Einen Großteil meines Lebens habe ich zu den Menschen gehört, die - wie vielleicht auch Manche von euch - immer wieder - auch heimlich - davon geträumt haben, auszubrechen aus dem “normalen” Leben, um etwas Verrücktes zu machen. Eine aufregende Weltreise mit einem Rucksack auf dem Rücken, beispielsweise. Ein scharfes Curry in einem Kochkurs in Thailand zuzubereiten. Durch das kristallklare Meerwasser auf den Philippinen zu tauchen. Den salzigen kanadischen Westküstenwind auf der Zunge zu schmecken.
Bis hierhin liest sich das wie in so vielen anderen Reiseblogs auch. Wie: “Hört sich toll an, aber in meinem Leben? Wohl eher nicht” Es liest sich leicht und es scheint Milliarden Kilometer weg von der Wirklichkeit, in der man gerade steckt. In der ganz andere banalere Dinge geklärt werden wollen und einen beschäftigen. Das kaputte Auto, was dringend in die Werkstatt gebracht werden muss. Zu viel intensive Arbeit, die sich auf dem Schreibtisch stapelt. Ein wichtiger Arzttermin. Das klärende Gespräch mit dem Chef oder der besseren Hälfte, das schon viel zu lange darauf wartet, ehrlich geführt zu werden. Verpflichtungen. Termine. Gewohnheiten. Angst. So viele Dinge halten uns fest an einem Ort, an dem wir am Ende, wenn wir wirklich mal die Eier haben uns im Spiegel tief in die Augen schauen, vielleicht gar nicht sein wollen. Ich war ja selber da. Es hat ein paar Jahre gedauert bis ich verstanden habe, dass der “Umstand” in dem ich mich befand nicht der war in den ich hineingehört habe. Am Ende hatte hatte ich Glück, den nötigen Biss und die richtigen Umstände, die dafür gesorgt haben, dass ich ehrlich zu mir selber sein musste (wer hätte gedacht, dass sogar ein schwerer Sturz vom Pferd dazu geführt hat, das Richtige zu tun...)
Und glaubt mir, ich hatte auch Angst. Auch vor dieser Weltreise. Ja, es ist befremdlich und fast lähmend, seine Wohnung aufzugeben, dem Chef zu sagen, dass man jetzt erst einmal nicht mehr wieder kommt, all sein Hab und Gut in Kartons zu verstauen, den Freunden “tschüss” zu sagen. In meiner Vorbereitungszeit hat mich der Gedanke daran, dass ich (ICH!!) alleine (ALLEINE!!) einmal um die Welt reisen werde, regelmäßig an Herzrhythmusstörungen gebracht. Als wäre das emotional nicht schon alles mehr als genug treffe ich ein paar Wochen vor Abflug außerdem noch ganz unerwartet und ungeplant (und auch ungewollt) die Liebe meines Lebens (genau Bargmann, verknall’ dich noch kurz vorher mit Allem drum und dran, du Profi! - An dieser Stelle möchte ich endlich auch mal öffentlich danke sagen an den Freund, der mich mehr oder weniger zu einem Blind Date mit besagtem Mann genötigt hat - DANKE, UWE! Ich bin so froh und dankbar, dass ich auf dich gehört habe!) und es scheint als wäre die erste Prüfung schon da bevor ich auch nur einen Fuß aus Deutschland rausgesetzt habe.
Frisch verliebt und dann auf Weltreise gehen. Super.
Aber wisst ihr was? (Und jetzt kommt die Antwort auf die Frage warum ich euch das hier schreibe) Es war und ist es alles wert. Alles. Ich spüre eine tiefe, neue Zufriedenheit in mir. Dass ich überhaupt etwas tief in mir spüre, was sich so anfühlt als wäre es vorher irgendwie nicht da gewesen ist schon komisch genug, man denkt ja im Allgemeinen schon, dass man sich ganz gut kennt (mit 36 Jahren sollte das doch so sein, oder...?)...
Während ich hier heute also sitze und dem nächsten kanadischen Sturm beim stürmen zuhöre und - sehe und noch ein wenig mit einer Erkältung kämpfe, entsteht der tiefe Wunsch das erneut alles:
1. mit euch zu teilen und, viel WIchtiger!,
2. euch zu ermutigen.
Macht es. Wovon auch immer ihr träumt. Seid unerschrocken. Löst euch von der Angst. Manche Träume können tatsächlich in die Wirklichkeit geholt werden und sie sind bunter, wärmer, schöner als Alles bisher dagewesene. Traut euch. Lasst los. Springt! Fliegt! Atmet. Lebt. Ihr werdet verstehen, wie ich das hier meine. Ihr könnt nur gewinnen. Das was wichtig ist, bleibt.
Von dem Gefühl was mein Herz gerade zum Leuchten bringt (die Liebe meines Lebens trägt übrigens weiterhin dazu bei, trotz meiner langen Weltreise und 58tausend Kilometern zwischen uns liebt mich dieser Mensch und ich bin so so so so happy darüber!) packe ich jedem von euch der möchte ein bisschen was davon in eine Butterbrotpapiertüte und mache oben eine kleine Silsalkordel drum. Ihr könnt euch so viel nehmen wie ihr wollt, weil: grad ist mehr als genug davon da.