Jo, wie fang ich denn am Besten an?
Nagut, ich bin die Christin, bin 17 Jahre alt und komme aus Thüringen, Deutschland.
Ich habe um ehrlich zu sein keine Ahnung vom Bloggen oder ähnliches...aber ich hab mir gedacht, dass ich in so einem Blog einfach mal alles loswerden kann, was mich bedrückt, was war, was ist...und, und, und.
Meine Musik ist und bleibt Metal. Es hat mir in den beschissensten Zeiten geholfen...dazu aber später mehr.
Ich kann zu meiner Person sagen, dass ich sehr perfektionistisch bin, dass ich gut zuhören kann, dass ich ehrlich bin und dass ich über eine gute Menschenkenntnis verfüge.
Was meiner Person fehlt ist definitiv Selbstbewusstsein...ich weiß mich zu wehren wie auch immer, aber ich bin seeehr, seehr schüchtern und zugeschlossen, was neue Leute, neue Arbeit oder sowas angeht. Es dauert nicht lange, bin ich aufgetaut, aber dann muss ich mich in meinem Umfeld extrem wohlfühlen. Und am besten kann ich mit Leuten über alles reden, wenn ich sie kaum kenne. Ja, ist DER Wiederspruch in sich, aber mit reden meine ich schreiben. Telefonieren oder sowas geht gar nicht.
Ich fang dann mal an über meine Vergangenheit zu berichten...
Ich war immer ein kleines, quirliges, lebenslustiges Mädel, was es geliebt hat zu malen, draußen rumzuflitzen und den Eltern dezent die Nerven zu rauben. Ich war so glücklich, solche Eltern zu haben, wie ich sie hatte. Einen Dad, der mit zweitem Namen Humor oder Spaß hieß und eine Mum, die auch so ziemlich jeden Spaß mitgemacht hat und mit mir bis heute durch dick und dünn ging.
Ich kann mich noch genau an meine Schuleinführung erinnern..eine weiße, niedliche Bluse und einen Jeansrock. Natürlich weiße Socken in Sandalen. Man ist es nicht anders gewohnt von uns Deutschen. Die Wuschelmähne gerichtet und den lilanen Neill-Schulranzen auf'm Rücken geschnallt ging ich voller Vorfeude in das Schulgebäude. Viele kannte ich noch vom Kindergarten, war so froh sie wieder zu sehen. Kaum saß ich neben meiner besten Freundin war meine Familie nebensächlich. Vor lauter Aufregung saß ich mit zitternden Beinen auf der Bank und konnte es nicht abwarten bis es losging. Endlich kam die Lehrerin...alles war ruhig. Sie sagte die Namen auf, der, der gerufen wurde, durfte sich seine riesige Zuckertüte abholen. Da mein Nachname mit Z losgeht, saß ich natürlich am längsten...das gefiel mir gar nicht. Es gefällt mir heute immernoch nicht.
Naja, alles ganz normal...ich bestand die 1. , die 2. und die 3. Klasse auch noch mit ach und Krach. Ich packte meinen Ranzen nach 3 Tagen Sommerferien und wollte dann am liebsten gleich wieder in die Schule rennen.
Zum Ende der 3. Klasse trennten sich meine Eltern, da ging der Spaß los. Ich war nicht mehr ich. In der Schule ging es bergab, selbst die Lehrerin fing an, dass ich am Anfang doch so leicht alles habe lösen können, spielerisch einfach lernen können. Ich konnte ihr nicht antworten, als sie fragte was los sei. Sie fragte meine Mum. Die erzählte es dann meiner Lehrerin. Ich war schon immer ein Mensch, der mit sowas lange kämpft und nicht leichtfertig drüber wegkommt. Mein Vater und meine Mutter...getrennt. Auseinander. Ich konnte es nicht glauben...ein paar Monate zuvor lief ich mit meinem Dad an der einen und mit meiner Mum an der anderen Hand zum Auto und sagte: "Ich bin sooo froh, dass ihr meine Eltern seid und ihr sollt immer zusammen bleiben." Ich erinnerte mich immerzu an diesen Satz, konnte es nicht glauben. Nichts hat mich aufgeheitert. Nach der Schule nach Hause. Ich musste nicht mehr zu Opa, weil ich ja nun alt genug war. Daheim angekommen war ich auf der Suche nach Süßem. Essen. Essen. Essen. Man kann es als Frustfressen bezeichnen. Ich hatte keinen Plan was das zu bedeuten hatte...war ja noch ein Kind.
Naja, das Jahr ging rum und ich kam in die 5. Klasse. Viele Neue Gesichter. Kaum welche aus meiner alten Schule. Ich hatte mich ein wenig erholt, mir ging es besser. Ich war wieder wissbegierig. Bis zur 7. Klasse.
Wir kannten uns alle ein wenig besser. Denkste. Es kam über Nacht könnte man sagen. Ich kam in die Klasse, setzte mich auf meinen Platz. Alle die um mich herum saßen, waren weggerückt. Ich hatte keine Ahnung was los war, ich dachte die Lehrerin hat eine neue Sitzordnung angelegt, weil ich gern im Unterricht gequatscht habe. Ja, das war es nicht. Alle tuschelten und kicherten und alles. Ich hab mein Zeug ausgepackt ordentlich wie immer. Zack! Lag die Federmappe aufm Boden. Hui! Da flog das Arbeitsheft durch die Kante. Ich wollte es mir wiederholen, Wusch! Da flog der Schulranzen aus dem Fenster. Mein Jack Wolfskin Rucksack, den ich mir so sehr gewünscht hatte, der neu war. Lag nun draußen im Regen, samt Inhalt. Ich bin raus, wollte ihn holen, wir hatten unseren Raum im dritten Geschoss. Die Kinder im Ersten schauten mich an und lachten. Ich hab meinen Rucksack aufgehoben den Inhalt wieder reingetan. Kam mir meine Federmappe entgegen, meine Schulsachen, meine Jacke. Ich stand mit dem Kram im Regen. Alles zusammen gepackt ging ich wieder hoch. Die Lehrerin war mittlerweile schon im Raum. Der Unterricht hatte schon begonnen, sie sah mich an, wie ein Schaf wenn's donnert. Sie verlangte eine Entschuldigung, aber ich brachte kein Wort raus. Setzte mich wieder und hoffte, dass dieser Tag so schnell wie möglich rumging. In der Pause gings weiter. Ich hatte vorsichtshalber alles schnell eingepackt und meinen Rucksack umklammert. Batsch! Bekam ich 'nen klatschnassen Tafelschwamm vor's Gesicht. Der stank schon, so alt war der. Mir hat's gereicht. Ich bin zur Klassenlehrerin gegangen, doch die begegnete mir nur mit Unverständnis. Daheim erzählte ich dies meiner Mutter, die verlangte ein Gespräch mit der Schulleiterin. Nichts geschah.
So ging es jeden Tag weiter. Ich hatte regelrecht Angst in die Schule zu gehen. An einem Tag hat mir ein Mitschüler eine Schere in den Rücken gehauen. Die Lehrerin saß da und machte keinen Mucks. Gar nichts. Das Blut lief mir den Rücken runter. Anscheinend war ihr das egal. Später dann im Geschichtsunterricht. Alle am Malen. Ich war fixiert auf meine Arbeit. Wumms! Bekam ich eine auf den Hinterkopf und der Stift hing in meinem Auge. Der Lehrerin?! Der ging es am Ar*** vorbei.
Ich konnte mich nicht wehren...wurde täglich angespuckt, gehänselt, angebrüllt, gemobbt. Was auch immer. Ich hatte meinen großen, starken Dad nicht mehr, der mich hätte beschützen können...meiner Familie wurde es auch recht schnell gleichgültig. Sie meinten nur, wenn ich mich nicht wehre, dann bin ich selber dran Schuld. Toll. Da stand ich nun. Allein. Gehasst. Ängstlich.
Ich futterte immer mehr, wurde dadurch natürlich immer molliger. Ich begann mir einzureden, ich sei hässlich, nichts wert, mich würde keiner mögen. Warum? Mir wurde es jeden Tag eingeredet. Jeden Tag. Irgendwann glaubt man es. Ich stand vorm Spiegel, ich fing an zu heulen, weil ich mich so geschämt und gehasst habe.
Ich will nich sagen, dass ich die Schönheit in Person war, aber dass ich so hässlich war, hätte ich nie gedacht. Ja, klar...ich hatte so hässliche Locken...in alle Richtungen...kreuz und Quer...hatte Fressbäckchen, war mollig und hatte keine Markenklamotten...wir hatten nicht viel Geld. Ich hatte 2. Wahl-Ware oder Klamotten aus dem Kik. Das...und einzig und allein DAS war der Grund, weshalb ich gemobbt wurde. Wir hatten noch andere mollige, wenn nicht sogar dicke in der Klasse, aber die hatten Markenklamotten und die neuesten Handys, schminkten sich oder sowas.
Ich begriff nicht was abging...ich fiel immer tiefer in das Loch...was sich seit der 4. Klasse öffnete. Zwischendrin langsam, doch nun immer schneller, immer tiefer. Ich hatte zu nichts mehr Lust, blieb einfach liegen, wenn der Wecker klingelte. Bekam mehrere Tadel, wegen unentschuldigtem Fehlen...es war mir egal. Mir war alles gleichgültig. Ich wollte einfach nur weg. Weit weg. Ich fing an Menschen zu hassen. Surfte täglich 14 Stunden im Internet, scrollte mich durch Foren, konnte aber nichts finden. Da gab es noch Schueler.cc die einzige Plattform für Schüler, auf der ich regelmäßig aktiv war. Dort fing es dann auch nach geraumer Zeit mit dem Mobbing an. Ich bekam Nachrichten wie: "Fette Kinder sind hässlich und stinken." Es war mir egal. Trotzdem wollte ich nicht wieder in diese Schule...ich entdeckte dann nach und nach eine neue Musikwelt für mich. Metal. Mein Vater war Metaller...Vollblutmetaller, zwar ohne langen Haare, aber immer am headbangen. Mein Vorbild. Ich hab als kleines Kind schon viel davon hören müssen...Rammstein, Nightwish, Pantera, Sepultura und, und, und. Diese Musik fing mich auf. Ich verarbeitete meine Wut in die Musik. Ich fing an mir bei EMP Merchandise zu besorgen, mehr als genug. Ich färbte mir die Haare schwarz, fühlte mich langsam wieder wohl in meinem Körper. Wurde von außen zum Jungen, schnitt mir die Haare ab um diese Locken loszuwerden. Schminkte mir die Augen schwarz, aber nie zu sehr. Ich wollte sie einfach nur betonen. Ich habe meine Augen geliebt.
Nachdem ich mich so verändert hatte, ging ich dann auch langsam wieder regelmäßig zu Schule. Das Mobbing ließ auch nach, da die, die mich gemobbt hatten den Kurs 2 also Hauptschule besuchen mussten. Wirklich alle. Unser Klassenzusammenhalt wuchs immer mehr. Ich wurde akzeptiert, aber nicht, weil ich mich vom Äußeren her geändert habe...es ging, als diese Vollidioten aus der Klasse draußen waren. Auf einmal. Ich bekam zum Wichteln ganz viele Zettel auf denen stand, dass ich liebenswürdig und urkomisch sei, dass ich eine gute Freundin sei und alles und jeden zum Lachen bringen würde. Ich fing an zu heulen.
Ich hatte seit 5 Jahren so etwas nicht mehr gehört. Die Verhältnisse daheim wurden auch langsam besser. Aber es war immernoch eisig zwischen meiner Mum und mir. Ich traf mich regelmäßig mit meinem Dad, der sprach mir gut zu, als einziger.
Ich fetzte mich immernoch oft mit meiner Mum, weil meine und ihre Nerven blank lagen. Meine wegen des Mobbings, ihre wegen der Arbeit. In der schlimmsten Phase hatte ich sogar angefangen mich zu ritzen. Das machte sie dazu noch fertig. Auch wenn sie immer so aggressiv war, sie war auch nur eine Mutter. Sie kam von der Arbeit nach Hause und brüllte mich an von oben bis unten. Bis ich eines Tages mal geplatzt bin und sie angeschrien habe, dass sie es unterlassen soll mich jedesmal nach der Arbeit so anzufotzen und ihre gesamte Wut an mir auszulassen, tut sies nicht, hau ich ab. Es hat gefruchtet. Wir verstanden uns mit der Zeit immer besser. Wuchsen richtig zusammen.
Aber meinen Speck?! Den schlepp ich heut noch ein bisschen mit mir rum.
Aber heute bin ich ich, zwar mit einem leichten psychischen Schaden, genannt Depression...aber ich komm damit klar. Selbstverletzung...nicht mehr so häufig. Da muss schon was schlimmes passieren. Selbsthass?! Ja. Der begleitet mich heute noch teilweise. Aber ich habe gelernt gute Leute und böse Leute von einander zu trennen, mein Bauchgefühl hat mich bis jetzt nicht im Stich gelassen. Ich habe keine 'zig Freunde, aber dafür eine Handvoll Leute, die mich lieben, wie ich bin und die ich liebe. Sie sind für mich da. Egal wann, wie, wo.
Wenn sie das einmal lesen sollten, dann: DANKE, DANKE DAFÜR, DASS IHR IMMER FÜR MICH DA SEID UND, DASS MAN MIT EUCH JEDE SCHEI*E BAUEN KANN. ICH LIEBE EUCH.
Ich werde jetzt regelmäßig etwas posten...ob positiv oder negativ. Wem's gefällt, der kann es lesen, wem nicht, der kann sich ja einen anderen Blog suchen.
Haters gonna hate. So schaut's aus.
Also, see u later alligator. Uuund stay true. \m/