Düsseldorf Caterer Münchhausen verdrängt Verein für Künstler mit geistiger Behinderung. Stadt schaut zu.
Eine kurze Bestandsaufnahme von Frederike-Alna Fuchs zur perfiden Praxis eines kommerziellen Anbieters, um einen störenden, sozial ausgerichteten gemeinnützigen Kunstverein und Interventionsprojekt loszuwerden.
Seit Beginn 2015 verantwortet der vom Düsseldorfer Künstler geleitete und initiierte Verein Jason Rø e.V. das Kulturpojekt Gerresheimer Bahnhof / Kulturbahnhof in Eigenverantwortung. Nachdem Aufbau und Finanzierung praktisch im Alleingang und ohne finanzille Hilfe der Stadt umgesetzt werden mussten, holte Carsten Reinhold Schulz Ende 2016 eine Catering GmbH als finanzierenden Partner mit ins Boot, da Kompetenzen gebündelt werden mussten, um den, jedes Jahr um mehr als 100% steigenden Mietkosten des Eigentümers nachzukommen. Mit diesem Finanzierungskonzept wurde Anfang 2017 gemeinsam gestartet und es war schon nach wenigen Monaten zu bemerken, daß in der Zusammenarbeit mit der kommerziellen GmbH etwas nicht stimmte. Eine schleichende finanzielle Austrocknung des Kunstvereins hatte begonnen, vertraglich klare Punkte wurden ignoriert, gemeinnützige Gelder einfach einbehalten oder vom Caterer umdeklariert. Dinge wurden zerredet, Kulturansprüche heruntergeredet, Cateringaufgaben für den Verein nicht wahrgenommen, Grenzen der Fairness überschritten, dabei wurde honigsüß kommunziert und gleichzeitig dem Verein mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Unwillen zugewiesen. Dieses Vorgehen in kleinen Schritten kennt man als Salami-Taktik.
Nach einer gewissen Zeit der Gesprächsbereitschaft wurde das Cateringunternehmen Münchhausen mit seinem beim Traditionsverein der Düsseldorfer Jonges aktiven Geschäftsführer Herrn Dietrich Ahrens, vom Kunstverein zwangsläufig gekündigt. Ohne Not und Grund wurde über den Düsseldorfer Anwalt Herrn van Ooy, von der Kanzlei van Ooy und Göttling, eine Schadenersatzsumme von 120.000,– EUR beim Landgericht eingereicht. Eine Art Erpressung, die der kleine Verein selbst bei einem gerichtlichen Vergleich nicht hätte überleben können und pure Angst machen sollte. So etwas funktioniert. Es entstand schwierige Einigung im Gespräch vor dem Anwalt, bei dem der Verein formal auf die Hälfte seiner Forderungen verzichtete und danach ein sichererer neuer Vertrag aufgebaut werden sollte. Selbst die halbierte Forderung des Vereins wurde jedoch nie eingelöst. Tausende von EUR gingen verloren. Was den Anwalt und die GmbH nicht davon abhielt das Druckmittel der 120.000,– EUR Schadensersatz als „faire Mediation“ zu bezeichnen und dem Verein dafür auch noch eine Rechnung zu stellen. Man kann so etwas wahlweise geschickt oder schmierig nennen.
Um weitere Eskalationen zu vermeiden, und um den 400 qm großen Kulturbahnhof für das sensible Kunstprojekt mit inklusiven Ideen und sozialem Anspruch nicht zu verlieren, hat der Kunstverein eine klare vertragliche Trennung der Einnahmen, Kompetenzen und Aufgaben ausformuliert und den Kündigungsschutz zusätzlich mit dem Eigentümer verkoppelt. Das Cateringunternehmen erzwang die Übernahme der Räume als Mieter, hatte somit den künstlerischen Anspruch der Eigenverantwortung bereits verdrängt, den Fuss in der Tür, sollte dafür die bisherigen räumlichen Angebote weiter garantieren und verpflichtete sich dem Kunstverein die monatliche Summe von 3000,– EUR zu zahlen. So weit so gut.
Sie ahnen es, die Verdrängungs-Methoden gingen genauso weiter wie bisher und die finanzielle Aushöhlung des Kunstvereins ebenso. Erschwerend kam nun hinzu, das der Caterer aus mehrwertsteuerlichen Gründen und vom Besitzer des Bahnhofs Piet Neiser angeregt, Mieter werden „musste“. Die GmbH generierte sich entsprechend unfair. Rechtssicherheit für Kulturveranstaltungen wurde offenbar bis heute nicht hergestellt. Vertraglich zugesicherte Kulturtage werden bis heute nicht rechtzeitig vergeben, Termine verschleift, Kulturprojekte falsch deklariert und die Einnahmen für die gemeinnützigen Aufgaben immer wieder selbst in die Tasche des Unternehmens gesteckt. Das Ziel ist einfach: muss der Verein erst Insolvenz anmelden, ist die GmbH den Vertragspartner los und spart bis zum vorläufigen gemeinsamen Vertragsende im Jahr 2023 die vereinbarten jährlichen 36.000,– EUR, immerhin eine Gesamtsumme von 180.000,– EUR. Parallel dazu wurde vom Cateringunternehmen eine Homepage mit fast gleichlautendem Namen ins Netz gestellt. Statt Kulturbahnhof-Gerresheim und Gerresheimer Bahnhof des Kunstvereins gibt es jetzt im eigenen Haus zusätzlich die Konkurrenzadresse Bahnhof-Gerresheim, auf der auch mit der unberechtigten Vergabe von Ausstellungen geworben wird. Die feindliche Übernahme wird immer deutlicher. Münchhausen Catering möchte ohne Scham und gegen die vertragliche Vereinbarung, nicht nur das vom Verein und dem Eigentümer zugewiesene Cateringgeschäft, sondern auch den Bereich des Kulturbahnhofs komplett vereinnahmen.
Trotz vieler Vertragsbrüche kommerzieller und nicht kommerzieller Natur, wie es auch eine forgesetzte Störung von kriegstraumatisierten Kindern darstellt, oder fingierter Rechnungsandrohungen, schaffte es der Kurator des Vereins noch im Jahr 2017 sieben Kunstausstellungen und gut 45 innovative Kulturveranstaltungen plus diverser Kurse im Alleingang auf die Beine zu stellen. Das geht nur mit Lohnverzicht, ehrenamtlicher Arbeit und der Investition geliehenen und privaten Geldes durch den Verantwortlichen, Carsten Reinhold Schulz. Seine Anstellung beim Kunsterein musste er längst aufgeben, auch die beiden sozialversicherten Angestellten des Vereins musten entlassen werden.
Zur Begleichung von alten Nebenkostenforderungen des Eigentümers musste der Verein nun einen Kredit aufnehmen. Der Anfang vom Ende? Trotz des Bewußtseins um die finanzielle Demontage des Kunstvereins durch den neuen Mieter, besteht der Eigentümer auf der Zahlung seiner eigenen Forderungen und beginnt den Kunstverein als schwierig und kompliziert zu beschreiben.
Letztlich kulminiert der Streit im Kulturbahnhof-Gerresheim durch einen von GmbH Geschäftsführer Ahrens lancierten Zeitungsartikel, indem man dem Künstler Carsten Reinhold Schulz öffentlich mit Falschaussagen Versagen vorwirft und dem Verein praktisch den nachweisbaren Verdienst abspricht den Bahnhof jahrelang aufgebaut und zu einem immemr weiter durchfinanzierten Ort von Teilhabe-Kultur, Kunst und Lebensfreude gemacht zu haben.
Desweiteren wird im Artikel ein Neustart des gesamten Bahnhofs, also auch des Kulturprogramms für das Jahr 2018 vom Cateringunternehmens Münchhausen propagiert, obwohl der Caterer seit Beginn 2017 das Cateringgeschäft verwaltet und der Kulturbereich vertraglich vollkommen autark ist. Ein auch charakterlich tief beschämender Vorgang, der zwar bar jeder Grundlage ist, aber natürlich bei vielen Lesern einer der großen Tageszeitungen Deutschlands hängenbleibt. Da nützt auch die Entschuldigung des RP Redakteurs Marc Ingel nichts, der seine fehlende Gegenrecherche bedauert.
Die Verdrängung nachhaltiger innovativer Kulturprojekte, wie sie das Projekt im Gerresheimer Bahnhof darstellt, mit seinen literarischen und künstlerischen Versuchen und thematisch besonderen Ausstellungen, ist ein beliebtes Spiel gerade bei Groß-immobilien. Künstler und Vereine besorgen den schwierigen, oft kosten- und arbeitsintensiven Aufbau eines Gebäudes, eines Ortes oder einer ganzen Wohngegend, dann kommen die Nutznießer und setzen sich ins fast fertig gemachte Nest. Der Bahnhof soll in den nächsten fünf Jahren etwa eine Million EUR umsetzen, ja, wir dachten es uns bereits so etwas.
Gerade an Solidarität, Nachhaltigkeit und Gemeinschaftlichkeit orientierte Kunstprojekte stören irgendwann die immer kommerzieller werdende Grundstruktur solcher Groß-Immobilien. Richtig oder Falsch haben dabei irgendwann kein Gewicht mehr, Ehrlichkeit auch nicht, die freundlichen Gesicher verschwimmen, ein Wort gilt nichts mehr.
Carten Reinhold Schulz hat versucht, gerade in dieser Umgebung, die weitere Spaltung der Gesellschaft ein wenig zu verhindern und auch niederschwellige Angebote für alle zu schaffen. Seine Form der Schönheit wäre die Aufladung von Kunst durch soziale und gesellschaftliche Einmischungen durch die Menschen im Kulturbahnhof Gerresheim gewesen. Aber vielleicht können seine kulturellen Untersuchungen an den Schnittstellen zwischen Kunstbetrieb, Kommerzialisierung und Politik, die er seit 1989 durchführt, hier besonders fündig werden. Auch wenn die Ergebnisse mehr als deprimierend sein dürften.
Ein eigener Ort für gleichberechtige, selbstverständliche kulturelle Teilhabe muss also offenbar in Düsseldorf noch warten.
Die Stadt Düsseldorf schaute von Anfang an zu, der Kulturdezernet versprach, die Kulturamtsleitung versprach, die Parteien versprachen, der Bürgermeister beteiligte sich auch an Projekten des Kunstvereins, aber bei konkreten Anfragen fand sich keine Hilfe. besonders lustig waren wohl die Fraktion der Grünen. In Gesprächen mit Carsten Reinhold Schulz in ihrem Rathausbüro waren Sie begeistert von den inklusiven Kulturideen des Projekts, selbst kommen würden sie aber erst,wenn der Bahnhof etwas für Frauen machen würde. Nach einem Jahr entstand die Ausstellung „Das Bild der Frau in der Outsider Art“ mit einer der großen deutschen Sammlungen zur Outsider Art, der des Neuro-Chirurgen Turhan Demirel. Viele waren da, nur die Grünen nicht. Die wichtige Offenheit und auch die schlichte Kompetenz bei der Beurteilung des Kunst und Teilhabe-Projekts Gerresheimer Bahnhof fehlte in der Stadt durchwegs.
Woher soll sie aber kommen, diese Kompetenz, in einer Stadt die zum größten Teil kulturell rückwärtsgewandt orientiert ist und in der viele Künstler sich längst der Politik angedient haben und vermutlich am liebsten eine Art Staatskünstler werden möchten. Natürlich freie Staatskünstler.
Düsseldorf, eine Stadt, in der die Wirtschaftsförderung krampfhaft versucht Kunst effizient zu machen. Heraus kommt langweiliges Mittelmaß oder mittelmäßige Belanglosigkeit. Oder man kauft Kompetenz ein, das ist auch sehr bliebt, damit will man sich vor Fehlern schützen. Das man mit sich dieser Methode über seine eigene Stadt lustig macht, bleibt der Politik verborgen. Oder die Angst vor eigenen Fehlern ist größer.
Man kann in Düsseldorf gut beschwören, man beschwört die großen Geister der kulturellen Vergangenheit und entwickelt an Ihren vermeintlichen Spuren entlang Irgendetwas. So verliert man ein wenig die Angst vor dem Unbekannten. Dürftig, ein wenig feige, ja, aber immerhin so etwas wie eine Methode. Man nennt es in dieser Stadt „Schule“.
Man ist stolz in der Kunststadt Düsseldorf auf kulturelle Vielfalt, nur man scheint sie nicht mehr zu erkennen.
Merkwürdig. Kann man das einer Stadt erklären? Der Verein Jason Rø e.V. und der Künstler Carsten Reinhold Schulz haben es versucht, bisher tausend Tage lang. Mit dem Projekt Gerresheimer Bahnhof // Raum für Kunst und Teilhabe.











