Passend zum Palazzo Borghese an der Piazza Borghese ging es am nächsten Tag zur Galleria Borghese in der Villa Borghese. Wirklich eine sehr ehrwürdige Familie, die sowohl zum päpstlichen Adel als auch zum europäischen Hochadel gehört. Auf dem großen Anwesen wurden in verschiedenen Bereichen Gärten angelegt, deren Portale teilweise von tollen Drachen oder Ähnlichen bewacht werden.
Während wir noch auf eine weitere Person warten, schwärmen schon die ersten Menschen hinein in das Museum. Besichtigungen sind im 2 Stunden-Takt möglich. Es ist zwar sinnvoll, die Menge an gleichzeitig anwesenden Besuchern zu kontrollieren, wenn dann aber alle gleichzeitig im selben Raum sind, hat man dadurch nichts gewonnen. Was mit der Treppenanlage wie der Haupteingang aussieht, wird eigentlich nur als Ausgang benutzt, man tritt rechts davon auf etwas niedrigerer Ebene ein. Die Fassade mit Eckrustizierung ist teilweise recht schlicht gehalten, aber über und neben macnhen Fenstern auch mit Ornamenten versehen und mit Nischen, in denen sich Statuen befinden.
Einmal hineingelangt weiß man gar nicht so genau, was man sich eigentlich als erstes anschauen möchte. Alle möglichen Seiten des Raumes sind mit hochwertigen Materialien verkleidet. Alleine dir Architektur mit ihren Verzierungen könnte man sich schon stundenlang anschauen. Bei jeder Möglichkeit wurden einzelne Abschnitte noch mit Symbolen oder Schrift versehen oder mit weiteren Ornamenten aufgefüllt, quasi alles ist mit sehr viel Bedeutung aufgeladen. Zusätzlich dazu werden noch besondere Säulen, Statuen und Büsten oder auch Möbel ausgestellt.
In den Deckengewölben werden oft die architektonischen Strukturen malerisch aufgegriffen, sodass der Eindruck entsteht, sie würden dort weiterlaufen. In den Bereichen, die sich dazwischen bilden, gibt es Gemälde, die verschiedene himmlische Szenen zeigen. Oft werden auch Statuen an die Ränder gestellt, die doch erstaunlich plastisch wirken. Goldene Farbe zieht sich durch die einzelnen Räume, mal mehr und mal weniger dezent, und verleiht dem Ganzen einen sehr edlen Ausdruck.
In diesem Raum ist das Deckengemälde ganz besonders lebhaft gestaltet und zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Diese illusionistische Malerei scheint einen an unterschiedlichen, mit Menschen und Engeln angereicherten Ebenen vorbei direkt in den Himmel blicken zu lassen. Es wirkt auf mich sowohl sehr dynamisch als auch auf gewisse Weise harmonisch und man kann sich in den Details verlieren, wenn man es sich nur lange genug anschaut.
So gut wie jede Tür ist angelegt wie ein richtiges Portal, auch wenn die genaue Form in jedem Raum ein bisschen anders ausfällt. Ob es wohl jemanden gibt, der die ganzen Gemälde, Statuen und Büsten tatsächlich den Personen zuweisen kann, die sie darstellen? Welche Geschichte verbirgt sich hinter ihnen? Es ist jedenfalls toll, sie heute bestaunen zu können.
Hier hat es scheinbar jemand sehr eilig und galoppiert mit seinem Pferd fast direkt aus der Wand hinaus, während die beiden Damen unter ihm scheinbar recht unbeeindruckt und entspannt neben einer antiken Vase verweilen. In der Galerie wird auf jeden Fall viel mit der räumlichen Wahrnehmung gespielt. Bei dieser Fülle an Ornamentik verliert man teilweise aus den Augen, was eigentlich wirklich dreidimensional und was nur aufgemalt ist.
Das bezieht sich nicht nur auf die Wände, sondern auch auf die Deckengemälde. Nur zu gerne möchte man sich vorstellen, dass man tatsächlich durch solche Bögen hindurch auf die Unterseite von einer Art Rundtempel schaut.
Auf der Basis unter der Skulptur Apollo e Dafne von Bernini sind die beiden Wappentiere der Familie anzutreffen, nämlich der Adler und der Drache. Beides sehr mächtige Wesen. Der Text, der hier so schön durch den Adler eingerahmt wird, ist auf die Metamorphosen Ovids zurückzuführen. Dieser Abschnitt wird wohl folgendermaßen übersetzt: "[...} die weiche Brust wird von zartem Bast umschlungen, die Haare werden zu Laub, die Arme zu Zweigen, der eben noch so flinke Fuß bleibt in zähen Wurzeln stecken [...]"
Auch diese Inschrift hat wohl etwas mit den Metamorphosen zu tun. Bei Gelegenheit muss ich mich nochmal etwas genauer damit beschäftigen. Auf jeden Fall bis hierhin schon ein sehr beeindruckendes Museum. Es ist wohl zurecht das Lieblingsmuseum einiger Römer. Auch dieser Eintrag wird noch einen zweiten Teil bekommen.