Das Schachbrett steht wieder. Und in meinem Kopf, versuche ich mein Gegenüber, A., einzuschätzen. Ich versuche die verschiedenen Situationen zu antizipieren, die mir im Verlauf der kommenden Woche widerfahren könnten, widerfahren werden. Ich wünschte ich würde das abschalten können. Das Problem ist, meine eigene Wahrnehmung könnte mir einen Streich spielen, mich Dinge sehen, oder nicht sehen lassen. So gehe ich davon aus, dass sie zu gut ist und mich nicht nochmal mutwillig verletzen würde, weil ich ihr etwas bedeute, weil sie sagte, sie würde es nicht wieder tun, lasse aber außen vor, worüber wir in der Nacht zu Donnerstag gestritten haben. Der absolute Worst Case, und auch darüber muss ich nachdenken, ist, dass sie sich für etwas besseres hält, als sie eigentlich ist und dass ich das nicht erkenne.
Der absolute Worst Case wäre, wenn sie für einen der 3 Freunde, mit denen sie in London dieses Wochenende war, Gefühle entwickelt hat. Grundsätzlich könnte ich das verstehen. Man ist 5 Tage zusammen unterwegs, kommt sich automatisch näher und entwickelt vielleicht Gefühle, die man bis dahin für nicht möglich gehalten hätte. Das ist nur natürlich. Wahrscheinlich würde sie es mir so nicht sagen und es würde wieder auf ein "Ich kann das nicht." herauslaufen, weil sie es sich selbst nicht eingestehen will. Wenn es so wäre, wenn es so käme, würde ich es ihr vor Augen führen. Grundsätzlich könnte sie da dann auch nichts für, weil es nunmal eben so ist mit Gefühlen, aber es wäre der Worst Case und ich weiß, dass es mich treffen würde.
Auf der anderen Seite, wenn es so wäre, dann wäre es wahrscheinlich das Beste, was mir passieren könnte. Es ist schlimm das zu denken, es ist schlimm, weil ein Teil von mir sich wünscht, sie würde es tun. Der Grund, warum es das Beste wäre, was mir passieren könnte, ist schlichtweg, dass ich dann wüsste, dass ich mich in ihr getäuscht habe und somit frei wäre. Dass ich ihr nicht lange nachtrauern müsste, so wie ich es tun würde, wenn sie sich aus anderen Gründen gegen uns entscheiden würde und ich immer noch das gleiche Bild von ihr hätte.
Ich überlege, wie ich meine Worte wähle, welche Figuren ich zuerst ziehe um sie möglichst unbemerkt aus der Reserve zu locken und ich fühle mich schlecht dabei. Weil dieser Teil von mir, das kühle Gehirn, das berechnet und das Leben wie ein Spiel betrachtet, einer meiner größten Dämonen ist. Etwas, dass nicht im Einklang mit meinem Herz existieren kann und darum versucht, es zu verdrängen. Zu verdrängen, was ich an mir schätze und Besitz von mir zu ergreifen.
Es muss verrückt klingen, aber ich habe es selbst erlebt. Ich habe die Tage erlebt in denen ich die Kälte nicht mehr spürte, weil ich ein Teil von ihr geworden war und das waren nicht die Tage, die auf das Verlassen folgten. Es waren keine Tage der Einsamkeit, es waren Tage, in denen es nichts mehr gab was ernst zu nehmen schien. Tage, in denen jede meiner Entscheidung mit dem Hintergedanken passierte, dass ich nichts zu verlieren habe, ohne Rücksicht auf Verluste.
Ich wünsche mir so sehr, sie würde mich für immer davor bewahren.