Schweigen sei Gold. Sagen die einen und sind schon damit niemals nie ein Goldgräber.
Schweigen sei Stille. Sagen die anderen und sind schon damit die größten Ruhestörer.
Reden sei Silber. Denken sich manche, greifen den Löffel und rühren. Denn reden kann nur der, der etwas zu sagen hat. Also rühren und denken sie, denken was gesagt werden müsste und präsentieren als Ergebnis sinnfreie Dinge.
Stille ist still. Stille macht Angst. Angst davor, dass die Stille zu still ist. Sprich – schreit es in Dir. Wieso ist es so schwer, so unerträglich, so peinlich berührend, nichts zu sagen, zu warten. Die Stille als Ankündigung einer drohenden Gesprächsapokalypse?
Was werden die Tischnachbarn denken, die wahlweise laut schreiend ihr einmaliges Leben darbieten oder wichtigtuerisch sinnierend mit existenzialistischen Handbewegungen um Mund und Haar nach dem Sinn des Lebens suchen. Was wird dann aus den Schweigenden inmitten all jener Mitteilungsbedürftiger: Verrat an der bürgerlichen Gesellschaft ist das!
Die hohe Kunst der Konversation muss schließlich gebührend gefeiert werden, in Taten, in Worten! Es gilt hier stets die Vermutung zu widerlegen, man selbst habe nichts zu sagen, sei ergo uninteressant weil intellektuell nicht intelligent genug ein banales Gespräch am Laufen zu halten: kurzum ein total langweiliger Vollidiot. Macht ja auch bei Büchern keinen guten Eindruck, wenn schon lange vor dem finalen Schlusspunkt das Papier blank ist.
Verständlicherweise kommt es somit zu Panikattacken, wenn nach dem Satz kein Komma, aber ein Punkt folgt. Also Panik - Ohnein! Stille! Waaas soll ich sagen? Ja natürlich, das Handy gibt Rat. Ein kurzer Blick, das Patt überbrückend, ein Räuspern, ein gekünsteltes Lachen – die Gedanken kreisend nach einem Aufhänger, die Verlegenheit spürend: Sag! Was? Egal!
Wieso die Erregung? So viel wird zu viel gesagt. Viel zu viel wird falsch gesagt. Nicht falsch wie in falsch, mehr wie in musste das sein? War es nötig auch das zu sagen, oder wäre es nicht nötig gewesen zu denken und erkennen: Nichts sagen ist Stille – eine gute Stille – angenehm und vertraut. Vertraute Stille. Ist es nicht fein, nur sitzend und lauschend, nebeneinander um sich blickend, zu schweigen und wissen, nicht reden zu müssen?
Was haben wir gelernt: Reden ist eben manchmal nur Reden und (Achtung, ganz schrecklicher pseudo-philophoischer Anbiederungsversuch) Schweigen ist Gold!
Was haben wir wirklich gelernt: Natürlich gar nix. Also immer munter weiter labern, denn in einem jeden unbedeutenden, sinnfreien Gesprächen liegt die Chance zu bedeutend langwierigen, sinnbefreiten Gesprächen.