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@der-pianist
words have so much weight. please be kind.
Nicht nur Clovis wollte sich nicht ablichten lassen, sondern auch Eugène nicht. Statt sich aber darüber aufzuregen, verzog er nur das Gesicht, denn er wusste, dass sie sich sowieso nicht dagegen wehren konnten. Dieses kleine Gör führte sich auf wie eine Prinzessin, statt einer Patientin.
„Was für eine Zeitverschwendung.“ Irritiert schloss Eugène den Deckel seiner goldenen Taschenuhr und wollte sie in gewohnter Manier in die Taschen seines Kittels schieben, aber anders als Clovis hatte er sich bereits umgezogen und suchte nun etwas vergebens einen anderen Aufbewahrungsort für seine geliebte Uhr, die einen Platz in der Hemdtasche seines weißen Hemdes fand. Er war übermüdet. Anders als andere Leute in diesem Sanatorium waren er und sein Professor nicht mit Plätzchenbacken und Kränze dekorieren beschäftigt gewesen, sondern hatten in der letzten Nacht zwei Eingriffe erledigt. Zwei geheilte Patienten konnten noch vor Neujahr zurück nach Paris geschickt werden – das war Effizienz!
„Es wird nur 10 Minuten dauern“, erwiderte Carlixte monoton und wie stets ohne die geringste Andeutung irgendeiner Gefühlsregung, obwohl Eugène dank einer langen Diskussion von vor ein paar Wochen wusste, dass Carlixte die Kunst der Photographie genauso wenig wie Eugène als eine Kunst ansah. Weihnachten bedeutete ihm ebenfalls nichts; sah er wie viele andere nur als die Gelegenheit der Armen an sich dem Müßiggang hinzugeben. Er hatte es daher auch nicht für nötig gefunden seinen alten Anzug für den heutigen Tag steifen zu lassen, da das Weihnachtsfest für den absolut unreligiösen Menschen komplett ohne jegliche Bedeutung war. Wenn es nur nach ihm ginge, dann hätten sie sich dieser neumodernen Trend einen Weihnachtsbaum im Sanatorium aufzustellen auch nicht angeschlossen – zu mal es eine fixe, eigenartige Idee aus Preußen war, den nun auch die Engländer kopierten – aber ausgerechnet ein gewisser Jude hatte sich leidenschaftlich für den Baum eingesetzt…
„Humbug…“, flüsterte Eugéne und schnalzte mit der Zunge und erregte Carlixtes Aufmerksamkeit wieder, der gerade seine Manschetten schloss. In seiner schwarzen Tracht glich er eher einen russischen Botschafter, als jemand der auf einer Weihnachtsphotographie passte, aber Eugène bezweifelte, dass es der kleinen Göre stören würde. Carlixtes Augenringe sahen tiefer aus als sonst und Eugène überlegte sich ob er ihm Puder empfehlen sollte um die schwarzen Ringe für die Ablichtung zu kaschieren. Aber nein, es war nur eine dumme Farce.
„Solcherlei Humbug hat immer die Tendenz dazu länger zu dauern als man annimmt, Professor. Ich bezweifle daher, dass es uns nur 10 Minuten raubt.“
Eugène verschränkte die Arme und verdrehte noch einmal die Augen, aber anders als Clovis ergab er sich ohne weiteres Murren den Launen Haydées; umso schneller sie begannen, umso schneller hatten sie es hinter sich.
Im ehemaligen Salon, welches nun das Wartezimmer des Sanatoriums war, stand der große Baum, geschmückt mit goldenen und roten Kugeln aus Glas, welche Reitzel gestiftet hatte. Sie waren in Sankt Petersburg angefertigt worden, hatte er erzählt, als er vor einigen Tagen zusammen mit seinen geliebten Patienten – und Nocturn – den Baum geschmückt hatte. Sie waren bereits im Oktober geliefert worden und hatten nur auf den Baum gewartet um nun zusammen mit den Lichtern zu erstrahlen – 24 Kerzen, die Nocturn stolz mit einem langen Streichholz entzündete, dabei beobachtet von Reitzel und Clovis, der eine lächelnd, der andere… versuchte nicht zu lange Nocturns strahlende Begeisterung zu beobachtend.
„Wo bleibt denn Blue!?“ Haydée rutschte auf dem Sofa hin und her, welches Nocturn schon eigens für die Photographie hin die Mitte des Raumes geschoben hatte, damit sie darauf Platz nehmen konnten; eigentlich warteten darauf die Angehörigen, jetzt war es Haydée die das Warten nicht aushalten konnte. Ungehörig wie immer saß sie mit den Knien auf es, umgekehrt über die Lehne zu Nocturn, Reitzel und Clovis sehend und dabei Knittern in ihrem rosanen Kleid machend, wenn sie hin und her rutschte – dabei war sie so stolz darauf es heute zu tragen.
„Aber Green, er hat doch noch Visite“, versuchte Reitzel sie mit einem lächeln zu beschwichtigen, aber Clovis machte seine Bemühungen schnell zunichte:
„Einige müssen nämlich arbeiten.“ Sein Tonfall verriet deutlich, dass er nach wie vor noch nicht von irgendeiner Begeisterung oder Weihnachtsvorfreude gepackt worden war und auch Green blieb sie nicht unbemerkt.
„Wenn du weiterhin so ein Miesepeter bist, darfst du nicht auf mein Bild mit drauf!“
„Oh! Wenn das so ist, dann werde ich mir Mühe geben besonders unerfreu…“ Haydée ignorierte Clovis‘ Worte.
„Dann darfst du aber nicht neben Nocturn sitzen und das willst du doch!“ Ertappt errötete Clovis und es wurde nicht besser dadurch, dass Nocturn auch noch zu kichern anfing.
„W-Was reden Sie da, als ob ich… als ob das…“ Nocturn lächelte und grinste weiter und achtete nicht mehr auf seine Kerzenarbeit – aber Reitzel tat es:
„Nocturn, achte auf das Streichholz, die Flamme erreicht gleich deine Finger.“
„Wenn auch nur eine einzige dieser Kerzen Feuer fängt…“ Hizashi betrat den Salon mit verschränkten Armen, aber einem eisigen Lächeln, als wolle er die Kerzen mit seinem Lächeln zum Erlöschen bringen:
„… oder gar einer unserer Patienten, dann weiß ich wen ich dafür zur Verantwortung ziehe.“ Sein Lächeln und seine Augen durchbohrten Reitzel und sein Lächeln schmolz dahin. Schnell zog er auch seine Hand von Nocturns Schulter und auch Nocturn hörte auf zu Lachen oder zu Lächeln. Es war sofort kälter geworden, als die beiden Direktoren den Wartesaal betraten – selbst der Tannenbaum hatte seinen Zauber eingebüßt.
„Selbstverständlich. Jeder ist sich bewusst, dass Feuer Gefahr birgt.“ Eugènes Augenbrauen hoben sich spottend und er zeigte ganz unverhüllt mit seinen kalten Augen auf Haydée, ehe seine stechenden Augen sich wieder Reitzel widmeten:
„Ach wirklich? Jeder?“ Haydée verstand den Seitenwink, aber sie tat nichts außer ihre Schultern nach oben zu ziehen, als würde ein Teil von ihr sich gerne hinter der Sofalehne verstecken, während ein anderer Teil von ihr Eugenés Blick trotzte.
„Einige unserer lieben Patienten scheinen mir doch eine gewisse Affinität zum Feuer zu haben…“ Er kicherte, als wäre Haydées sich widersprechende Körpersprache ein Lob für ihn.
„Nun, hoffen wir, dass der Baum den morgigen Tag erlebt. Es wäre doch schade…“ Eugéne schüttelte mit einem gewissen Ekel den Kopf.
„… um den Baum.“ Niemand sagte etwas. Nocturn entzündete weiter die Kerzen, nun aber ohne Begeisterung, ohne Lächeln, was Clovis sehr bedauerlich fand, der Eugène am liebsten an die Wand geworfen hätte. Konnte er denn nicht einmal zu Weihnahten ein wenig Herzlichkeit aufbringen… Reitzel biss sich auf die Lippen und überlegte ob er etwas sagen sollte. Wenn nicht so viele im Raum wären… Carlixte… dann hätte er es womöglich getan. Stattdessen wandte er sich wieder den Kerzen zu und zeigte Nocturn eine niedrighängende Kerze, die er dank seiner Höhe übersehen hatte – und genau in diesem Moment öffnete sich die Doppeltür des ehemaligen Salons und Karsgaard kam wortwörtlich hineingeschneit.
Alle Augen wandten sich verwundert, überrascht und absolut monoton auf Karsgaard, der in einem schwarzen Mantel mit üppigen Fellkragen gehüllt in der Tür stand und von dessen Haar Schnee herunter tropfte – Clovis war der erste der reagierte, denn sein Mund öffnete sich leicht, als er Karsgaard sah und den Schnee beobachtete, der wie eine glitzernde Träne an Karsgaards Schläfe herunterlief. Er sah durchgepustet aus vom Wetter, aber auf eine eigenartig… attraktive weiße kleidete es ihn genauso gut wie sein dunkelblauer Anzug, der unter dem Mantel hervorlugte.
„Gud, mit welch eisiger Grabesstimmung werde ich denn hier begrüßt!“ Und dann legte er seine Augen nicht zuerst auf Clovis – obwohl dieser es gehofft hatte – sondern auch den Weihnachtsbaum hinter ihm.
„Und was ist das?“
„Sie sind zwei Tage zu früh, Monsieur Karsgaard“, erwiderte Carlixte und war damit der erste, der sein Wort an Karsgaard richtete, doch sobald Eugène Carlixtes Worte gehört hatte, löste auch er sich von seiner Überraschung, als müssten die Worte der Direktoren in Unison erklingen.
„Wie haben Sie es durch den Schneesturm hierhergeschafft?“
„“Schneesturm“?“ Karsgaard entledigte sich seinen Mantel und schien kurz verwundert darüber zu sein, dass kein Personal zugegen war um ihn seine Kleidung abzunehmen – es war immerhin gut ein Jahr her, dass er im Sanatorium gewesen war.
„Das nennt ihr Franzosen einen Schneesturm? In Norwegen würden wir es nicht einmal ein Schneetreiben nennen.“ Ein süffisantes Grinsen begleitete seine Worte, während er in die Runde sah – von Haydée zu Reitzel, der ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck grüßend zunickte, was Karsgaard aber nicht erwiderte, zu Nocturn, der ihn anlächelte, zu Clovis, der sich abwandte – und dann wieder zu Carlixte, der ihn als einziger absolut ohne jegliche Regung ansah, während Eugénes Lächeln verschwunden war.
„Und ja, ich bin zu früh, Direktor. Ich wollte diese fröhliche Weihnachtsrunde doch nicht verpassen!“
Forsetzung folgt~!
“Eine Weihnachtsphotographie?!” Clovis war entrüstet; sein Gesicht war ganz rot vor Erregung, als Nocturn ihn diese Botschaft, nein, die Aufforderung überbrachte.
“Wozu das? Die Lichtbilder sind für die Patienten. Um deren Gesichter festzuhalten. Warum sollen wir...” Mit besorgtem Gesichtsausdruck beobachtete Nocturn wie Clovis sich umsah, als wäre er verfolgt. Er sah aus, als ängstigte der Gedanke ihn…? Aber wieso? Es war doch nur eine Photographie. Nur ein einziges Mal war eine Photographie von Nocturn gemacht worden – vor zwei Jahren auf der Treppe, zusammen mit allen anderen Mitgliedern des Personals – und das hatte doch… nicht wehgetan?
„…und dazu noch zu Weihnachten? Hübsch machen sollen wir uns? Wieso!?” Mit nervösen Bewegungen schob er sich seine schwarzen Haare hinter seine Ohren, nur um sie dann sofort wieder nach vorne zu ziehen. Ob Nocturn ihn eine Bürste reichen sollte?
“Weil Green es so möchte!”
“”Weil Green es so möchte”!? Das ungezogene Gör regiert das gesamte Sanatorium!” Das würde Nocturn nun definitiv so nicht sagen und nach wie vor verstand er nicht warum Clovis so ein Problem mit dem Lichtbild hatte.
„Ich werde mich nicht abblichten lassen. Ohnehin gibt es keinerlei Grund dafür, warum ich es tun sollte. Ich bin weder Patient, noch Mitglied des Personals, noch…“
„Sie will ein Bild mit ihrer Sanatoriums-familienmitgliedern sagt sie.“ Clovis starrte Nocturn einen Moment entrüstet an:
„Aber das bin ich erst recht nicht! Gott, dieses Kind! Sie ist doch wirklich…“ Er bremste sich selbst, was auch gut so war, denn Nocturn verengte bereits die Augen.
„Wer soll noch bei diesem Spiel mitmachen?“ Nocturn begann aufzuzählen:
„Gary…“
„Ohja, das war natürlich klar. Warum lässt sie sich nicht alleine mit ihrem Liebhaber ablichten?!“ Nocturn warf ihm einen tadelnden Blick zu, den wohl nur Clovis jemals von ihm gesehen hatte und fuhr fort ohne es weiter zu kommentieren:
„Reitzel natürlich.“
„Natürlich…“ Der Gedanke stimmte Clovis ein wenig ruhiger; Reitzel war es sicherlich auch gewohnt abgelichtet zu werden…
„Die Direktoren.“
„Was, wieso die denn?“
„Das Bild soll ihr Großvater bekommen. Als Weihnachtsgeschenk, sagte sie.“
„Und er will sich Carlixtes starres Gesicht in den Salon hängen?!“
„Er soll sehen, dass alles in Ordnung ist, denke ich.“ Nun war es Clovis, der die Augen verengte – dadurch sah er wohl eher, dass absolut nichts in Ordnung war. Vielleicht wollte sie ja auch gerade das bewirken… aber das traute er ihr nicht zu.
„Und das sieht er durch ein Lichtbild…? Zuut alors, was für eine Farce…“ Nocturn wollte Clovis gerade auf das Fluchen hinweisen, da bemerkte der aufgeregte Adelssohn etwas: „Und Doktor Aores?! Was ist mit ihm?!“
„Er hat sich geweigert.“
„Was?! Warum darf er sich weigern und ich…“ Nocturn sah Clovis nun direkt an; sah ihn direkt in die Augen und etwas in seinen Blick sorgte dafür, dass Clovis sofort seine Lippen schloss, obwohl sein Blick weder tadelnd noch streng war. Was war es das…
„Sie hat ausdrücklich darum gebeten, dass wir auf der Photografie zu sehen sein sollen. Wir sollen nebeneinander sitzen.“ Nocturn blinzelte. Clovis starrte ihn immer noch an. Stellte sich vor neben ihn zu sitzen auf einem Sofa. Stellte sich das vor und bekam Herzklopfen.
„Das dürfen wir doch, oder?“
„J-Ja, warum sollten wir…“ Clovis musste schlucken.
„… das denn nicht…“ Nocturn schloss den Deckel seines geliebten Flügels und lächelte erfreut:
„Gut! Ich glaube der Abblichter ist bereits da, also sollten wir uns festlich anziehen! Ich habe an eine rote Schleife gedacht, weil… es ja zu Weihnachten passt.“ Nocturn blinzelte zu ihm empor.
„Denkst du es würde mir stehen? Ich trage ja ansonsten immer schwarz…“ Warum in Gottes Namen sorgte eine rote Schleife dazu, dass Clovis sein Herz rasen spürte? Warum war sein Hals trocken und warum konnte er ihn nicht sofort antworten?
„Rot ist… eine gute Idee.“ Er schluckte.
„Es passt zu Weihnachten.“ Nocturn wollte schon antworten, wollte schon lächeln, aber da drehte Clovis sich eilig herum und beeilte sich das Auditorium zu verlassen, ehe sein Herz zu laut schlug – so laut, dass es noch jeder hörte!
Nocturn sah ihn dennoch lächelnd hinterher – und kicherte sogar ein wenig, stolz auf sich. Er freut sich auf seine rote Schleife!
II
Nicht nur Clovis wollte sich nicht ablichten lassen, sondern auch Eugène nicht [...]
Fortsetzung folgt~!
Jeanette Winterson, Why Be Happy When You Could Be Normal?
[Celestial Correspondence]
gbvpg さん
Beloved Addiction
The Red Spider Lilly, called Higanbana in Japan, blooms in autumn, at places where the dead rests. Its a flower for the innocent, the pure ones. Its beautiful petals are a sign of longing. Of lost memories and the wish to go back in time.
The Higanbana is celebrated and cared for because of their beauty.
But they are poisonous as they contain alkaloid, which can cause vomiting, abdominal pain, depression... and even lead to death.
What a fitting flower for you, isn’t that right, Reitzellein...?