Es ist wieder so weit, ich bin unterwegs.
Es ist das erste mal seit 2020 dass ich unterwegs bin, alleine und es ist spürbar.
Ich bin seit 2 Tagen auf Hawaii, in einer „fremden“ Unterkunft bei einem Ehepaar und bin derzeit noch im lonely-Traveller-Blues.
Während ich beschäftigt bin ist alles okay, dann kriege ich die Zeit rum, aber ich habe Heimweh und bin etwas einsam.
Es ist unglaublich teuer hier. Letztes Mal hatte ich eine all Inclusive Unterkunft, Tami hat jeden Abend gekocht und ich war kaum alleine und ich musste mich um nichts kümmern und jetzt bin ich allein in einer neuen, recht großen Unterkunft und sitze und sitze und sitze.
Ich möchte einerseits meine endlos nervigen Publikationen abarbeiten und das versuche ich nun die ersten Tage zu tun und dann muss ich mich aufrappeln und den Hintern aus dem Haus bewegen, mir einen Buspass holen (am A der Heide) und vielleicht mal anfangen loszulassen und zu verarbeiten was in den letzten Jahren passiert ist.
Ich bin zwischenzeitlich seit 2021? 2022? In Therapie und konnte viele Dinge aufarbeiten und verarbeiten und muss nun das alles sacken lassen und schauen was mein Gehirn draus macht.
Im privaten sind die vielen Igel-Tode die ich nicht verhindern konnte ein großer Ballast den ich seit letztem Jahr in mir trage und da muss ich eine Weile trauern.
Und dann natürlich der große Elefant im Raum. Das Studium und die großen Katastrophen die das ganze mit sich brachte. Stimmt ja, das Studium war an sich überhaupt nicht was ich mir erhofft hatte, schlechte Module und desinteressierte Professoren.
Das mir abgeratene eigene Projekt in der Karibik, vielleicht besser so, wer weiß was da schief gegangen wäre, aber höchstwahrscheinlich doch nicht so viel wie jetzt?
Ein so gut und erfolgreich startendes Jahr, 2022 ein tolles Projekt, ich konnte mein Glück gar nicht fassen das *ich* dort genommen wurde, die ICRS, und die Perspektive nach Costa Rica zu gehen um dort weiter zu forschen. Klar, kleinere bumps in the road wie übereifrige Mitstudenten die einem versuchen da Thema zu stehlen und selbstdarstellerisch sind, aber das konnte man überstehen. Das Thema der M.Sc. schien auch way over my head Und ich dachte ich könnte nie in das Thema einsteigen und es verstehen…
Dann Costa Rica. Ein echt schlecht organisiertes Projekt, nicht wirklich durchdacht und die AG Leiterin hat eindeutig zu viel abgebissen als sie kauen kann. Schlechtes Management, schlechtes Team. Klar, ich war kein Sonnenschein, bin nicht bei jeder weitern Aufgabe und bei jedem weiteren 12 bis 14 Stunden Tag mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht rumgelaufen, aber muss ich das?
Ich habe meine Arbeit getan, und das gut. Was ich mir zuschreiben kann ist das ich gegenüber den anderen meine Woche Urlaub genommen habe (ich muss nicht rechtfertigen dass andere im deutschen Projekt 3-4 Wochen weg waren -das war ok). Ich habe ebenfalls bestimmt 2x in der Abwesenheit der AGL die Arbeit vor den anderen verlassen, da ich früher gekommen bin, das kam nicht gut und wurde wahrscheinlich auch direkt weiter getragen. Und dann das „hat sie’s gesagt, hat sie es nicht gesagt“ Dilemma. Ich werde bestimmt bei irgendwas gesagt haben dass es Chaos ist, und vielleicht auch zum gesamten Projekt, aber muss man deshalb noch 1,5 Jahre später die Konsequenzen für etwas spüren dass man evtl etwas gesagt hat das alle gedacht und auch gesagt haben? Naja. Das lief einfach nicht gut und egal was ich getan habe und auch jetzt noch versucht habe zu tun es war eh falsch und das ganze ist eine üble dunkle Wolke über mir.
Vielleicht kann ich nun ein wenig Abstand dazu gewinnen, es mal los lassen oder darüber weinen, was immer nötig ist. Ich muss auf jeden Fall aus dieser Wolke raus kommen, damit sie nicht alle potenziellen Chancen in der Zukunft zerstört wie sie es jetzt tut.
Was will ich in der Zukunft?
Will ich wirklich das Lehren versuchen? Die Vorraussetzungen sind nicht gerade die besten. Ich kann nicht gerade sehr gut erklären (sagt man mir). Ich bin nicht begeistert von Kindern, muss das durchsetzen lernen. Aber es wäre natürlich erst mal weg aus academia ohne die dunkle Wolke. Es wäre ein Neustart, vielleicht fände ich es ja gut. Aber es wäre auch „settling“.
Wenn ich eine Traum-Zukunft planen könnte, eine eierlegendewollmilchsau, dann wäre ich gerne weiterhin zuhause, entweder bei meinen Eltern oder alleine in einem kleinen Grundstück mit Hund - nicht weit weg. Ich würde gerne viel Zeit in der Natur verbringen und eine ausgewogene, wie heißt es, „work life Balance“ haben. Das ist mir eigentlich am wichtigsten. Zeit für die Dinge und Personen die ich liebe. Und darum gebastelt hätte ich gerne einen Job der mich erfüllt. In dem ich die Welt ein bisschen besser mache. Ist das durchs Lehren und formen der Kinder? Oder ist das in der Forschung in einem Labor? Derzeit wären Korallenriffe ein schönes Thema. Aber auch jegliche Zoologie, mammals, megafauna, Ökologie? Man weiß es nicht.
Muss ich mich für irgendetwas in der Nähe abfinden nur damit ich den privaten Teil meiner Zukunft aufrecht erhalten kann? Das hatte ich doch schon, dann kann ich auch wieder im Büro arbeiten. Dafür habe ich nicht mit 25 noch mal angefangen zu studieren um dann wieder in einer Sackgasse zu enden. Aber vielleicht ließe sich die nächste besser aushalten? Man weiß es nicht.
Die große Angst bei neuen Themen nicht gut genug zu sein. Kann ich mich da einarbeiten? Komme ich mit der Thematik klar? Dann immer wieder auch die dauernd, für mich, wieder aufkommende frage (ist es nur eine Ablenkung? eine ausrede?) Ob ich vielleicht ein wenig auf dem Spektrum bin? Bin ich vielleicht einfach nur direkter als andere? Oder sage ich Dinge bei denen jeder weiß, die sollte man nicht offen sagen? Man weiß es nicht.
Mal schauen ob ichs irgendwann rausfinden werde, dafür bin ich ja hier um all diese Dinge mal betrachten zu können und Abstand zu gewinnen. Ich könnte echt wenn ich so über die letzten Jahre nachdenke einfach in Selbstmitleid untergehen und weinen wie unfair die Welt doch ist, aber das bringt ja auch nichts. Somit, erlebt, verarbeiten und weiter gehts.