Mit der Überfahrt durch das Gebirge der Western Gaths ging es weiter bergab über einen steilen Pass gen Westen bis wir Madurai erreichten. Die Western Ghats gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und zählen weltweit zu der Region mit der größten Biodiversität. Neben vielen Naturschutzgebieten und Wandermöglichkeiten liegen hier auch die Gewürz-, Kaffee- und Teeplantagen.
Kurz vor der Stadt wollte mein "professioneller" Fahrer plötzlich, dass ich ihn mit Google Maps navigiere, wobei er dann später meine Anweisungen ignorierte und er direkt in einen Verkehrskollaps fuhr. Naja, irgendwie kamen wir dann doch durch die verstopfte Straße mit hunderten anderen Fahrzeugen plus Gegenverkehr und ich wurde am Hotel entlassen.
Madurai ist eine Pilger-, Kultur- und Tempelstadt und wurde von mir extra ausgewählt, um besucht zu werden. Die Millionenstadt liegt im Bundesstaat Tamil Nadu (72 Millionen Einwohner) und ist ein Educational Hub für industrielle und landwirtschaftliche Technologie.
Zudem zählt sie zu den ältesten Städten Südasiens, seine Geschichte reicht mehr als 2.000 Jahre zurück. Schon um 300 v. Chr. berichtete der griechische Botschafter (!) und Reisende Megasthenes vom Reichtum der Stadt, in der zu jener Zeit die Pandyas, eine der ältesten bekannten südindischen Dynastien, herrschten. Schon damals war Madurai ein Zentrum tamilischer Kultur. Eng verknüpft damit waren die legendären Sangams oder Dichterakademien.
Für die Besichtigung des Königspalastes und der großen Tempelanlage Meenakshi-Sundareshvara mit seinen 12 Gopurams (Tortürme) wurde mir ein Guide organisiert und pünktlich 15 Uhr holte er mich mit Motorrad ab. Die Fahrt bei ihm war dann gleich noch eine weitere intensive Verkehrserfahrung mit nur minimalen brenzlichen Situationen. 😅
Die außergewöhnliche in den himmelragende Architektur, die Lebendigkeit der Rituale und nicht zuletzt die vielen interessanten Nebensächlichkeiten, die in und außerhalb der Tempelmauern stattfinden, machen das Heiligtum zu einem äußerst interessanten Ort.
Der Legende nach wurde Madurai einst mit einem Tropfen göttlichen Nektars, der aus Shivas Locken auf die Erde fiel, erschaffen. Daher erhielt die Stadt den Namen Madhupur, ›Stadt des göttlichen Nektars‹. Doch Shivas göttlicher Tropfen berührte nicht unfruchtbaren Boden. Schon lange vor der Popularisierung der Hochgötter des Hinduismus wurden in Südindiens weibliche Gottheiten verehrt. Die hiesige Lokalgottheit trug den Namen Meenakshi (die Fischäugiges) und war mit drei Brüsten ausgestattet. Nach einer Prophezeiung sollte die Überzählige verschwinden, wenn Meenakshi den richtigen Mann träfe. Dies war Shiva als Sundareshvara - der Schöne. Sie heirateten schließlich in Madurai und so verwandelte sich die lokale weibliche Gottheit in die Frau Shivas. Ihre Vereinigung wird jedes Jahr im April/ Mai beim Chithirai-Fest aufs Neue gefeiert. Die Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie volkstümliche religiöse Vorstellungen und lokale Bräuche vereinigt wurden.