Sind Robert Mertons Wissenschaftsnormen auch Science 2.0-tauglich?
Niamh M. Hogan, Karl J. Seeney (2013): Social Networking and Scientific Communication: A Paradoxical Return to Mertonian Roots? [Opinion Paper] In: Journal of the American Society for Informations Science and Technology. [Early View, veröffenlicht am 24.01.2013] DOI: 10.1002/asi.22842
Die Verlagerung von wissenschaftlicher Kommunikation in Social-Media- Kommunikationsräume und die damit einhergehende Vermischung von Wissenschaftswelt und Gesellschaft bietet Chancen, erfordert jedoch auch neue Formen der Absicherung wissenschaftlicher Qualität. Ziel muss es sein, die zweckmäßigsten Elemente ("best properties") des traditionellen Wissenschaftssystems mit den neuen Technologien und der sich darin entwickelnden Wissenschaftskommunikaton zusammenzuführen.
Die Autoren stellen das CUDOS-Schema von Robert K. Merton, mit dem dieser die zentralen Normen der Wissenschaft benennt, in den Zusammenhang mit den Möglichkeiten einer Social Media (Twitter, Facebook) vermittelten Kommunikation von Wissenschaft.
C=Commun[al]ism: "Gute" Wissenschaft ("good" science) ist, so Merton, die Wissenschaft, deren Ergebnisse [als Allgemeigut der Wissenschaftsgemeinschaft] kommuniziert und sichtbar sind sowie frei verbreitet werden können. Die Herausforderung bei Social Media basierten Kommunikation ist die Absicherung von Transparenz, Eindeutigkeit und wissenschaftlicher Meriten, d.h. allgemeiner Qualitätsansprüche an Wissenschaft, wie sie traditionell vor allem durch Peer Review garantiert werden.
U=Universalism: Die Teilhabe an der Wissenschaftsgemeinschaft ist unabhängig von Merkmalen wie Ethnie, Nationalität, Kultur oder Geschlecht möglich. Die Autoren sehen hier in der Notwendigkeit der persönlichen Profilierung/Darstellung in Sozialen Netzwerken einen Hinderungsgrund. Weiterhin ist der Wert einer offenen Bewertung von Ergebnissen im Sinne eines unkontrollierten, auch extrawissenschaftlichen Postpublication Peer Review im Gegensatz zum intrawissenschaftlich organisierten Peer Review nicht abschätzbar.
D=Disinterestedness: Wissenschaft wird nicht aus Eigeninteresse sondern zum Wohle der Wissenschaftsgemeinschaft betrieben. Hierzu sehen die Autoren hauptsächlich eine Vermischung von wissenschaftlicher Diskussion und persönlicher Meinung beim wissenschaftlichen Bloggen. Sie anerkennen zugleich, dass es in der Wissenschaftspraxis grundsätzliche Zwänge ("publish or perish") gibt, die dieser Norm generell entgegen wirken.
OS=Organized Scepticism: Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen vor der Anerkennung durch die Wissenschaftsgemeinschaft eine kritische Begutachtung (i.d.R. Peer Review) durchlaufen. Die Möglichkeit der offenen Diskussion, so die Autoren, unterstützt dies zweifellos, desorganisiert aber die formale Seite des Prozesses. Auch hier stellt sich die Frage der Absicherung der Qualität des Prozesses.
"Even in traditional publishing channels, increasing interest in bibliometrics has blurred the lines of journalism and science."
"Scientific meetings are awash with bloggers and unpublished data can appear on the internet before a speaker has reached his concluding science."