Ewigkeitssonntag 2020
manchmal trĂ€ume ich von einer Welt wo Leiden und Schmerz Sinn machen, wo Trennung und TrĂ€nen Anfang von Neuem sind, einer Welt, in welcher die Angst vor dem Tod durch die Gewissheit der Liebe aufgefangen wird. Ein neuer Himmel und eine neue Erde, Gott, der mitten unter den Menschen wohnt â mit den schönsten Bildern beschreibt die Bibel das Ende der Zeit.Â
manchmal trĂ€ume ich, so glaube ich und wer glaubt, wird selig, glĂŒcklich.
Glaube und TrĂ€ume haben verĂ€ndernde Kraft. Sie schenken uns FlĂŒgelschenken uns KraftHoffnung darauf, dass Gott wahr macht, was er verspricht â auch gegen das Leid und den Tod â gedenken wir unserer Verstorbenen des letzten Jahres.
Ich lade sie ein, aufzustehen, wenn sie das vermögen, um die Namen der Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres zu hören und wĂŒrdigen.
Jeder, jede darf eine Kerze AnzĂŒnden. WĂ€hrend der Bewegung, ein Zwischenspiel.Â
Namen der verstorbenen
Bitte aufpassen, dass das Zwischenspiel aufhört, wenn die letzte Person sich wieder setzt.
Gott, schenke den Toten Frieden und den Lebendigen Gnade.
Ich lade sie ein, mit mir aus den Psalmen ein Wechselgebet zu sprechen
1Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.Woher kommt mir Hilfe? 2Meine Hilfe kommt vom Herrn,der Himmel und Erde gemacht hat. 3Er wird deinen FuĂ nicht gleiten lassen,und der dich behĂŒtet, schlĂ€ft nicht. 4Siehe, der HĂŒter IsraelsschlĂ€ft noch schlummert nicht. 5Der Herr behĂŒtet dich;der Herr ist dein Schatten ĂŒber deiner rechten Hand, 6dass dich des Tages die Sonne nicht stechenoch der Mond des Nachts. 7Der Herr behĂŒte dich vor allem Ăbel,er behĂŒte deine Seele. 8Der Herr behĂŒte deinen Ausgang und Eingangvon nun an bis in Ewigkeit! -Ps 121
Wir schauen nach dem Leben, gerade wenn Tod und Trauer uns drĂŒcken. Zu dir wenden wir uns, Gott, und rufen, laut oder leise:
Herr, erbarme dich.
Wie viel Traurigkeit ist da, wenn wir an unsere Verstorbenen denken, viele trĂ€nen, viele zerstörte Hoffnungen. Fragen, die keiner beantworten kann, und lei, das die KrĂ€fte lĂ€hmt. Und daneben Dankbarkeit fĂŒr gemeinsames Erlebtes, fĂŒr empfangene Lieben und fĂŒr glĂŒckliche Tage. Manchmal auch Erleichterung nach ĂŒberstandene Qualen. Wir rufen:
Herr, erbarme dich.
Komm, Geist des Lebens, guter Gott, tröste die Trauernde, stĂ€rke alle, die wieder Fuss fassen wollen im Leben. Mitten im Leben spĂŒren wir den Tod: wenn wir enttĂ€uscht aneinander vorbei leben, wenn wir verletzt sind und Versöhnung nicht gelingt, wenn Lieblosigkeit, Hass oder Vergeltung uns beherrschen. Wir rufen:
Herr, erbarme dich.
Leben und Tod gehören zusammen, mitten im Leben ist der Tod und das Leben strebt auf mit jedem der Stirbt. In unserer Taufe, die auch Wiedergeburt genannt wird, ist es das Wasser, das Leben und Todbringende Element, das an dies erinnert. Deshalb ist es angemessen, am Totensonntag auch die erinnern, die im letzten Jahr getauft wurden. Erinnern wir uns an unsere Taufe, an Gottes Barmherzigkeit, der uns nie und nimmer fallen lÀsst:
(Namen der Getauften des Jahres)
Gebet
Komm, Christus, Herr des Lebens, guter Gott, wecke in uns die Liebe und gib Mut zur Versöhnung. Mache unsere Herzen warm und unsere HÀnde weich, dass wir einander in die Arme passen. Schenke uns einen offenen Verstand und klare Sicht, dass wir deine Worte zu verstehen.
Lesung Matt. 5 (Seligpreisungen)
1Als Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine JĂŒngerInnen traten zu ihm. 2Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 3Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 4Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5Selig sind die SanftmĂŒtigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 6Selig sind, die da hungert und dĂŒrstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 7Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 8Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heiĂen. 10Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 11Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmĂ€hen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lĂŒgen. 12Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Gedanken Gerhard
Wir sind selig, wenn unsere Seele wirklich Platz genommen hat in all unsern Körpern und vor allem auch in unserem physischen Körper. Das spĂŒren wir. Wir werden ruhig. Wir beginnen, alles, was wir tun zu verantworten. Wir entdecken, dass wir viele Möglichkeiten haben und entscheiden können. Wir prĂŒfen und schĂ€tzen ein, was geschieht, bevor wir handeln. Wir fĂŒhlen und erspĂŒren, ob wir da ganz mitmachen können. Wir merken, was fĂŒr uns stimmig wird.
Wenn nun Jesus, der Sohn Gottes, fĂŒr uns auf den Berg steigt, dann hĂ€lt er Ăbersicht: Er sieht alle Nöte in unsrer grossen Menschheitsfamilie und zeigt uns auf:
- es geht nicht darum, alles zu verstehen⊠das Himmelreich ist  x Stufen weiter. Und wir erleben oftmals im Kontakt mit geistig/geistlich Armen, dass sie ihm nÀher sind.
- Und wer Leid erfĂ€hrt, der wird getröstet. So wird das Leid fĂŒr ihn endend.
- weiter sind es nicht diejenigen, die HartmĂŒtig sind, die auf Erden wirklich reich werden.
-entscheidend wird das reine Herz. Jene, die es sauber gefegt bekommen, die werden hellsichtig, heil - und sie beginnen, alles im richtigen Licht zu sehenâŠ
- wer sich ĂŒbt, Frieden zu stiften, der erkennt die Wichtigkeit des Dienens. Er erlebt auch, wie herrlich es sein kann, Kind Gottes zu werden. Sein individuelles Leben und Erleben beginnt dann, die Stufen zu erkennen, die uns weit machen. Â - Ein heranwachsendes MĂ€dchen sagt zu seinem Vater liebevoll. "Du brauchst gar nicht mehr so herumzubrĂŒllen. Du bist ja der Friedensforscher." Das geht tief.
Lasst uns alle Friedensforscher in der grossen Menschenfamilie werden, so wie auch Daniele Ganser uns davon erzĂ€hlt. Da haben alle Platz, da gehören alle dazu. Â
ja, mit unserm Leben danken wir Jesu, dass wir mit ihm auf dem Weg sein dĂŒrfen.
Stille - Improvisation
Andacht Carlos
Wenn die Welt in der wir leben einfÀllt, ist Zeit zu beten. Wenn die Welt in der wir leben, die beste aller Welten ist, ist Zeit zu beten. Wenn die Welt, diese Welt alles ist, was ist, ist Zeit zu beten. Wenn die Welt, diese Welt ein winziger Teil von Gottes Welt ist, ist Zeit zu beten. Wenn Welt uns Angst macht, ist Zeit zu beten. Wenn unsere Welt uns mit Liebe umarmt, ist Zeit zu beten. Wenn die Welt uns einengt und gefangen hÀlt, ist Zeit zu beten. Wenn die Welt uns auf breiten Boden stellt, sich alles öffnet und die Sicht rundum bis zum Horizont langt, ist Zeit zu beten.
Vor einigen Jahren wurde die Statue eines kleinen MĂ€dchens vor das Symbol der Macht gestellt, einem wĂŒtenden Stier vor der Börse in Wall Street in NYC. Der Stier, das Wappentier der Börsianer und Inbegriff des Investors der steigende Aktien kauft. Die Bronzestatue des Bullen, bereit zum Angriff stand schon da. Da wurde das MĂ€dchen, klein, trotzig, mutig hingestellt. Sie durfte einige Zeit dem Bullen Parole bieten, bevor sie woanders hingestellt wurde.Ihr ist bis Heute der Mut nicht ausgegangen. Sie trotzt weiter. Sie bleibt aufrichtig stehen. Aber den Börsianern war sie ein Dorn im Auge, und so musste sie gehen, wie so viele angesichts der MĂ€chte, der Wirtschaft und des Mammons. Sie steht heute mutig wie je an einer anderen Anstalt des Geldes und trotzt.Ich werde heute keine politische Predigt predigen, den Teil haben wir schon verschmerzt. Ich möchte heute fragen - und versuchen zu Antworten, woher dem MĂ€dchen - und uns die Kraft kommt, angesichts der Kraft des Grossen, Schweren, MĂ€chtigen, dem Tod, der Trauer, der Armut, der Angst, dem Schmerz, der Schwermut, der Mutlosigkeit, der Un-Freude, all dem was und wer uns klein machen und halten möchte, stand zu halten und ihnen die Stirn zu bieten. Wir haben es im Wechselgebet schon angesprochen:Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Wie zapfen wir diese Kraft, diese Hilfe an? Das ist die Frage heute. Wie setzen wir sie fĂŒr uns ein, das ist die andere Frage.Schauen wir uns zuerst das bronzene MĂ€dchen an, wie es steht. Beine gespreizt, die Knie leicht geknickt. HĂ€nde zur Faust gemacht, auf den HĂŒften. RĂŒcken gerade, Becken etwas nach vorne, Kopf leicht nach oben und zurĂŒck. Auge etwas ĂŒber den Kopf des Stiers. Das ist die Figur einer Superheldin, eines Superman, einer Wonderwoman. FĂŒnf Minuten lang so stehen, jeden Tag, und wir geben unsere innere KrĂ€fte einen Schubser, versetzen uns in die Lage, ĂŒber unseren Problemen zu schweben und unserer Mutlosigkeit zu entkommen. Vielleicht nicht völlig, aber jedenfalls so, dass wir etwas RĂŒckenwind machen, uns zugute.
Ich hebe meine Augen auf ...
Berge haben wir in genĂŒge. Sie können uns einengen, wir können sie bezwingen. Zu Fuss, mit Skiern, mit dem Velo oder mit dem Lift. Einmal oben sieht die Welt anders aus. Schon bei 2000 m Höhe haben wir das GefĂŒhl, die Welt liegt zu unseren FĂŒssen. Schon bei rund 1000 m haben wir den Blick auf fĂŒnf LĂ€nder. Und wenn es nicht gerade neblig ist, geniessen wir den Schwung der uns die Aussicht gibt.
Mitten in der Trauer, ist es schwer, die Augen hochzuheben. In einer Saga wird von einem Recken erzĂ€hlt, der seine Söhne verlor. Obwohl er unzĂ€hligen Leid angetan hatte in seinem Leben und der Tod ihm kein Fremdwort war, kam er mit der eigenen Trauer nicht zurecht. Er schloss sich in seinem Schlafzimmer ein und verkam langsam. Seine Tochter, eine erwachsene und weise Frau kam zu ihm, wo er im Bett lag und setzte sich zu ihm. Sie hatte etwas Molke dabei und fing an davon zu essen. Schliesslich konnte der altgewordene Vater dem nicht widerstehen und ass. Als er zu seinen KrĂ€ften fand, dichtete er eines der schönsten Gedichte die es in den Sagas gibt: Sonartorrek - der Verlust der Söhne. Egill Skallagrimsson fand Worte um seiner Trauer eine Bahn zu brechen und ihr den Weg zu ebnen, und sich zurĂŒckzufinden in die Welt der Menschen, die zwar nicht heil war oder ist, aber wo er weiterleben konnte.
Ich hebe meine Augen auf ... damit schreite ich den ersten Schritt. Dann ist es Zeit zum beten.Irmgard Spiecker, MusikpÀdagogin, Komponistin und Textschöpferin fand in diesen Worten das Zeug um mit der hÀrte dieser Welt umzugehen:
Gib uns Weisheit, gib uns Mut fuÌr die AÌngste, fuÌr die Sorgen, fuÌr das Leben heut und morgen. Gib uns Weisheit, gib uns Mut!
Gib uns Weisheit, gib uns Mut, fuÌr die Wahrheit einzustehen und die Not um uns zu sehen. Gib uns Weisheit, gib uns Mut!
Gib uns Weisheit, gib uns Mut fuÌr die Zeit, in der wir leben, fuÌr die Liebe, die wir geben. Gib uns Weisheit, gib uns Mut!
Gib uns Weisheit, gib uns Mut fuÌr die vielen kleinen Schritte. Gott, bleib du in unserer Mitte. Gib uns Weisheit, gib uns Mut!
Die Worte wurden fĂŒr den Weltgebetstag 1970 komponiert. Dieser fand damals unter dem Motto «Mut zum Leben» statt und wurde von Gruppen aus verschiedenen LaÌndern gestaltet. Ausserdem spielte das Lied eine wichtige rolle in den Friedensgebeten, die vor 1989 in der DDR die Wende herbeigefuÌhrt haben. MaÌnner und Frauen bezeugten offen ihre SolidaritaÌt und sangen sich beim Gebet gegenseitig Mut zu.
Genau da sind wir mitten im Herzen des Gebetes angekommen. Wir heben unseren Blick zu den Bergen, stellen uns offen und zentriert, mit sicheren FĂŒssen auf den Boden und lassen Gott auf uns wirken. Wir atmen den Mut ein und werden Weise, beides Gottes Geschenke um uns standhaft zu machen. Um uns zu Trösten. Um uns zu bereichern. Um uns zu Menschen des Friedens zu machen. Um uns seine Welt zu schenken, die auch den Brand dieser ĂŒberstehen wird. Amen.










