Once upon a time
Ein letztes Mal melden wir uns zu Wort. Für alle Lesefaulen gibt es das Video dort oben, das uns – Milena und Ronny – auf dem A Summer’s Tale zeigt. Für alle, die ein paar Minuten mehr Zeit mitgebracht haben, gibt es hier unsere Fazits.
Los geht’s mit Milena: Eine Sache verwundert mich hier total. Ich bin angetrunken, immer wieder über den Tag verteilt – aber nicht breit. Ganz untypisch für ein Festival ging hier bisher kein Joint rum und ganz untypisch für mich: ich habe ihn auch nicht vermisst. Es fiel mir nur auf, als ich sah, dass der Boden nicht von Zigarettenstummeln übersät ist. Dass niemand halbnackt im Regen tanzt bei 16°C finde ich auch eher gut. Thees Uhlmann bezeichnete bei seiner Lesung das A Summer‘s Tale liebevoll als "spießig" und wenn dem so ist, dann möchte ich mal Spießer werden. Wenn man einfach eine gute Zeit haben will, ohne total abzustürzen, dann ist man hier genau richtig. Aber auch das ist meine subjektive Auffassung. Ich komme lieber morgens und erfreue mich an den Workshops: Ob einen fremden Mann beim Thai-Massage Workshop massieren oder als einzige Erwachsene ohne Kinderbegleitung (Ronny zählt hier bei nicht als Kind) Cake Pops-Kuchen am Stil machen – das ist meine Welt. Gegen 24 Uhr falle ich dann durchgefroren, aber herzerwärmt ins Bett und bin gut erschöpft. Die Konzerte und zahlreichen Disco-Floors gehen halt ohne mich weiter. The show must go on. Das Wetter hat nicht so mitgespielt wie gewünscht, aber das ist ok. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Musik. (Hier natürlich nicht!). Das Gelände ist gut besucht, aber nicht so, dass man sich auf den Füßen herumtanzt. Das einzig wirklich Gefährliche, das mir hier passierte, war, dass ich nasse Füße bekam, im Dunkeln gegen einen Stein lief und von zwei Kinder mit bemalten Geister-Gesichtern verfolgt wurde, die dabei gruselige Geräusche machten. Ihr merkt schon: Das alles ist nicht mal wirklich gefährlich. Das Schlimmste bleibt also - wenn man es schlimm findet –, dass ich nüchtern geblieben bin. Mir hat der Alkohol nicht gefehlt. Mir hat so vieles nicht gefehlt, das man mit anderen Festivals in Verbindung bringt. Teenies, die nachts grölend über deine Zeltschnüre stolpern und bestenfalls noch eine Spur aus Kotze hinterlassen. Toiletten, die man nicht mal seinem schlimmsten Feind antun wollen würde – hier gibt‘s richtige sanitäre Anlagen mit zumutbaren Schlangen. Das gleiche gilt für die Bar. Es sind tatsächlich so kleine Dinge, Grundbedürfnisse, die den besonderen Reiz des Festivals ausmachen. Etwas real Märchenhaftes. Halt A Summer‘s Tale.
Und weil so schön ist, sabbelt Ronny gleich hinterher: Ich habe das jetzt schon einige Male in den vergangenen Tagen erwähnt: Das A Summer’s Tale gibt nicht nur vor, ein besonderes Festival zu sein, sondern ist es auch tatsächlich. Neben einem wirklich guten Line-Up wird auch vieles andere drumherum geboten, das man sonst eben tatsächlich auf keinem anderen Festival in dieser Zusammenstellung erleben kann: Filmvorführungen, Vortragsreihen, Talks und Workshops. Von jung bis alt ist hier für jeden etwas dabei. Und vielleicht nicht ganz zu Unrecht hat der Rolling Stone das A Summer’s Tale mit dem Begriff „Aktivurlaub“ umschrieben. Denn es gab auch Nachtwanderungen, Kräuterkunde und Kanufahrten. Aber warum auch nicht? Schließlich findet dieses Festival relativ abgeschieden und weit draußen in der Natur statt. Optimale Voraussetzungen also, um einem auch die Natur und einen fairen und respektvollen Umgang mit ihr nahe zu bringen. Wenn überhaupt, dann hat mir persönlich die nötige Konsequenz etwas gefehlt. Milena war es, die nicht müde wurde, mich auf all den Verpackungsmüll hinzuweisen, der auch hier – eben festivaltypisch – überall anfällt. Vielleicht finden sich für das kommende Jahr Konzepte, mit denen sich das vermeiden lässt. Oder Workshops und Vorträge, in denen Festivalbesuchern auch zum Thema Naturschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit das Eine oder Andere erzählt wird. Das alles muss ja nicht langweilig sein. Und diejenige Klientel, die hierher kommt, um Konzerte zu erleben, ist vermutlich auch eher bereit, sich zu diesen Themen etwas anzuhören, als – sagen wir mal – Rock am Ring-Besucher. Auch über den hohen Preis wurde hier und da geschimpft. Und ja, es stimmt natürlich. Wenn eine vierköpfige Familie sich dazu entschließt, hier vier Tage lang Musik und Natur zu genießen, dann gehen mal locker bis zu 500€ allein fürs Camping drauf. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass man vermutlich nicht Verpflegung für die gesamte Zeit im Kofferraum des Autos bunkern kann, sondern eben doch auch an einem der vielen Foodtrucks gesundes und sorgsam hergestelltes Essen genießt, dann wird unter Umständen ein weiterer Hunderter für die vier Tage draufgehen. Alles in allem muss man natürlich bereit sein, dieses Geld auszugeben. Aber – und ich glaube alle Besucher werden mir da zustimmen – das A Summer’s Tale ist dieses Geld auch wirklich wert. Niemand hier hatte Grund, über die Preise zu schimpfen. Alles ist tadellos organisiert. Von Chaos keine Spur. Und die festen Toilettenräume werden regelmäßig gesäubert. Dieser typische Festival-Ekel, den man spätestens am Ende des 2. Tages beim Betreten einer Toilette hat, kann hier gar nicht aufkommen – so pikobello sauber ist es hier. Dann die Stimmung: Kinder spielen mit anderen Kindern, mit ihren Eltern oder tanzen. Dann die typischen Festivalgänger – von Jugendlichen über Studenten bis hin zu Rockern: alle sind hier und kommen gut miteinander aus. Die „eine“ Zielgruppe? Gibt es nicht. Hier mag jeder jeden. Und das ist gut so. Hätte ich wirklich Schlechtes vom A Summer’s Tale zu berichten, würde ich euch davon erzählen. Aber tatsächlich bin ich am letzten Tag sehr zufrieden nach Hause gefahren. Und komme gern wieder.
Wir sagen Danke und freuen uns auf das A Summer’s Tale 2017!










