Ich hasse eure Begleitperson. Aus tiefstem Herzen.
Ich weiss, ich weiss. Tätowiert werden ist total aufregend. Und eine echt große Sache. Vielleicht etwas einmaliges in deinem Leben. Und aufregend. Für dich. Für uns ist das Arbeit. Und Konzentration. Und manchmal anstrengend. Wir haben es in der Regel mit einem Gegenüber zu tun, das aufgeregt ist. Das Angst hat. Das nicht so gut stillhalten kann, während man versucht einen Schriftzug, der fast mit der Lupe gesucht werden muss (‚WAAAAAS? SO GROSS MUSS DER WERDEN?‘), in schön auf das Handgelenk zu zaubern. Und was fehlt uns in dieser Situation? Genau. Eure Begleitung. Die Person, die mir im Idealfall einfach nur im Weg rumsitzt. In meinem Arbeitsbereich. Die Person, die in 99% der Fälle allerdings für meine Ablenkung sorgt. Und zwar von meiner eigentlichen Arbeit. DEINEM Tattoo.
Ich muss die ganze Zeit mit halbem Auge schauen, ob deine Begleitperson nicht nebenbei Sachen anfasst, die nicht angefasst werden sollen. Das weiß dein Begleiter natürlich nicht. Und es tut ihm dann auch immer leid. Kann ja keiner ahnen, dass man mal besser nicht den Abfalleimer anfasst, in den ich die letzten 60 Minuten die mit Blut verschmierten Küchentücher deines Freundes geworfen habe.
Auch mag ich den Begleiter sehr, der sich die ganze Zeit mit dir in einer unglaublichen Lautstärke unterhalten mag (man muss ja gegen den Lärm dieser nervigen Tattoomaschine anreden). Dabei kann man sich so gut konzentrieren. Aber hey, blödelt ihr nur gestenreich rum, auf dass du möglichst nicht still sitzt. Wieso auch? Ich versuche ja auch nur eine gerade Linie auf dir zu ziehen. Kasper du ruhig diese 60 oder 120 oder 200 Minuten mit deinem Freund, den du noch 100 mal in deiner Freizeit treffen kannst rum. Ich soll ja nur in einer begrenzten Zeit etwas machen, was dein komplettes Leben (und damit meist länger als die Freundschaft zu diesem Hornochsen) halten und nach Möglichkeit gut aussehen soll. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass ich diese Begleiter fast noch weniger oft ins Gesicht schlagen mag, als die, die ‚voll Ahnung von Tattoos‘ haben. Die diskutieren dann auch gerne mit mir rum, wieso euer Tattoo ihrer fundierten Meinung nach doch noch etwas kleiner tätowierbar ist. Weil sie mit nem Tätowierer voll dicke sind und schon 3 mal zugesehen haben. Deswegen haben sie nur 300 Euro für ein völlig verkacktes, halbfertiges Backpiece bezahlt. Leider ist Udos Tätowierstube jetzt zu. Oder ihr habt euch gestritten. Deswegen ist es noch nicht fertig und ‚die eine Stelle da wollte er auch noch reparieren‘. Was auch immer. Halt die Fresse. Und hey, es stört mich natürlich auch gar nicht, wenn deine Begleitung die ganze Zeit hinter mir steht, um mir durchgängig auf die Finger zu starren. Wen stört das schon während er arbeitet? Ich bin natürlich auch komplett entspannt mit der Tatsache, dass deine Begleitung nach kurzer Zeit merkt, dass es gar nicht so spektakulär ist dir stundenlang beim tätowieren zu zuschauen und deswegen zwischendrin mal rauchen oder Luft schnappen geht. Was stört es meinen Workflow, wenn ständig die Tür auf und zu gemacht wird und deine Begleitung jedes mal neuen Dreck in meinen Arbeitsraum trägt? Das ist hier ein Tattoostudio, warum sollte das hier also sauber sein? Am liebsten aber habe ich es, wenn deine Begleitung ständig ungefragt Fotos von mir beim arbeiten macht. Ich bin kein Clown. Wir sind hier nicht im Zirkus. Willst du ungefragt und eventuell sogar unbemerkt, weil du dich so auf deine Arbeit fokussierst, fotografiert werden, um dann auch noch auf sozialen Netzwerken der ganzen Welt zugänglich gemacht zu werden? Einen Scheiß will ich das.
Genauso wenig will ich (und der Gesetzgeber), dass bei mir im Arbeitsraum gegessen wird. Und ich habe keine Lust mit dir darüber zu diskutieren wieso weshalb warum das so ist. Mein Laden, meine Regeln.
Tu dir also einfach selbst einen Gefallen: KOMM ALLEINE. Lass dich zu mir bringen. Lass dich abholen. Aber vertrau während des tätowierens einfach auf deinen Geschmack und meine ungestörte Arbeit. Denn ich hasse deine Begleitperson.




















