Kepler Track - Ein Reisebericht
Tag 1
Es ist Donnerstag morgen. 8:30 Uhr. Wir müssen das Hostel um 10 verlassen und noch die Rucksäcke packen. Wir, das sind Marcel, Nils, Jo und ich. Und wir müssen tatsächlich mal unsere Rucksäcke packen und nicht irgendwie alles ins Auto stopfen, denn auf uns warten 4 Tage Wandern.
Der Kepler Track: 60 km lang, höchster Punkt bei 1500m und wir starten in Te anau, das Wetter ist bestens!
Nachdem wir endlich alle 4 Rucksäcke im Kofferraum von Maggie (Marcels und Nils roter Honda Odyssey) verstaut haben geht’s los zum Startpunkt. Wir parken das Auto, schießen Fotos, lachen noch viel, packen die Rucksäcke frohen Mutes auf unsere Rücken… Und dann gibt es noch das Zelt: Das Zelt hat bei niemandem mehr in den Rucksack gepasst, also darf jeder mal tragen; ein Heiden Spaß! Ich melde mich freiwillig.
Die erste Stunde ist noch ziemlich einfach, kaum Steigung und man trottet mit guten 5-6 km/h durch den Wald. Wir machen eine kurze Pause um die Aussicht auf den lake te anau zu genießen, doch wird uns nach wenigen Minuten klar, dass die guten sandflies uns ziemlich mögen, wenn wir nicht in Bewegung sind. Deshalb geht’s sofort weiter.
Nun wird es schon anspruchsvoll. Die Steigung nimmt zu und die Gespräche ab, da jeder mit sich selbst und dem gehen beschäftigt ist.
Es folgen immer wieder mal kurze Pausen, da wir nun alle schon ultra schwitzen und es verdammt anstrengend ist mit ungefähr 10kg auf dem Rücken (ohne Ausnahme hat jeder zu viel mitgenommen; natürlich). Das Zelt wird munter hin und her getauscht, ein herrliches Gefühl, man fühlt sich richtig leicht. Naja, nur wenn man es abgibt…
Nach circa 5 Stunden erreichen wir nun die Baumgrenze und sind der Sonne ausgesetzt. Wir machen eine herrlich lange Pause und genießen den Ausblick. Denn wir sind schneller, als wir eigentlich erwartet hätten. Die Hütte (unser Tagesziel) erreichen wir relativ zügig danach und genießen die Sonne, den Ausblick, Kiwirufe (klingen echt komisch) und zu guter letzt: “Herr der Ringe - Rückkehr des Königs” vor unglaublicher Kulisse.
Die Hütte ist ziemlich spartanisch. Es gibt Schlafsäle mit ein paar Matratzen, einen gemeinschaftsraum mit herdplatten und Toiletten. Keine Duschen. Man kann sich vorstellen wie herrlich man sich fühlt nach 5-6 Stunden wandern und dann keine Dusche in Sicht. Katzenwäsche ist trotzdem irgendwie drin.
Es wird zügig dunkel und auch kühl; die Schlafsäcke sind zum Glück schön warm.
Tag 2
Ich werde wach, weil mir die Sonne ins Gesicht knallt. Total verwirrt, weil alle anderen noch schlafen, steige ich aus dem Hochbettenlager und gucke raus. Ich bin überwältigt von dem Sonnenaufgang den ich mitbekomme. Langsam werden auch andere wach und bestaunen das geschehen. Für mich ist es allerdings zu früh um es länger als nötig genießen zu müssen. Ich lege mich wieder hin.
Als ich wieder aufwache ist der Schlafsaal so gut wie leer. Nur noch Jo, Nils, Marcel und ich. Die anderen sind schon weiter. Wir packen schnell alles ein und verlassen als letztes die Hütte.
Der zweite Tag ist nicht so anstrengend wie der erste. Wir müssen erst knappe 400 Höhenmeter hoch um dann den Rest des Tages auf Graden und Bergkämmen entlang zu wandern. Wunderschöner Tag, entspanntes wandern! Wir müssen hin und wieder durch kleine Schneefelder stapfen, doch zum Glück waren wir nicht die ersten und es sind gute Wege vorgelaufen.
Nach einigen Stunden auf den Bergkämmen geht’s nun wieder fast die gesamte Höhe vom ersten Tag runter. Das geht in die Knie. Doch irgendwann kommen wir dann auch beim Tagesziel an.
Wir bauen das Zelt auf und währenddessen haben sich schon tausende sandflies um uns gesammelt. Mückenspray ist so gut wie alle. Also schnell in den nahe gelegenen Fluss, kurz im eisigen Wasser abwaschen und Feuer machen. Nach einigen Stunden räuchern sind nun auch die sandflies weg, wir reden mit ein paar anderen Wanderern und lassen uns den Rat geben, einen Shuttle von der 20 km entfernten Rainbow Reach zu nehmen, da die restlichen 10 km ziemlich langweilig seien. Wir gehen schlafen. Zu viert in einem 3 Mann Zelt. Die Nacht ist für jeden dem entsprechend kurz und unangenehm.
Tag 3
Es ist früh morgens. Wir bauen das Zelt ab. Frühstücken spärlich und verlassen als erstes den Campingplatz. Wir wollen den Shuttle erwischen.
20km relativ langweiliges wandern liegen vor uns.
Wir laufen durch Wald und Wald und nochmal Wald. Es zieht sich.
Wir sind alle etwas angeschlagen von der Nacht und die Rucksäcke hinterlassen auch ihre Spuren. Wir erreichen die letzte Hütte vor der Rainbow Reach. Noch eine Stunde strammes Wandern und wir sind da…
…und da ist das am Ende dann doch noch lang ersehnte Ziel: Parkplatz Rainbow Reach. Die Muskeln erschöpft, die Schultern und Hüften vom -in der Tat- völlig übertriebenen Gepäck (war ja unsere erste Tour dieser Art, vielleicht lernen wir was draus) und dann noch überholt von 3 Engländern, deren Zelt noch stand, als wir am morgen den Zeltplatz verließen… Zu unserer Verteidigung ist zu sagen, dass wir deutlich mehr Gepäck und schlaffere Waden zu bieten hatten.
Dennoch ist das Gefühl, angekommen zu sein, echt toll! Eine neue Erfahrung, mal so mehrere Tage zu wandern: die Hälfte der Zeit mit Natur-bestaunen, die andere mit den eigenen Schritten beschäftigt, das hat was für sich. Reicht aber für’s Erste.
Fazit: ein toller Trip, definitiv zu empfehlen! Falls unser Bericht darauf schließen lassen sollte, dass es uns nicht gefallen hätte: stimmt nicht!