Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (* 16. Februar 1834 in Potsdam; † 9. August 1919 in Jena) war ein deutscher Zoologe, Philosoph und Freidenker, der die Arbeiten von Charles Darwin in Deutschland bekannt machte und zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute. Im Rahmen seiner Auseinandersetzungen mit der Übertragbarkeit rassischer Kategorien auf die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen zählt Haeckel - hier klarer Gegner seines Lehrers Virchow - zu den schließlich entschiedenen Vertretern einer "eugenischen" Sozialpolitik.
Die neue Wissenschaft der Eugenik sollte Regierungen darin unterstützen, sozialpolitische Maßnahmen einzusetzen, welche durch aktives soziales Eingreifen Degeneration verhindern sollten.
Haeckel trug durch seine populären Schriften sehr zur Verbreitung des Darwinismus in Deutschland bei. Darüber hinaus erarbeitete er eine ausführliche embryologischeArgumentation für die Evolutionstheorie und formulierte in diesem Zusammenhang das biogenetische Grundgesetz. Er gilt als Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene, weil er fortschrittsoptimistisch von der Evolution eine Höherentwicklung und keine „Degeneration“ erwartete.
Er war ein klarer Vertreter der monastischen Weltanschauung.Der Monismus ist die philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen. Der Monismus bezieht damit die Gegenposition zum Dualismus und Pluralismus, die zwei oder viele Grundprinzipien annehmen. In der Religion stehen monistische Lehren oft dem Pantheismus oder dem Panentheismus nahe, der eine Gegenwart (Immanenz) des Göttlichen in allen Erscheinungen der Welt sieht.
Er Mitglied des Alldeutschen Verbandes (der sich 1918 öffentlich zum Antisemitismus bekannte) und wurde 1905 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene
Der Deutsche Monistenbund wurde wie auch andere Freidenkerorganisationen 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Nationalsozialistische Ideologen zogen Ausschnitte seiner Aussagen später als Begründung für ihren Rassismus und Sozialdarwinismus heran, erklärten gleichzeitig aber wesentliche Teile von Haeckels Weltbild als unvereinbar mit der völkisch-biologischen Sichtweise des Nationalsozialismus
Virchow (ein Lehrer Häckels an der Uni Würzberg) plädierte, dass sich alle körperlichen Funktionen durch die Interaktion der Zellen erklären ließen. Diesen Ansatz fasste Haeckel als offensiv materialistisch auf, da er ohne die Annahme einer immateriellen Lebenskraft auskam und den Körper mechanistisch durch seine Zusammensetzung erklärte. Haeckel war begeistert von Virchows empirischen Erklärungsansätzen, sah in ihnen jedoch zugleich eine Gefahr für seinen Glauben.In einem 1856 verfassten Brief an seine Tante Bertha erklärte Haeckel, dass man zwischen den Bereichen des Wissens und des Glaubens unterscheiden müsse, da auch die erfolgreichsten wissenschaftlichen Erklärungen an ihre Grenzen stießen.
Ernst Haeckel vertrat pazifistische Ideen. So unterstützte er die Friedensbewegung Bertha von Suttners (die die Werke Haeckels und Darwins las und die Evolutionslehre vertrat) durch Glückwunschadressen und Briefe.[14] Im Jahr 1913 gründete Haeckel zusammen mit der französischen Sozialistin Henriette Meyer die internationale Friedensvereinigung L'Institut Franco-Allemand de la Réconciliation und die Zeitschrift "La Réconciliation", welche für einen andauernden Frieden zwischen Deutschland und Frankreich eintreten sollte. In einem Leitartikel "Vernunft und Krieg" in "La Réconciliation" identifizierte er das Wettrüsten als Problem, welches ein nicht zu stoppendes Moment hin zu einem Krieg bilden könnte, und verurteilte den nationalen Chauvinismus, welcher Deutschland, Frankreich und Großbritannien erfasst hatte.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verteidigte Haeckel jedoch die deutsche Beteiligung am Krieg und äußerte sich zunehmend nationalistisch. In Haeckels Sichtweise[15] war vor allem England für den Ausbruch eines Krieges verantwortlich, welchen Haeckel z.B. 1916 in einem Brief an seinen Neffen Konrad Huschke[16] einen "schrecklichen Weltkrieg" mit "furchtbaren Verlusten" nannte. Haeckel unterzeichnete am 2. Oktober 1914 den kriegsbejahenden Aufruf „An die Kulturwelt“, der von weiteren 92 Intellektuellen, darunter dem Physiker Max Planck und dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann, unterschrieben wurde.[17]
Ein zerrissener Biologe und Zoologe, Gläubiger, Nationalsozialist und Pazifist.
Das Ernst-Haeckel-Haus wurde in der DDR als wissenschaftshistorische Forschungsstätte weiterbetrieben und überstand auch die Wiedervereinigung. In ideologischer Hinsicht wurde bei der Rezeption Haeckels versucht, das revolutionäre Element seiner Biographie zu betonen. So interpretierte Georg Schneider 1950 eine Zeichnung des 16-jährigen Haeckel von 1850 mit dem Titel „Nationalversammlung der Vögel“