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Über Brücken soll man gehen, nicht davon springen.
Tränen stürzen zu Boden, Bäche von salzigem Wasser laufen Ihm über die Wangen, die Lippen. Er steht auf der Nibelungenbrücke, weiß nicht, ob er sich nun wirklich in so einem dreckigem Fluss wie der Donau ertränken soll, dort, wo jeder Mensch hinein uriniert. Jeder dieser Typen, die er nicht abkann. Ein altes Frauchen kommt daher, fragt, was denn los sei. Sein Verstand und sein Lebenswille sei lose, so drückt er sich aus, ganz trocken, ganz sachlich. Warum sollte er auch groß um den heißen Brei herumreden. Laut den Mayas geht die Welt ohnehin bald unter. Da lebt es sich gleich ungenierter und das Sterben ist auch lockerer, für Außenstehende, wie auch für einen selber. Aber ein bisschen hat er schon noch getrauert. Erst vor kurzem hat seine Freundin mit Ihm Schluss gemacht. Besser gesagt, mit dem Leben. Sie ist eben genau von dieser Brücke gesprungen in die Donau . Er kam leider ein paar Sekunden zu spät und die kalten, dreckigen Fluten haben den jungen Körper schon gänzlich verschluckt und mitgerissen, wie beim Tanzen ein flotter Rock-Song von Cake. So jung, so schön, schon dahin. Naja, der große schwarze Vogel holt uns alle irgendwann, das denkt er sich und friert, weil der März dieses Jahr verdammt kalte Nächte parat hat.Dann reißt Ihn plötzlich ein Arm, der an seiner Schulter zerrt, der Ihn weg von der Brüstung reißt, aus den Gedanken. Der Typ kennt Ihn oder meint zumindest Ihn zu kennen. Er tut immer recht besorgt, ob er es wirklich ist oder nur, entgegen der menschlichen Natur, hilfsbereit sein will ohne Hintergedanken, das weiß man nicht. Jedenfalls hat er eine Flasche Vodka dabei und der Traurige entreißt sie Ihm, nuckelt dran wie ein Baby und fühlt sich wieder ein bisschen besser. Dann zieht er mit seiner Rechten das Handy hervor und hört sich Sowinetz an. Sie schlendern über die Nibelungenbrücke und sehen Frauen auf Ihre Beine. Bei solchen Temperaturen so kurze Röcke, hm, naja.
Eine wunderschöne und doch auch häßliche Welt, nicht?
Der Einkaufssack des Pensionisten riss ganz plötzlich auf, zuviel hatte er zu tragen gehabt. Orangen kullerten über das Trottoir, Milchpackungen platzten und Fruchtsaftflaschen aus Glas zersplitterten. Der alte Mann murmelte aufgeregt irgendwas vor sich hin, schimpfte über die Politiker, wenn ich das richtig vernommen habe, verstanden habe ich es dennoch nicht. Naja, was haben die Politiker mit der Qualität von Plastiktaschen von Billa zu tun? Ich machte einen großen Bogen um den kauzigen Greis und er hob plötzlich seinen Stock. Holte aus und verfehlte mich, dafür kippte er dann schreiend vornüber, mitten in die Milchlache. Es war ein herrlicher, sonniger Samstag und die Vögel zwitscherten, wie sie das schon immer pflegten zu tun, wenn das Wetter soweit ganz in Ordnung ist. Der alte Mann war schnell vergessen, als ich die schönen Mädchen, die entlang der Donau spazierten, sah. Ich setzte mich irgendwann mal, als die Füße schon anfingen zu bluten von meinem Gewaltmarsch, auf einen Stein am Rande des Gehwegs. Ein Hund kam herbei, setzte sich neben mich und hinterließ mir ein Präsent. Deswegen wohl die Bezeichnung "hundsgemein". Ich erhob mich, als ich auch schon die Besitzerin des ungehobelten Tieres herannahen sah, neben Ihr trottete der Übeltäter daher, die Zunge aus dem Maul, breit grinsend und tat so, als sei nichts geschehen. Ich tadelte sie, beinahe theatralisch, forderte sie auf, den Unrat Ihres pelzigen Begleiters weit hinfort zu schaffen. Sie sah mich an aus abwesenden Augen. Dann ging sie weiter. Ein weiterer Golem der einem Menschen eben nur verdammt ähnlich sieht, nicht mehr. Ich holte meinen Block aus dem Rucksack und einen Bleistift und machte ein paar Skizzen von den Hügeln und Bergen hinter Linz im Mühlviertel, die aus meiner Position noch ganz gut zu sehen waren, weil in Urfahr die Gebäude noch nicht gar so hoch sind, um einen diese Sicht zu rauben. Immer mehr setzte dann auch schon die Dämmerung ein. Ich entschloss, mich wieder fortzubewegen, schleppenden Schrittes ging ich los. Auf dem Weg irgendwohin saßen ein paar Leute auf der Wiese. Einer schrie mir irgendwas äußerst Unhöfliches zu. Ich sagte, wer im Dreck hockt und Schmutz mit dem Mund verschleudert, der kann bloß ein Schwein sein. Daraufhin standen sie alle auf, alle sechs Mann und gingen auf mich zu. Das Schmutzmaul war am schnellsten bei mir. Er holte aus, ich duckte mich, steckte ein zwei Schläge ein und landete dann eine harte Rechte mitten auf die Stirn. Er taumelte kurz, dann erteilte er seinen Lakaien - scheinbar fühlte er sich als Anführer oder vielleicht war er es ja auch - den Befehl, mich windelweich zu prügeln. Er selbst blutete und es hatte den Anschein, er hätte Tränen in den Augen und deswegen hielt er sich die Stirn während er teilnahmslos dastand. Die fünf Kerle zerissen mein weißes Hemd und bespuckten und schlugen mich. Wie besinnungslos schlug einer der Kerle immer wieder auf meinen Kopf ein. Ich gab Ihm einen Kick in die Weichteile, er ging zu Boden, die Augen quollen über. Die anderen waren kurz abgelenkt und so hatte ich Zeit, dem einen, der mir jetzt noch im Wege stand, einen Tritt aufs Schienbein zu geben. Dann rannte ich, die Vier mir dicht auf den Fersen, allerdings hatten die wenig Kondition und so konnte selbst ich, der Asthmatiker, die Drecksbrut abhängen. Kaputt und völlig verschmutzt kam ich schließlich bei meinem trauten Heim an, wo mich alsbald, nachdem ich ein Bad genommen und die ruinierte Kleidung weggeworfen hatte, Chopin in den Schlaf wiegte. Träume vom Tod und allerlei anderen Blödsinn. Baptisten die Ihre Kinder die Köpfe in Lava tauchen, damit sie endgültig damit aufhören können zu sündigen und gleichzeitig sicherlich sündenfrei sind und bleiben. Ballons die zerplatzen und einen Regen aus Konfetti, Hühnerknochen und Gutscheine für eine Yoga-Stunde umsonst auf die tobende Menschenmasse niedergehen lassen. Clowns die Päpste erstechen. Kinder in Afrika, die Missionare aufessen. Handys die den Telefonierenden sich vom Ohr angefangen bis zum Gehirn in den Kopf fressen. Über all dem ertönt immer wieder die Neunte Simphonie von Beethoven und Lacrimosa von Mozart.