Unverständnis für Unverständnis
Ein Satz, ein Wort, ein Ende. Das Ende deiner Achtung für das nun intellektuell nicht mehr so leuchtende Gegenüber. Das Gefühl sehr bekannt: Menschen, zuvor als tauglich ob Gestalt und Auftritt für die eigenen hoheitlichen Ansprüche befunden, enttäuschen dieses zuvor von Ihrer Majestät gewährte Vertrauen bitterlich. Eine spezifische Situation brauch hier nicht dargelegt werden; vielmehr genügt der Verweis, derartiges passiere überall und immer. Wo anfangs noch Hoffnung auf Seelenverwandtschaft keimte, jetzt die erkannte Idiotie das Pflänzchen zertrampelt; wo vorher Freude auf anregende, natürlich höchst politisch und weltlich angereicherte Unterhaltungen emporstieg, lässt der wahnsinnige Stumpfsinn des Vortrags die Freud erlöschen und einen selbst leidend zurück.
Ungläubig lächelnd und doch innerlich tobend vor Wut, wird das Vernommene vernommen. Dann kurze Stille, ein Räuspern, ein Ja Stimmt, ein du hast ja so Recht, ein Mhh, ein krankhaft gekünstelter Lacher und tief innen fängt es an zu fragen: Wieso diese dreiste Dummheit, weshalb solch Unverständnis, warum gerade ich? Bin ich zu anspruchsvoll – ist die Evolution so anspruchslos? Nicht etwa wurde erwartet hier bahnbrechendes zu offenbaren; doch ein gewisses Selbstverständnis und eine Haltung an die Erwartung dürfen gewünscht sein? Problematisch hierbei freilich die nötige Selbstreflexion, ob der eigene Anspruch überhaupt würdig ist, von anspruchsvollen Wortpartnern gewürdigt zu werden; möglicherweise erschließen sich Rede und Gegenrede, nur dem eigenen Wahn bleibt die Erkenntnis, Wille und Fähigkeit seiner selbst in den richtigen Bezug einzuordnen, verschlossen.
Wäre dies lächerlich: Von anderen fordern, fordern nach Sinn und Mehr, nach Muse und Erquickung, selbst aber nicht zum Geben bereit. Aber halt, kommt das nicht bekannt vor?










