Tausche Wickeltasche gegen Coffee-to-go Becher. Oder: Mama sucht Job.
Bewerbungen sind immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Hürden überwinden, den Mut aus der Kiste kramen, über den eigenen Schatten springen. Und Letzterer ist oft überlebensgroß. Und irgendwann, wenn sich der Enthusiasmus doch meldet, läuft es an. Schließlich hat man einiges an Berufserfahrungen vorzuweisen, einen verblüffenden Abschluss oder einfach den verlockendsten Charme überhaupt. Du bist entschlossen. Doch das Leben verläuft nicht immer nach Plan und manchmal sieht man sich ganz ungeahnten Herausforderungen gegenübergestellt: Sich als Mutter bewerben. Was jetzt umspektakulär klingt, ist in unserer Mitte ein zu leise ins Ohr geflüstertes Thema. Wer nach der Elternzeit wieder in seinen alten Job zurückkehrt, in Teilzeit, findet sich nicht selten in einer völlig neuen oder neu geschaffenen Position wieder. Manchmal ist es unfair, manchmal wird es hingenommen, andere wiederum sind dankbar. Wie dem auch sei, wer bis zu diesem Punk kommt, der kann von Glück sprechen. Es gibt da nämlich noch die Sonderfälle wie mich. Die, die nicht zurück in den alten Job können. A) Weil die Stellen gestrichen wurden oder B.) Die Mütter die nach Bekanntgabe der Schwangerschaft den Vertrag nicht verlängert bekommen. All das ist Alltag.
Da stehst du nun. Wischt den Staub von deiner letzen Bewerbungsmappe und fängst komplett neu an. So erging es mir. An dieser Stelle möchte ich euch einige Tipps zu Mami-Bewerbungen geben die bisher auf positive Resonanz gestoßen sind. Denn JA, Mami-Bewerbungen unterscheiden sich von anderen.
TIPP 1: Den Schlepptau nicht verstecken
Seien wir ehrlich. Mit Kind im “Schlepptau” begegnen uns im Job viele Vorurteile. Die Kinder sind ständig krank, du bist nicht flexibel genug, immer übermüdet. Es bleibt uns nichts anderes übrig als den “Schlepptau” ordentlich aufzumotzen. Nicht alles schwarzzusehen. Mit dem Beispiel dieser Münchner Agentur gehe ich voran. In der Stellenanzeige wurde damals explizit eine „Mama“ gesucht. Mit dieser Aktion wollte der Agenturchef unter anderem darauf Aufmerksam machen, dass viele Mütter Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden. Warum er explizit Mütter gesucht hat?
Mütter haben Power
Leisten Großartiges
Haben scheinbar acht Arme
Viel Ausdauer
Sind hervorragend organisiert
Recht hat er! Leg dein Selbstvertrauen ruhig auf den Tisch. Denn auch bei hysterisch piepsende Kunden oder einem straffen Terminplan behältst du einen kühlen Kopf.
TIPP 2: NICHT IM ERNST
Mit einem gesunden Gefühl von Ich habe nichts zu verlieren tänzelst du locker über dem Boden der Tatsachen. Denke erst einmal nicht an Daten und Fakten. Nimm dir ein Blatt Papier und schreib dir alles von der Seele. Wie ausgefallen es auch sein mag. Notiere dir Stichpunkte. Was macht deinen Alltag aus? Wo möchtest du Veränderung und was tust du momentan dafür?
TIPP 3: JETZT WIRD ES AUSFALLEND
Es gibt Branchen, die weitaus aufgeschlossener für ausgefallene Bewerbungen sind als andere. Als Grafikdesignerin habe ich deutlich mehr Freiheiten als ein Banker. Aber auch Banker freuen sich über eine erfrischende Herangehensweise in puncto Bewerbungen. Die gesunde Mischung macht den Erfolg. Denn was im Endeffekt zählt ist Authentizität: Deine Qualifikationen, Erfahrungen und die Person dahinter. Das alles muss stimmig sein.
Wir schreiben also kein Bewerbung. Es wird ein Roman. Es wird ein Poster. Es wird so phänomenal, dass du dir den Text einrahmen möchtest. Ja, so gehen wir die Sache an. Vergiss das Hiermit bewerbe ich mich um...und Meine Stärken sind…Geplänkel. Überlege dir einen Aufhänger, einen Titel der es in sich hat. Im besten Fall sollte er kurz und knackig deine Ist-Situation beschreiben und Spannung erzeugen. Bei mir war es also Tausche Wickeltasche gegen Coffee-to-go Becher. Denn so war es im Endeffekt auch. Ich wollte wieder zurück in den Job, aber ohne zu verbergen was alles in meinem Anhang ist. Stattdessen nehme ich es mit Humor. Und das meinte ich mit einem gesunden Gefühl von Ich habe nichts zu verlieren. Es hat mir geholfen selbstbewusst nach vorne zu schreiten. Weiter zu gehen als ich es für möglich hielt. Und ab da sprudelten die Sätze nur so aus mir raus. Der Knoten war gelöst. Mit diesem Aufhänger hatte ich plötzlich jede noch so erdenkliche Freiheit. Es war mein persönlicher Superhelden-Cape.
Da trimmst du deinen Lebenslauf nahezu zur Perfektion und sägst hier und da die Ecken und Kanten weg. Großspurige Abteilungsleiter löchern dich mit sinnlosen Fragen, darüber welche Marken Zukunft haben und welche nicht, als hofften sie auf den Vorstellungsgespräch-Urknall. Müde vom immer wiederkehrenden Schauspiel ziehst du die Nummer durch. Dein perfektes Lächeln hält den Erwartungen stand, manchmal auch nicht. Jahre später erkennst du dann, dass es darauf nicht an kommt.
Es ist unser unstillbarer Wunsch stets glücklich sein zu wollen. Ein weites Feld, schließlich lässt sich auch Glück nicht so leicht in eine Schublade stecken. Und die Welt da draussen kann diesen Wunsch unschlagbar gut zu verkaufen. Wir lassen uns all zu leicht von ihrem Versprechen nach Glück einlullen. Kaufen, Klicken, Hashtaggen uns unseren Weg durch den Alltag. Doch bedeutet glücklich zu sein nicht vor allem, die die dir am Herzen liegen glücklich zu sehen? Und manchmal geht es sogar darüber hinaus. Wenn dich das seltene aber feine Gefühl überkommt die gesamte Welt umarmen zu können. Dein familiären Kreis nimmt plötzlich ungeahnte Dimensionen an und alles fühlt sich richtig an, groß und bedeutend. Ein Befreiungsmoment.
Es geht um die Vorstellung, das du die Dinge die du tust deshalb tust, um andere damit Glücklich zu machen. Du befreist dich vom Zwang deine Erfüllung zu finden, den einen richtigen Weg. Du tust die Dinge zunächst weil du sie gerne tust und um andere damit zu bereichern. Ist das schon Karma?
2. Auf dem Weg das zu finden was dich glücklich macht, überlege dir womit du andere glücklich machen kannst.
Wir schlittern durch den Tag, haben Muscheln in der Hosentasche und Sand unter den Füßen. Wir warten sehnsüchtig auf diese Zeit im Jahr. Urlaub. Am Meer, in den Bergen, auf dem Bauernhof. Wir sind mutiger, freier, romantischer und stürmisch wie das Meer vor unseren Füßen.
Zurück im Alltag, was bleibt uns davon übrig? Wäre es nicht schön uns diese Leichtigkeit und Euphorie zu bewahren? Klar. Im Urlaub vergessen wir den Alltagstrubel, lassen Hausarbeiten links liegen, haben mehr Zeit für den Partner, die Familie. Man ist nicht mehr alleiniger Familienmanager, teilt sich die Aufgaben rund um die Kinder. Alleine das bringt Mamas Herz schon zum hüpfen. Sich die neue, lieb gewonnene Motivation auch daheim zu bewahren: Mein neues großes Ziel also. Es funktioniert gut, das Wetter spielt mit. Jeden Abend auf der Decke im Park, lange Runden um den Stadtweiher, Schwäne beobachten und neue Restaurants (mit Kind) ausprobieren. Machen wir ja sonst nie. Und siehe da, der Schwung bleibt.
Doch in den dunklen, verwegenen Ecken unserer Wohnung rumort es schon kräftig. Wie ein leises knurren eines hungrigen Katers fängt es an. Der Staub sammelt sich unter dem Bett zu einer Großdemo zusammen: Feg mich auf! Feg mich auch! Die Wäscheberge türmen sich zu neuem Höchstmaß auf. Ich vermisse meine Lieblingshose die ganz unten liegt und befürchte sie nie wieder gerade bügeln zu können. Ok, die Hausarbeit ganz auf Eis legen bringt uns nur kurzfristig weiter. Die Rache kommt dann großspurig. Also muss ein neuer Plan her.
Uns die Hausarbeit einzuteilen scheint mir so einfach wie unmöglich naheliegend zu sein. Mein Mann macht zur Abwechslung die Wäsche und vor allem: Ich lasse ihn die Wasche machen. Vielleicht schließe ich vorher eine Versicherung ab oder akzeptiere die 1011 Nachfragen, bei wie viel Grad die Socken gewaschen werden. Es geht ungefähr eine Woche alles gut. Und dann kommt er. Der schleichende Alltag, hinterhältig aus dem Dunkel. Die anfänglich abendfüllenden Events schrumpfen auf bequeme Netflix-Couch-Abende. Die Wäscheberge wachsen wieder. Beim Job häufen sich die Überstunden. Kurzum: Wir sind wieder im Alltag und fühlen uns Urlaubsreif. Das ging ja schneller als gedacht.
Was ist es also, was in uns die Sehnsucht nach der Ferne heraufbeschwört? Sind wir von Natur aus Wanderer, immer ruhelos und auf der Suche nach dem Unbekannten? Unser Geist möchte frei sein, so auch unser Körper. Wir quälen uns ins Fitness-Center oder machen die zehnte Runde im Park, aber zufrieden stellt es uns nicht. Freunde haben längst nicht mehr so viel Zeit wie früher, es war ja auch alles ein wenig spontaner ohne Kind. Oder waren wir einfach entspannter? Lasst uns den Kopf frei halten von Sorgen, den Kindern geht es gut. Wir tuen alles um ihnen die wundervollste Kindheit zu bereiten. Vergessen wir uns nicht dabei. Die Zeit ist jetzt. Sie ist hier. Und auch wenn ich jetzt nicht an von Pinienbäumen umzäunten Straßen vorbei schlendere, so lerne ich vom kleinen Menschen neben mir eine große Lektion: Betrachte die dir so vertraute Umgebung mit neuen Augen. Vielleicht entdecke ich neue Wege, neue Menschen und habe andere Sichtweisen. Das ist nur ein Vorteil davon, den Tag mit seinem Kind verbringen zu dürfen. Bleib achtsam und betrachte die Welt mal durch andere Augen. Es ist nicht immer einfach und manches Mal hilft ein kleiner Anstupser: Neue Schuhe wirken Wunder. Die neue Frisur, ein Klassiker. Eine außergewöhnliche Lippenstift-Farbe die du sonst nie tragen würdest. Alles kleine Helferlein um sich den Alltag urlaubsfähig zu machen. Der erste Schritt ist gemacht:
Da muss tumblr mir schon damit drohen meinen Usernamen wegen Inaktivität zurück in die digitale Wildnis zu schicken, bis ich endlich zu schreiben beginne. Kickass-tumblr. Immerhin tut sich jetzt etwas. Auch wenn Motivation wohl anders aussieht: Vielleicht bewegt es nun was. In mir. Um mich herum. Stillstand hat sich noch nie so aktuell angefühlt.
Im Hintergrund läuft Ivy Sole - Free fallin´. Die Zimmertür steht offen, das Baby schläft. Ich versuche ein wenig durchzuatmen, klare Gedanken zu fassen und zu mir zu finden. Und überhaupt: Das ist als Neu-Mama das schwierige: Der vermeintliche Verlust der alten Identität. Sich selbst neu zu ordnen. Sich nach den Regeln des neuen Mini-Mitbewohners zu richten. Tag oder Nacht. Let´s start from here.