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Zensurterrorismus durch entmündigende Pixelschleier
Zensurterrorismus
Coole Filme kostenlos und legal streamen – dieses freizeitliche Vergnügen ist dem allgegenwärtigen Zensurterrorismus ganz offenkundig ein Dorn im puritanischen Auge. Wer beispielsweise in der Tube nach Netzkino sucht, könnte zunächst über die Überfülle an gratis und rechtskonform dargebotenen Spielfilmen, durchaus auch der härteren Gangart, ausgesprochen erfreut sein. Doch diese spontane Freude währt nur so lange, bis der aufgeschlossene Cineast sich a) durch völlig idiotische Untertitel und b) durch komplett sinn- und gnadenlosen Zensurterrorismus krass verarscht fühlt. Nachfolgend soll an zwei sehr prominenten Beispielen erläutert werden, worüber der Zensurterrorismus am allerliebsten seine schwachsinnigen und durchaus auch peinlichen Pixelwolken schiebt.
Zensurterrorismus #1: Brüste, Busen, Möpse, Hupen
Menschen sind Säugetiere. Säugetiere sind Tiere, bei denen die Weibchen lebende Junge zur Welt bringen und dann säugen. Um säugen zu können, braucht das Weibchen ein Gesäuge. Kein Gesäuge, kein Säugetier, basta. So weit, so biologisch, so unschuldig sozusagen. Doch sobald man diese völlig natürlichen Voraussetzungen nährender Brutpflege am säugetierischen Menschenbild anwendet, erhebt der Zensurterrorismus sein verschallertes Haupt. Wehe, es wäre im Film eine unbedeckte weibliche Brust zu sehen. Und wehewehe, wenn es an dieser blanken Brust dann auch noch einen Nippel zu erspähen gäbe. Scheinbar hört die biologische Natur des Menschenweibchens dort auf, wo die vor Prüderie nur so dampfende Zensur anfängt. Dann werden sofort großflächige Verpixelungen über jene unaussprechlichen Körperteile („naughty bits“) ergossen, damit der Filmfreund nur ja nicht auf unkeusche Gedanken kommt, die er anschließend umgehend beichten müsste. Ja wo leben wir denn? Lasst es Euch Pixelmixern deutlich gesagt sein: Brüste sind etwas völlig natürliches! Vor diesem Anblick muss niemand gegen seinen Willen beschützt werden. Und noch etwas, auch wenn das jetzt schockierend sein dürfte: auch Nonnen oder Kindergärtnerinnen oder Grundschullehrerinnen (und vergleichbare moralisch einwandfreie Frauen) haben Brüste. Jawohl, so ist das! Das hat die Natur so gewollt. Und was die Natur gewollt hat, das soll der Mensch gefälligst respektieren. Und nicht verkniffen verprüdet verschämt wegpixeln.
Zensurterrorismus #2: Blut, Gedärme, neu eröffnete Körperteile
Gediegene Horrorfilme oder andere Filmgenres, in denen auch schon mal grobe Gewalt oder waffenfähige Gegenstände engmaschig zur Anwendung kommen, leben von perfekt gemachten Splattereffekten. Sogar der gute alte Staplerfahrer Klaus kann davon ein schockierendes und dadurch pädagogisch wertvolles Lied singen. Die Zeiten, in denen ein paar Spritzer Ketchup auf dem zerfetzten Unterhemd für guten Grusel gesorgt haben, sind lange vorbei. Selbst in vergleichsweise biederen Krankenhausserien will der Zuschauer heute das ganze bluttriefende Geschehen auf dem OP-Tisch in detaillierter Großaufnahme sehen. Und es sind jene absolut genialen und trickreichen Maskenbildner (so wie der göttlich begnadete Rollie Tyler), die es tatsächlich fertig bringen, Kettensägeorgien und andere blutrünstige Geschehnisse so täuschend echt wirken zu lassen, dass dem Zuschauer das Kunstblut in den Adern gefriert. In meinen Augen sind Make-Up-Artists, die mit Phantasie und allen anderen Mitteln echter Schöpferkraft, solche speziellen Szenarien für die Kamera verblüffend real erschaffen, echte und wahre Künstler. Und was ist mit den Augen des Zensurterrorismus? Klarer Fall: Wenn Blut und/oder Eingeweide fließen, oder man wirklich buchstäblich mal sehen könnte, was im Kopf des Gangsters vorgeht, dann kommen die selbstgerechten Pixelwolken geflogen. Diese arschige Pixelei verdirbt dem Zuseher zum einen den Spaß an einer perfekten filmischen Illusion. Und zum anderen kann, wenn man mal wieder nichts sehen durfte, der rote Faden der Filmhandlung ruckzuck verloren gehen. Wenn es für das Verständnis des Geschehens unabdingbar notwendig ist, bestimmte blutige Details zu sehen, dann kann man einem durch Zensurterrorismus komplett kastrierten Film nicht mehr folgen. Denn dann sieht man vor lauter muffigem Milchglas keine klare Handlung mehr. Vielen Dank dafür, Ihr obrigkeitslutschenden dämlichen Mutterticker.
Fazit
Die dümmliche Prüderie der bigotten Busen- und Blutpolizei treibt den mündigen Cineasten schnurstracks in die Arme jener Anbieter, die unbeschnittene, unzensierte, unkastrierte und unverpixelte Filme anbieten können. Und komm mir jetzt ja keiner daher mit dem ach so heiligen Kindeswohl, das um Himmels Willen nicht beeinträchtigt werden darf. Die ansonsten mental außergewöhnlich stark geforderten Beavisse und Buttheads unserer Zeit wissen ganz genau, wie und wo sie sich einschlägiges Filmmaterial beschaffen können. Ihr blöden und völlig weltfremden Zensoren würdet saublöd gucken, wenn Ihr wüsstet, wie problemlos die grundsätzlich heilig und selig gesprochenen lieblichen kleinen Unschuldslämmer ganz lässig an die krassesten Filme drankommen. Soviel dazu.
Muss man sich heute und hierzulande von selbsternannten und selbstgefälligen Moralaposteln minderer intellektueller Befähigung wirklich alles verbieten und vorschreiben lassen? Sind wir schon so weit, dass wir jegliche Eigenbestimmung an der Garderobe klerikaler Sittenwächter abgeben müssen? Der Weg zum totalitären Überwachungsstaat ist nicht mehr weit, wenn er nicht schon längst komplett beschritten wurde, was ich manchmal wirklich denke. Wenn 1984 deutsche Dystopien wahr werden…nein, ich sag jetzt lieber nichts mehr. Das überlasse ich gerne den hoffentlich zahlreichen Kommentatoren dieses bissigen Beitrags.
– Milla Münchhausen –
Beitragsbild / Symbolfoto von Vadim Bogulov auf Unsplash







