Eine Zitationsanalyse bestätigt den Matilda Effekt in der Kommunikationsforschung
Silvia Knobloch-Westerwick; Caroll J. Glynn (2013): The Matilda Effect - Role Congruity Effects on Scholarly Communication: A Citation Analysis of Communication Research and Journal of Communication Articles. In: Communication Research. Vol. 40. Iss. 1. S. 3-26. DOI: 10.1177/0093650211418339
Eine Zitationsauswertungen zweier Kernzeitschriften der Kommunikationsforschung bestätigt für diesen Bereich weitgehend den [Matthew] Matilda-Effekt, also eine systematische geringere Anerkennung der Leistungen von Wissenschaftlerinnen gegenüber den Leistungen von Wissenschaftlern.
Hypothese 1: Die Publikationen von Autoren in den beiden wichtigsten Zeitschriften der Kommunikationsforschung werden häufiger zitiert als Publikationen von Autorinnen. (durch die Studie bestätigt)
Hypothese 2: Der Matilda-Effekt ist dann besonders ausgeprägt, wenn es um Themen gibt, die stereotypisch eher mit Wissenschaftlern als Wissenschaftlerinnen in Verbindung gebracht werden. (bestätigt)
Hypothese 3: Besonders aktive Wissenschaftlerinnen sind auch besonders vom Matilda-Effekt betroffen, da sie die Rollenerwartung nicht nur durch die Tatsache unterlaufen, dass sie Wissenschaft betreiben, sondern dies sogar besonders produktiv tun. (bestätigt)
Hypothese 4: Autoren zitieren ihre weiblichen Peers in geringerem Umfang als dies Autorinnen tun. Im Gegensatz zu Autoren zitieren Autorinnen ausgeglichen. (bestätigt)
Hypothese 5: Der Matilda-Effekt schwächt sich im Zeitverlauf ab. (nicht bestätigt)
Hypothese 6: Zitationsnetzwerke zwischen Autorinnen sind weniger dicht und stabil als Zitationsnetzwerke unter Autoren. (bedingt bestätigt)
"Yet H5 was not supported, possibly because academia is slow in changing toward greater gender egalitarianism or because the examined time frame of 15 years was too short to show the suggested change."
Zum Matilda-Effekt siehe: Magaret W. Rossiter (1993): The Matthew Matilda Effect in Science. In: Social Studies of Science. Vol. 23, Iss. 2. S. 325-341. DOI: 10.1177/030631293023002004