ist (oder sich so nennt), zwangsläufig das Bessere ist. Wir glauben, dass Menschen ihre Lebensumstände durch Tatkraft, Mut und Erfindergeist verbessern können und betrachten die Errungenschaften der Industriegesellschaft (Schulmedizin, moderne Landwirtschaft) zunächst einmal als etwas Positives.
Dies ist kein rein politischer Blog, es gibt bei uns jede Menge Feuilleton: Hochkultur, niedrige Kultur, Zwischendrinkultur, Alltagskultur, Architektur und Reiseberichte.
Was wir mögen: Gutes Essen, gutes Kino. Theater. Gute Bücher. „It Don´t Mean A Thing If It Ain´t Got That Swing“ von Duke Ellington. Das Grundgesetz. Die H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Den „Rubaijat“ von Omar Chaijám. Den ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung. André Glucksmanns „Philosophie der Abschreckung“. Winston Churchills Rede „We shall never surrender“. Den FC Bayern München. Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernuft“. Die Strandpromenade in Tel Aviv. Martin Luther Kings Rede: „I have a dream“. Den feinen, traurig-witzigen Cartoon, den „Charlie Hebdo“ nach dem Terroranschlag veröffentlicht hat. Demonstrationen für Menschenrechte in Hong Kong. Entenhausen. Die schönen, kleinen Mohammed-Porträts, wie sie einst in Persien gemalt wurden. Sonnenuntergänge. Regenbogen. Gesetze, die es verbieten, Kinder zu schlagen. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mit ihrer Betonung des Naturrechts auf „life, liberty and the pursuit of happiness“.
Blog-Spoiler: Was Sie bei uns nicht finden werden: Leute, die Opfern von Terroranschlägen ins Grab nachrufen: „Selber schuld!“ Antiamerikaner jeder Couleur. Verharmloser des Islamismus. Antisemiten, die sich als Israelkritiker kostümieren. Rassisten, die sich als Islamkritiker kostümieren. Sympathisanten der „Linkspartei“. Sympathisanten der „Alternative für Deutschland“. Sympathisanten von „Pegida“ und ihren Ablegern. Kampfatheisten. Fundamentalisten. Selbsternannte Intelligenzforscher, die uns einreden wollen, gewisse Menschengruppen seien aus genetischen Gründen dümmer als andere. Diktatorenfreunde. Geert-Wilders-Anhänger. Leute, die finden, der Kommunismus sei eigentlich eine ganz gute Idee gewesen, nur mit der Ausführung habe es nicht geklappt. Leute, die finden, der Völkermord an den Juden sei nur eine Scheußlichkeit unter vielen anderen gewesen. Fans von Wladimir Putin. Leute, die Donald Trump verharmlosen. Schönredner, die meinen, es sei doch nicht so schlimm, wenn der Iran die Atombombe bekommt.
Die Metaphysik ist in ihrem Sturz zu begleiten, wie Adorno sagte, ohne deshalb in den gängigen positivistischen Pragmatismus zu verfallen, der unter dem Vorwand der Liberalität nicht weniger nach Hegemonie strebt als der Dogmatismus. Eine Widerstandslinie gegen beide beziehen. Die Verwirrung angreifen, ohne erneut wieder eine 'Front' zu errichten. Fürs erste ist der Widerstreit in der Vernunft durch 'Mikrologen' zu verteidigen.
Jean-Francois Lyotard: Grabmal des Intellektuellen, Wien 2007, S. 38.
Dies ist auch in der Tat der richtige wissenschaftliche Gesichtspunkt, daß man die Bücher auch der Befreundeten der strengsten Kritik nicht entzieht und niemandem die Abweichung übelnimmt. Ganz anders ist es freilich in dem Fall, wo eine Person, die ganz nichtig ist, sich eine übergroße Bedeutung sich erschlichen hat und nun völlig negiert und totgeschlagen wird. Das kann der Negierte nur persönlich nehmen, weil ihm sein Selbstbewußtsein angetastet wird und er es nicht aus der Affäre zurückziehn kann. Dieser Fall ist Erdmann seiner oder müßte es vielmehr sein, ist es aber nicht. Denn ich finde meine Prophezeiung bestätigt, daß ihm der Beweis seiner Nichtigkeit gar keinen Schaden tut und daß er selbst himmelweit entfernt ist, in meiner Rezension nur irgend etwas Wahres zu finden, weshalb er denn auch imstande sein wird, die Sache ohne Störung zu ertragen. […] So, lieber Freund, gibt es kein Bedürfnis, ja nicht einmal die Möglichkeit 'der Kooperation der Schule', darum nicht, weil ihre eigne Entwicklung die ist, daß ihre Gegensätze selbständig gegeneinander agieren.
Arnold Ruge: Brief an Karl Rosenkranz vom 16. Dezember 1937, in: Die Hegelsche Linke. Dokumente zu Philosophie und Politik im deutschen Vormärz, S. 758.
Denn du mußt wissen, Sancho, auf der Welt gibt es zweierlei Stammbäume: Die einen begründen und bilden sich durch Fürsten und Monarchen, an denen nach und nach die Zeit genagt hat, wie bei einer Pyramide, die auf der Spitze steht; die anderen haben ihre Wurzeln im niederen Volk, das jedoch immer höher steigt, bis es zu vornehmer Herrschaft wird; der Unterschied ist, dass die einen waren, was sie nicht mehr sind, und die anderen sind, was sie zuvor nicht waren. Ich könnte dann zu denen zählen, die nach genauer Erkundung einen trefflichen, vornehmen Ursprung haben, womit sich dann der König oder Schwiegervater in spe begnügen müsste. Wenn nicht, dann soll mich eben die Infantin so sehr lieben, dass sie mich auch gegen ihres Vaters Willen und selbst wenn ich nachweislich der Sohn eines Wasserträgers wäre als ihren Gebieter und Gemahl anerkennt. Und sollten alle Stricke reißen, kommt ins Spiel, dass ich sie immer noch rauben und entführen kann, wohin mir nur beliebt, denn Zeit oder Tod werden den Zorn ihrer Eltern schon bezwingen.
Miguel de Cervantes Saavedra: Der geistvolle Hidalgo Don Quijote von der Mancha, herausgegeben und übersetzt von Susanne Lange, München 2008, S. 206f.
Er nahm als Objekt das wahr, was schuld daran war, dass er nicht sah. Sein eigener Blick drang in Gestalt eines Bildes in ihn, im Augenblick, wo dieser Blick als der Tod jedes Bildes galt. Daraus ergaben sich für Thomas neue Sorgen. Seine Einsamkeit schien ihm nicht mehr so umfassend, und er hatte sogar das Gefühl, etwas Wirkliches sei auf ihn gestoßen und wolle sich in ihn stehlen. Vielleicht hätte er dieses Gefühl anders deuten können, er aber musste sich immer das Schlimmste vorhalten. Seine Entschuldigung war, der Eindruck sei so deutlich und schmerzhaft, dass es beinahe unmöglich sei, ihm nicht nachzugeben. Selbst wenn er dessen Wahrhaftigkeit bezweifelt hätte, hätte er nur mit größter Mühe den Glauben an etwas Äußerstes und Gewaltätiges zurückweisen können, denn offenbar hatte sich ein Fremdkörper in seiner Pupille eingenistet und bemühte sich, weiter voranzustoßen.
Maurice Blanchot: Thomas der Dunkle, Basel und Weil am Rhein 2007, S. 13.