Die Müdigkeit sitzt tiefer als Schlaf.
Nicht so ein „ich hab zu wenig geschlafen“, sondern eher wie ein Grundrauschen im Körper, das nie ganz weggeht. Nachts komme ich nicht wirklich zur Ruhe - selbst wenn ich schlafe, arbeite ich Dinge ab, die ich tagsüber verdränge. Bilder, Gefühle, Fragmente. Ich wache auf und fühle mich, als hätte ich die Nacht nicht verlassen, sondern nur kurz pausiert.
Tagsüber funktioniere ich.
Das kann ich gut. Ich weiß, wann ich lächle, wann ich antworte, wann ich still bin. Es wirkt stabil, fast unauffällig. Aber innerlich ist es eher ein Ausbalancieren. Als würde ich ständig ein Glas tragen, das schon randvoll ist. Und ich gehe vorsichtig, damit nichts überschwappt - bis manchmal ein kleiner Moment reicht. Ein falscher Ton, ein Gedanke, der hängen bleibt. Und plötzlich kippt alles, nicht sichtbar, aber spürbar.
Ich merke, wie wenig Platz ich eigentlich habe. Für Ruhe. Für etwas, das einfach leicht ist.
„Glücklich sein“ klingt für mich nicht falsch – nur weit weg. Fast wie ein Wort aus einer Sprache, die ich verstehe, aber nie wirklich spreche.
Und dann ist da dieser Gedanke an Nähe.
Nicht dieses Oberflächliche, sondern wirklich gemeint. Jemand, der bleibt. Der sich entscheidet und nicht irgendwann leiser wird, distanzierter, weggeht. Ich denke oft, dass das wahrscheinlich zu viel verlangt ist. Nicht, weil es unrealistisch ist - sondern weil ich mich selbst schwer aushalte. Meine Tiefe, meine Schatten, dieses ständige Mitdenken, Mitfühlen.
Ich verstehe, warum jemand davor zurückschrecken könnte.
Ich will nicht alleine leben.
Nicht, weil ich es nicht könnte - sondern weil es sich nicht richtig anfühlt. Aber gleichzeitig wirkt diese Vorstellung wie eine von denen, die man sich leise zurechtlegt, ohne wirklich zu erwarten, dass sie wahr wird.
Vielleicht ist es nur eine Idee. Eine schöne, aber entfernte Möglichkeit.
Und wenn es niemanden gibt, dann ist es so.
Ich komme klar, irgendwie.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, wenn alles ein bisschen leiser wäre. Nicht leer - nur ruhiger. Weniger Spannung im Körper, weniger Gewicht auf Gedanken, weniger dieses ständige Wachsein für alles.
Aber mein System kennt das nicht. Es bleibt aufmerksam, selbst wenn nichts passiert.
Und so gehe ich weiter durch Tage, die sich ähneln, ohne gleich zu sein. Halte die Balance, ohne sie wirklich zu fühlen. Bleibe stehen, ohne wirklich zur Ruhe zu kommen.
Es ist kein Zusammenbruch. Eher ein konstantes Dazwischen.
Nicht ganz erschöpft genug, um aufzugeben. Nicht leicht genug, um einfach zu leben.