Man kann offenbar höchst erfolgreich Bücher über Migranten in Deuschland schreiben, ohne welche zu kennen oder auch nur gesprochen zu haben. Genau das war nicht der Plan bei diesem Buch. Vier Monate bin ich quer durch Deutschland gereist habe etwa mit den Schriftsteller Navid Kermani etwa gefragt, wer das nun eigentlich ist dieses "wir", mit dem wir uns mal gegen den Islam mal gegen vermeintlich Fremde abgrenzen, die oft hier geboren sind. Ich habe zwei Frauen aus Ecuador getroffen, die seit über zehn Jahren illegal in Deutschland leben, und die mir von ihren Träumen und enttäuschten Hoffnungen erzählt haben und mit Bülent Arslan über den Unterschied zwischen Vorurteilen und Klischees diskutiert. Entstanden sind neunzehn Porträts von Menschen mit Migrationsgeschichte, wie das wohl korrekt heißt. Thomas Ellerbeck und David Deissner von der Vodafone-Stiftung, die dieses Projekt ermöglicht hat, haben eine Analyse beigesteuert über Migration in Deutschland im Jahr Eins nach der Sarrazin-Debatte. Hier finden Sie kurze Ausschnitte aus den neunzehn Interviews. Das Buch "WIR 19 Leben im neuen Deutschland"erscheint am 4. Oktober bei Piper.
Amir Kassaei musste den harten Weg gehen. Er kam als Asylbewerber nach Österreich, davor hat er als Kind in der Armee des Iran kämpfen müssen. Heute ist er einer der einflussreichsten Männer der internationalen Werbebranche. Kassaei hat die neue Kultur damals inhaliert, wie er sagt. Hat aufgehört persisch zu sprechen. Die Muttersprache hat er inzwischen verlernt. Entsprechend eindeutig ist seine Meinung, wie sich Menschen integrieren müssen. Sogar manchen von Thilo Sarrazins Thesen kann er zustimmen.